Wie gut, dass ich es aufgrund meines (Internet-losen) Bamberg-Besuchs erst heute mitbekommen habe und es aus einer Art Rückblick betrachten kann: Die kurzzeitige Nicht-Erreichbarkeit einiger bekannter Blogs, darunter eben Spreeblick, war kein Hack, keine Verschwörung und kein Sudden Death, es war der Anfang von etwas Neuem, der Beginn des Weges in die Kommerzialität. Kurzum: Spreeblick wurde zum Verlag.
Jetzt reiben sich die »late adopters«, die gerade erst zum ersten Mal von Blogs gehört haben verwundert die Augen, während die »early adopters« um eine Meinung dazu ringen, eine Meinung dazu, was man denn davon halten soll, dass eines der Flaggschiffe der unabhängigen Blog-Szene, eben Spreeblick von Johnny Haeusler, zu den Kommerziellen gewandelt ist. Gerade das Spreeblick-Blog, das mit der Geschichte über Jamba dem Kommerz einen Fehde-Handschuh ins Gesicht schlug und als Auflehnung gegen flurbereinigte PR- und Medienlandschaften verstanden wurde.
Schon liest man in Blogs von »Krieg« (sowas will ich nicht einmal verlinken) und anderen Unsinn, doch hält sich der Aufschrei sonst im Wesentlichen in Grenzen (bisher) – und das ist auch gut so. Fakt ist, dass der Schritt in die Vermarktung eines Blogs ab einem gewissen Arbeitsaufkommen notwendig ist, jedenfalls wenn man nicht Hartz IV im Abo hat oder sich aus sonstigen Gründen den Gesetzen unserer Gesellschaft zu entziehen wusste (Ich verkaufe unserer Oma ihr klein Häusschen…).
Und was für eine Meinung habe ich dazu? Zum ersten habe ich ja selbst »Werbung« hier im Blog (eine höchst lukrative Einnahmequelle im Übrigen, über die ich mir bereits mehrere Immobilien finanzieren konnte…), daher liegt es nahe, dass ich mit Werbung keine so großen Berührungsängste habe.
Entscheidend ist doch, welche Motive hinter dem Publizieren stehen und welchen Einfluss eine Vermarktung auf ein Blog hat. Und beides sehe ich bei Spreeblick soweit ich das beurteilen kann untadelig – im Gegenteil, die Art der Veröffentlichung des Schritts zum Verlag und die Beteiligung an der laufenden Diskussion, bei der (angenehm rührend) Johnny allerorten um Verständnis wirbt, unterstreichen meinen Eindruck. Das alles lässt vermuten, wie schwer man sich selbst tat dies argumentativ vor sich selbst hinzubringen, wie bewusst einem das Spannungsfeld ist.
Geld zu verdienen durch Sponsoring und Werbung ist schwerverdientes Brot, ich weiß auch aus anderem Zusammenhang wovon ich spreche. Und der Gegenwind aus den eigenen Reihen, sprich »Die Blogger-Szene«, wird weiter zunehmen. Schnell wird da hinterfragt, wenn Firma x kritisiert und Firma y beworben wird. Schnell ist das Urteil gefällt, schnell die ‘Käuflichkeit’ postuliert.
Neider kommen auf den Plan, denen die Nase sowieso noch nie gepasst hat, die Kommentare werden härter werden – das prognostiziere ich jetzt mal. Spreeblick hat seine Unschuld verloren, aber deshalb noch lange nicht sein Gesicht. Spreeblick hat den Nimbus der Unantastbarkeit aufgegeben, den die ideologischen Internet-Einzelkämpfer, die Robin Hoods der Neuzeit, so gerne umgibt. Dennoch: Anders als bei mir, der ich seit fast 10 Jahren aus Leidenschaft publiziere und dabei immer gerne ein paar Euro verdient habe, wenn es denn was zu verdienen gab, damit aber nie nur annähernd daran dachte – geschweige denn es auch nur annähernd erreichte – wenigstens die Kosten zu decken, umgab Spreeblick immer der unkommerzielle »Punk«.
Manchmal ist es schwerer dem gerecht zu werden, was andere meinen was man ist, als man selbst zu bleiben.
Ähnlich wie einst »Dr. Web«, denen – nur meine persönliche Meinung – der Umstieg auf das kommerzielle Modell zwar leidlich glückte, sie dabei aber verhärmten indem sie durch all die Irrungen und Wirrungen ihre Leichtigkeit und ihren Frohsinn irgendwo verloren haben, muss auch Spreeblick zeigen, ob man den Umstieg schafft und dennoch keinen Schaden an der Seele nimmt. Meine besten Wünsche begleiten Johnny und das Team. May the force be with you!
