42 Thesen – These 2

These: Anti ist keine These

Immer nur gegen etwas zu sein, ist keine Haltung, denn sie stürzt ein, sobald das Gegenüber fehlt. Die Medien beschäftigen sich mit Vorfällen, selten mit Perspektiven. Die Berichterstattung braucht eine Tat, keine Bedrohung. Eine Gefahr ist nur nach einer Tat eine Meldung wert, oder wenn sie unmittelbar bevorsteht. Systematische Klimaverschmutzung wird erst interessant, wenn der erste Tsunami ein Land unter sich begrub – oder der Thunfisch teurer wird.
Die Menschen warten erst auf die Medien und beziehen dann dazu eine Position. Zucker wird gegessen seit man denken kann, Zucker macht dick, wenn zu viel gegessen, schädigt Zähne, das ist keine Neuigkeit – aufgeregt wird sich dennoch, wenn die Medien berichten.
Eigene Positionen, Überzeugungen, Dinge, für die man kämpft und sich einsetzt, reduzieren sich in der Regel auf Lebenserhaltung im unmittelbaren familiären oder persönlichem Umfeld: Arbeit, Leben, Freizeit. Aufregung gibt es erst, wenn das tangiert wird – oder worüber eben die Medien berichten. Die Aufregung erlischt, wenn die eigene Bedrohung wegfällt, man sich daran gewöhnt hat oder die öffentliche Beachtung sinkt, was bei allen Themen der Fall ist, von Terror bis Bankenskandal. Wer gelernt hat auszusitzen, hat das System verstanden, denn Aufregung hält nie lang an, wenn Überzeugungen dahinter fehlen.
Anti-Thesen sind Gegenbehauptungen zu Ausgangsbehauptungen. Ausgangsbehauptungen brauchen Überzeugungen, eigene Überzeugungen. Dazu müsste man sich fernab medialer Präsenz und vorgekauter Positionen mit Themen selbstständig beschäftigen, seine Thesen zur Diskussion stellen und Gegenthesen zulassen und sich diesen stellen.

42 Thesen – These 1

These: Wir brauchen Ideale

Keine Gesellschaft ohne Ideale – oder: keine Gesellschaft ohne Thesen von “ideal”. Thesen an denen man sich reiben kann, die als Maxime stehen, zur Diskussion gestellt werden. Ideale sind selbst kein Ziel, denn Vollkommenheit passt nicht zum Menschen, noch gilt es zwingend dem Nahezukommen, denn mit dem Erreichen wird kein neues ausgerufen. Aber ohne Ideale fehlt ein Fixpunkt, eine Orientierung. Ohne Suche danach fehlt die Auseinandersetzung, ohne Streit darüber fehlt es an Schärfung der Sinne. Tolerenz kann ein Ideal sein, wird aber viel zu oft als ersatzlose Preisgabe von Idealen begriffen um zwingend einen gemeinsamen Nenner zu schaffen. Wer Toleranz als Gleichmachung versteht, durch weglassen von Idealen, verliert das Ideale an der Toleranz – dem Überwinden von Gegensätzen, dem Ertragen von Andersartigkeit, das Ertragen anderer Ideale.

Mittwoch ist eben nicht Mittwoch

Mein digitaler Kalender beginnt am Montag und endet am Sonntag. Aber im CMS beginnt die Woche am Sonntag und hört am Samstag auf. Was auch den Mittwoch erklären würde, denn “Mitte der Woche” ist bei 7 Tagen nun mal nicht der Donnerstag, sondern eben am vierten von sieben Tagen. Die Kalenderwoche, nach der sich viel im Geschäftsbereich dreht, wechselt auch am Montag. Aber wann hat der Mittwoch eigentlich seine originäre Bestimmung eingebüßt?

Wikipedia hilf! Die Reihenfolge der Wochentage wurde tatsächlich 1976 die Reihenfolge nach einer ISO-Empfehlung so festgelegt, dass nun einheitlich der Montag der Beginn sein sollte, zumindest in Europa. In konservativeren und religilöseren Staaten ist dagegen weiter der Sonntag der Wochenbeginn (was mein CMS erklären würde). Die Herleitung, dass ja Gott an sieben Tage die Erde erschuf und am letzten Tag ruhte, also konsequenterweise der Sonntag, ist dagegen schwammig. Im jüdischen Kulturkreis ist bspw. der Schabat, unser Samstag, der Ruhetag, nicht der Sonntag. Die weiteren geschichtlichen kann man gern mal nachlesen.

Aber was bedeutet es für einen selbst? Beginnt für einen selbst die Woche mit dem Sonntag und mündet sie ins Ende am Samstag? Nein. Gefühlt ist der Sonntag das Wochen-Ende, nicht nur wegen der KW. Weil man sich die ganze Woche müht und dann am Ende die wohlverdiente Ruhe erntet. Der Mensch will erst leisten, dann ernten. Will erst die Mühsal hinter sich bringen, dann sich belohnen. Und zweimal einen Tag frei die Woche klingt auch einfach viel unentspannter als zwei an einem Stück.

