Ich, nicht ihr, kapier es nicht

Spreeblick gehört zu meiner daily bloglist und die Schreibe von johnny ist wirklich gut (*ungeschleimt). So ‘vorbelastet’ hab ich die ausgerufene Initiative “Ihr, nicht ich!” von Spreeblick vom 7. Mai 2005 fast postwendend mit Button und Link geposted … und es dann wieder auskommentiert.
Nach ersten Selbstzweifeln sah mich auch noch ein Kollege komisch an beim Thema und meinte nur achselzuckend: ‘Weiss auch nicht, was ich dazu sagen soll’. Genau auf den Punkt gebracht! Doch langsam finde ich meine Worte wieder.

Vielleicht fehlt mir einfach der intellektuelle Zugang: Wer sind denn ‘die’, wenn man von ‘denen da oben’ spricht? Ist es nun die Regierung, die Politik, das Top-Management, der Kapitalismus, die oberen Zehntausend?
Die Kommentare bei Spreeblick lesen sich auch nicht unbedingt überzeugend. Ich habe das Gefühl, jeder denkt was anderes dabei.

Doch irgendwie stört mich dann doch noch mehr dabei als gedacht.

Ja natürlich sind »“Slogans” wie Geiz ist geil oder Lass dich nicht verarschen« nicht gut für uns gewesen – und ja, die Aktien-Abzocke hat Narben hinterlassen, nicht nur finanzielle. Auch die anderen Thesen, wie die Kriminalisierung Jugendlicher, das Gefälle zwischen Arm und Reich, die Bildungsfehlentwicklung, die Politik-Lüge und der verlorene Bezug zum Wähler oder die vollkommene Hilflosigkeit beim Umgang mit den neuen Medien – alles Themen, die zu diskutieren sind und auch diskutiert werden… Nur: Was hat das alles miteinander zu tun? Das alles an der Initiative »FC Deutschland 06« aufzuhängen – der Nagel ist nicht tief genug geschlagen.
Eine Image-Kampagne ist doch vollkommen normal und auch gar keine so schlechte Idee. Und das sie politisch instrumentalisiert wird, mit der Erkenntnis lockt man auch keinem hinter dem Ofen vor. Da sind mir doch die Debatten um soziale Verantwortung ‘lieber’, als mit so einer Schrotflintenkritik mal alle auf einmal auf’s Korn zu nehmen. Zudem ich immer noch nicht so genau weiß, wer denn “die” nun sind.

Auch wenn in den Kommentaren »Johnny says: Ich bin ja froh, dass jetzt eine Diskussion ums Thema daraus wird« mag ich dem widersprechen (mittlerweile): Nicht jede Diskussion ist fruchtbar, und ein wenig Optimismus (wie auch immer motiviert), tut uns allen gut. Gezielt und präziese sollte unsere Kritik sein, an der Politik, der Gesellschaft und der Wirtschaft. Gerade Blogs wie Spreeblick, die bereits viel geleistet haben, haben da eben auch Verantwortung – auch wenn das einige Blogger nicht wahr haben wollen. Denn wenn johnny (oder muss ich jetzt auch “Herr Johnny Haeusler” sagen?) was sagt, lauscht halb Deutschlandblog … das ist nun mal Fakt zur Zeit.

Aber vielleicht – wie schon erwähnt – hab ich es einfach auch nur nicht kapiert. Kann auch passieren.

Nur das mit dem Graffiti sehe ich ganz sicher anders. Wer – wie ich – häufig mal mit ÖPNV fährt und kaum aus den Fenstern gucken kann vor lauter “Scratching”, ich auf historischen Gebäuden “Tags” ertragen muss oder nach nur wenigen Tagen der Sanierung wieder durch einen zugeschmierten Bahnhof laufen darf, der hat einfach keine Lust mehr, die selbsternannten Graffiti-Künstler nicht mehr kriminalisieren zu wollen. Ich jedenfalls fühl mich davon einfach nur noch belästigt.

Die Initiative bei Spreeblick: Ihr, nicht ich!
http://spreeblick.com/blog/index.php?p=841

René meint: ‘Danke für den Beitrag, schon im Lummaland gibt’s eine kritische Stimme zu Johnnies Aktion. Ein gutes hat’s ja dann doch gehabt: die Leute fangen an, sowas zu reflektieren. Weiter so.’

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Ich glaub, das war's.