SPREEBLICK VERLAG KG gegründet
http://www.spreeblick.comweblog/2005/06/11/spreeblick-verlag-kg-gegrundet/
Spreeblick – Neuer Verlag setzt auf Weblogs
http://www.golem.de/0506/38584.html
Dem Johnny sein Verlach (mit weiteren Verweisen)
http://www.nerdcore.de/wpweblog/2005/06/13/dem-johnny-sein-verlach/
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Wie gut, dass ich es aufgrund meines (Internet-losen) Bamberg-Besuchs erst heute mitbekommen habe und es aus einer Art Rückblick betrachten kann: Die kurzzeitige Nicht-Erreichbarkeit einiger bekannter Blogs, darunter eben Spreeblick, war kein Hack, keine Verschwörung und kein Sudden Death, es war der Anfang von etwas Neuem, der Beginn des Weges in die Kommerzialität. Kurzum: Spreeblick wurde zum Verlag.
Jetzt reiben sich die »late adopters«, die gerade erst zum ersten Mal von Blogs gehört haben verwundert die Augen, während die »early adopters« um eine Meinung dazu ringen, eine Meinung dazu, was man denn davon halten soll, dass eines der Flaggschiffe der unabhängigen Blog-Szene, eben Spreeblick von Johnny Haeusler, zu den Kommerziellen gewandelt ist. Gerade das Spreeblick-Blog, das mit der Geschichte über Jamba dem Kommerz einen Fehde-Handschuh ins Gesicht schlug und als Auflehnung gegen flurbereinigte PR- und Medienlandschaften verstanden wurde.
Schon liest man in Blogs von »Krieg« (sowas will ich nicht einmal verlinken) und anderen Unsinn, doch hält sich der Aufschrei sonst im Wesentlichen in Grenzen (bisher) - und das ist auch gut so. Fakt ist, dass der Schritt in die Vermarktung eines Blogs ab einem gewissen Arbeitsaufkommen notwendig ist, jedenfalls wenn man nicht Hartz IV im Abo hat oder sich aus sonstigen Gründen den Gesetzen unserer Gesellschaft zu entziehen wusste (Ich verkaufe unserer Oma ihr klein Häusschen...).
Und was für eine Meinung habe ich dazu? Zum ersten habe ich ja selbst »Werbung« hier im Blog (eine höchst lukrative Einnahmequelle im Übrigen, über die ich mir bereits mehrere Immobilien finanzieren konnte...), daher liegt es nahe, dass ich mit Werbung keine so großen Berührungsängste habe.
Entscheidend ist doch, welche Motive hinter dem Publizieren stehen und welchen Einfluss eine Vermarktung auf ein Blog hat. Und beides sehe ich bei Spreeblick soweit ich das beurteilen kann untadelig - im Gegenteil, die Art der Veröffentlichung des Schritts zum Verlag und die Beteiligung an der laufenden Diskussion, bei der (angenehm rührend) Johnny allerorten um Verständnis wirbt, unterstreichen meinen Eindruck. Das alles lässt vermuten, wie schwer man sich selbst tat dies argumentativ vor sich selbst hinzubringen, wie bewusst einem das Spannungsfeld ist.
Geld zu verdienen durch Sponsoring und Werbung ist schwerverdientes Brot, ich weiß auch aus anderem Zusammenhang wovon ich spreche. Und der Gegenwind aus den eigenen Reihen, sprich »Die Blogger-Szene«, wird weiter zunehmen. Schnell wird da hinterfragt, wenn Firma x kritisiert und Firma y beworben wird. Schnell ist das Urteil gefällt, schnell die 'Käuflichkeit' postuliert.
Neider kommen auf den Plan, denen die Nase sowieso noch nie gepasst hat, die Kommentare werden härter werden - das prognostiziere ich jetzt mal. Spreeblick hat seine Unschuld verloren, aber deshalb noch lange nicht sein Gesicht. Spreeblick hat den Nimbus der Unantastbarkeit aufgegeben, den die ideologischen Internet-Einzelkämpfer, die Robin Hoods der Neuzeit, so gerne umgibt. Dennoch: Anders als bei mir, der ich seit fast 10 Jahren aus Leidenschaft publiziere und dabei immer gerne ein paar Euro verdient habe, wenn es denn was zu verdienen gab, damit aber nie nur annähernd daran dachte - geschweige denn es auch nur annähernd erreichte - wenigstens die Kosten zu decken, umgab Spreeblick immer der unkommerzielle »Punk«.
Manchmal ist es schwerer dem gerecht zu werden, was andere meinen was man ist, als man selbst zu bleiben.
Ähnlich wie einst »Dr. Web«, denen - nur meine persönliche Meinung - der Umstieg auf das kommerzielle Modell zwar leidlich glückte, sie dabei aber verhärmten indem sie durch all die Irrungen und Wirrungen ihre Leichtigkeit und ihren Frohsinn irgendwo verloren haben, muss auch Spreeblick zeigen, ob man den Umstieg schafft und dennoch keinen Schaden an der Seele nimmt. Meine besten Wünsche begleiten Johnny und das Team. May the force be with you!
SPREEBLICK VERLAG KG gegründet
http://www.spreeblick.comweblog/2005/06/11/spreeblick-verlag-kg-gegrundet/
Spreeblick - Neuer Verlag setzt auf Weblogs
http://www.golem.de/0506/38584.html
Dem Johnny sein Verlach (mit weiteren Verweisen)
http://www.nerdcore.de/wpweblog/2005/06/13/dem-johnny-sein-verlach/