Mittwoch ist daher nicht unsere Lebens-Wochenmitte. Aber es läutet die Hälfte der Arbeitswoche ein. Was irgendwie auch beruhigend ist, dass das allein zeigt, dass Arbeit nicht unser Leben darstellt, sondern nur einen Teil, den Teil, der uns auch erlaubt am Ende davon zu profitieren, davon sich etwas zu gönnen. Und das ist wahrscheinlich

Verkehrsmittel vergleichen, Reise planen

Erinnert ihr euch an den 17. März 2009? Ich nicht wirklich, aber an dem Tag schrieb ich sage und schreibe drei Blogeinträge, einen darunter über das Thema “Verkehrsmittel vergleichen”. Und dazu heute mal ein Update. Aus Gründen.

Neben Bekleidungsgeschäften und einem Besuch in einem Geschenkartikel-Shop, was jedesmal für mich einen spontanen mentalen Zusammenbruch respektive ein olfaktorisches Desaster auslösen, gehörten von jeher das Betreten eines Reisebüros für mich zu einem der schlimmsten Momente des Jahres.

Reiseplanung! Wie viele Tage gibt es eigentlich, auf die man wirklich enorme Erwartungen im Jahr setzt? Ca. 17. Das sind Silvester, Geburtstag und Weihnachten – und eben 14 Tage Urlaub. Silvester und Geburtstag sind unvermeidlich und kommen wie Urgewalten, doch Weihnachten und Urlaub verbindet etwas ungemein wichtiges: Beides erfordert Planung. Und für die Reiseplanung ging man früher ins Reisebüro und ggf. zum ADAC für die Landkarten. Heute hat man … THE INTERNET! Doch wirklich klüger (sorry: smarter) wird man deswegen noch nicht.

Im Reisebüro buchte man früher meist das Rundum-Glücklich-Paket, zumindest bis Reiseantritt. Wählte man Flug, war die Planung ab Flughafen der kundigen Fachangestellten in die Hände gegeben, die nach Wälzen unzähliger Kataloge und hektischem Tippen auf runtergekommenen Tastaturen endlich den perfekten Reiseplan aus dem Nadeldrucker surren ließ – und dann zur Kasse bat. Wenig überraschend war dann allerdings oft, dass die hübsche Planung spätestens am Reisetag dann oft nicht mehr aufging. Wie viele herumirrende Menschen traf ich in meinem Leben, die mit “eigentlich müsste doch”-Gesichtern auf Flughäfen und Abfahrtshaltestellen herumirrten, wie viele Menschen sprechen, die im Chianti ihren Frust ertränkten, dass der Blick aufs Meer wohl vom Schornstein des Hotels aus aufgenommen worden sein musste und unvergessen die Gesichter der Familie aus Oberbayern, die wir vor dem Rohbau des gebuchten Hotels an der Riviera mit ihren Koffern standen…

Das Internet hat da wirklich viel gebracht. Wer sich die Mühe macht, sein Schicksal heute selbst in die Hand zu nehmen, der wird problemlos eher auf “zu viel” als falsche Informationen über das Reiseziel finden. Oder anders: Wenn ein Reiseziel zu wenig Informationen im Netz anbietet und ich keine (authentischen!) Kundenrezensionen finde, scheidet es eben sofort aus. Sich selbst ein Bild machen können, selbst beim Hotel zu buchen und die Reise zu planen, macht sicher mehr Arbeit, senkt aber die Enttäuschungswahrscheinlichkeiten bis nahe dem Wetterfaktor. Und richtig interessant wird es, wenn man bei der Buchung und Preisverhandlung weiß, was denn überhaupt marktgerecht ist – sei es bei Hotels, Ferienwohnungen oder auch Flügen. Dabei helfen die gängigen Vergleichsportale im Netz enorm. Soweit, so gut.

Nun stellt sich aber die Anreise heute als neue Herausforderung. Nicht nur (aber auch) wegen des enorm gestiegenen Spritpreises (ok, und Umweltaspekten) ist die Wahl zum Auto längst nicht mehr die im Zweifel günstigste Lösung. Billigflieger locken mit niedrigen Preise, die Bahn bietet Komfort und jetzt mengen auch noch die Fernbusse mit, die nach der Öffnung für den Markt zu einem wahren Fernbusboom geführt haben. Neben Auto, Zug oder Flug ist nun also auch noch der Bus eine Option und unter dem Schlagwort “intermodal” hat auch noch die Kombination der Verkehrsmittel im Köcher. Wer soll da noch durchblicken? Richtig. THE INTERNET!

