Spenden für die USA?

Die Hurrikan-Katastrophe in New Orleans ist ohne Zweifel eine Tragödie. Mein letzter und bisher einziger New Orleans-Besuch liegt zwar eine ziemliche Weile zurück, aber die Vorstellung, dass das alles nicht mehr sein soll – und ich rede jetzt weniger von den Sehenswürdigkeiten als vom Leben in der Stadt selbst. Da wird einem ganz mulmig. Auch wenn man sich einmal in die Situation hineinversetzt, wenn die z.B. selbst renovierte Wohnung, die kleinen persönlichen Dinge, die man nicht mitnehmen konnte, alles weg sein sollen – da hat man wirklich Mitgefühl. Über die vielen Opfer und Schiksale mag man gar nicht erst tiefer nachdenken. Alles sehr traurig.

Aber spenden?

Persönliche Spenden als Akt selbstloser Nächstenliebe? Keine Frage: Ja!
Gezielte Spenden, um Projekte zu unterstützen – sei es eine kleine Kirchengemeinde, zu der man sich verbunden fühlt, oder eine Hilfseinrichtung: Ja, ohne Zweifel!
Aber Spenden als großangelegte Spendenaktion wie beim Tsunami in Asien? Ich bin mir da unschlüssig. Amerika ist kein armes Land und ich weiß wirklich nicht, ob Bush so einen Aufruf gerne sehen würde. Amerika ist eben auch ein stolzes Land und das Verhältnis zu Deutschland nicht das Beste – da könnte ein Aufruf auch missverstanden werden. Mir ist auch nicht bekannt, dass Amerika Hilfsbedürftigkeit signalisiert hätte, wie dies bspw. Portugal zuletzt tat, als man die Brände nicht unter Kontrolle bekam.

Was sollen dann aber die aufkommenden Proteste, die anprangern, dass man nun New Orleans nicht die gleiche Anteilnahme zukommen ließe wie bspw. Thailand? Muss man Anteilnahme heutzutage immer gleich mit Spendenaufrufen gleich setzen? Und warum das dann gleich als Amerika-Bashing ausgelegt wird, ist mir erst Recht ein Rätsel.
Für mich ist daher der Spiegel-Kommentar »Bashing statt Spenden« von Claus Christian Malzahn eher das Gegenteil: Eine willkommene Gelegenheit den politischen Frust zum Ausdruck zu bringen. Ich jedenfalls kann keine versteckte Bosheit darin entdecken, wenn von Schröder „nur“ Mitgefühl zum Ausdruck gebracht wird und nicht gleich wieder die Euro-Millionen angekündigt werden und zur Hilfe aufgerufen wird. Und ich kann auch keinen Akt von kaltem Politkalkül darin sehen, wenn Jürgen Trittin in einem Artikel die Zusammenhänge von Klimawandel, Treibhauseffekt und Hurrikans aufzeigt und dabei auch auf die Weigerung Washingtons hinweißt, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen. Im Gegenteil, das sollte ausdrücklich erlaubt sein zu sagen, auch wenn es wissenschaftlich andere Stimmen gibt – Gegenstimmen, die es aber eben immer und in allen Bereichen gibt.

Nein. Amerika ist kein Land, dass Spendenaufrufe braucht – noch wohl welche hören will. Ich kann mir noch nicht einmal vorstellen, dass Hilfsleistungen des THW, geschweige denn der Bundeswehr angenommen werden würden.

Diese zunehmende Politisierung von Katastrophen geht einem seit längerem ziemlich auf den Keks. Und viele der Kritiker, die jetzt von Bashing sprechen, und vor allem der Spiegel-Artikel, tun dabei genau das, was sie selbst anprangern: Sie politisieren ein Thema, das man nicht politisieren sollte.

SPON-Kommentar: Bashing statt Spenden

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Blödsinn statt Journalismus
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