Ein Dienst, der das versucht zu kombinieren, nennt sich GoEuro. Ein Start-Up, das verspricht die Verkehrsmittel nicht nur im Preis sondern auch in der Zeit zu vergleichen und dabei live Flug-, Bahn- und Busverbindungen zu berwerten. goeuroDie Idee dazu hatte Naren Shaam, ein Harvard-Absolvent, während einer Europareise im Jahr 2010. GoEuro macht einem damit zum echten kleinen Reisebüro at home. Und was mir dabei am Besten gefällt: Es ist herrlich einfach, nahezu googlesk simpel zu bedienen. Eine Maske mit “von”, “nach”, “wann” und “wer”. Und ab geht’s, die Maschine rattert.

goeuro_home

Gefällt mir und ich spiel gern mit rum, weil die Ergebnisse auch interessant sind. Bspw. kann man sich schön ausrechnen lassen, warum das “Junge, nimm doch nächstes Mal die Bahn!” einen handfesten Unterschied von 27,10 Euro (einfach) ausmacht! Plus eine um 1 Stunde längere Fahrtzeit. Während ich mir für meinen nächsten Besuch der re:publica im Mai doch mal überlegen sollte, ob der Flug (ermittelt: 39,99 € einfach) nicht doch die bessere Wahl wäre als der zuletzt immer genutzte Zug, während das Auto offenbar ja überhaupt gar keinen Sinn macht.

Derzeit erscheint das Angebot von GoEuro, das man mit gutem Recht mal als gelungenes Beispiel für „Smart Big Data“ bezeichnen kann“, gerade im Bus-Sektor noch ausbaufähig bei längeren Vorlaufzeiten, aber das hat wohl auch mit der Fluktuation der Preise der Verkehrsmittel-Anbieter zu tun, bspw. sind auch Preise für Bahn-Tickets heute ja fast so zuverlässig vorherzusagen wie Schweinebauch. Aber allein um sich einen Überblick zu verschaffen und mit der Option der Verkehrsmittel-Kombination (die gerne auch noch etwas komplexer ausfallen darf!) lohnen sich ein Bookmark.

Von A nach B

Solange eine Gesellschaft es für wertvoller erachtet
wenn einer ein Häufchen Geld von A nach B verschiebt
als wenn einer einen Menschen von A nach B schiebt
hat sie ein größeres Problem
als sie sich eingestehen will.

Eine gute Wahl

Ich bin mit der Bundestagswahl 2013 höchst zufrieden. Und das nicht nur wegen der guten FDP-Witze – und mit dem tatsächlichen Wahlausgang hat das auch insgesamt wenig zu tun.

Ich bin zufrieden, weil ich unglaublich viele Gespräche über Politik in meinen sozialen Medien mitbekommen habe.

Politik, das war lange Zeit ein totales Non-Thema, jetzt wird wieder darüber diskutiert, auch gestritten, gewitzelt oder gerätselt. Wer mit wem? Warum nur so oder so? Haste nicht gesehen? Wer meinste wird? Ich erinnere mich an ganz andere Zeiten.

Vielleicht ist das ja nur so in meiner “Peer-Group” (nicht verwandt oder verschwägert mit gewissen SPD-Politikern), aber ich merke es auch an meinen Kindern. Mein Sohn (10) sitzt mit mir um 18:00 Uhr gespannt vor der ersten Hochrechnung, meiner Tochter (7) muss ich auf dem Weg zur Schule erklären, welche Partei eigentlich was macht … und komm dabei gehörig ins Schwitzen. Und das nicht nur an einem Tag, an vielen Tagen. Wir schauen uns Wahlplakate an, stolpern über komische Aussagen. Meine eigene politische Ansicht wird hinterfragt und es wird um Erklärungen gebeten.

Wir reden wieder über Politik, scheinbar ist das generell wieder in der Gesellschaft angekommen. Und egal ob einen dann die Ergebnisse im Einzelnen in den politischen Kram passen, irgendwie scheint die “Null-Bock-auf-Politik”-Phase vorbei zu sein, man will wieder Politik verstehen, mit beeinflussen, vielleicht auch mit gestalten. 71,5 % Wahlbeteiligung, das ist nach wie vor kein wirklich guter Wert, aber zumindest ist der freie Fall seit 2002 ein wenig gestoppt. Ein Anfang. Immerhin.

Mir gefällt das. Das ist ein guter Weg. Das ist eine gute Wahl.

Geht wählen!

Meint ihr denn, dass ich das gern mache?! Schauste dir die Mischpoke doch nur an, da brauchst du deine Hand nicht rumdrehen. Und ändern wird sich eh nur marginal was. Und woran es gelegen hat, wenn dann wirklich mal was besser (oder schlechter) wurde, weiß man sowieso eh nie so genau. Wenn man ehrlich ist, dann glaubt man doch eh, dass die Verbesserung der Wirtschaftsdaten längst jenseits der politischen Einflussnahme ist und entsprechend es quasi Roulette ist, wer gerade die Arschkarte gezogen hat und sparen muss oder wer den Goldesel kriegte und Geschenke verteilen darf.

Und trotzdem! Geht wählen!

Weil es einfach stimmt, read more »