Mal so unter uns: Wer hat nicht schon oft in den Schreibtisch gebissen und war drauf und dran einem dreisten Spammer mal so richtig die Meinung zu flöten. Wer hatte nicht schon im Geiste jede Haßzeile akribisch formuliert, mit wüsten Flüchen garniert und – sozusagen mit dem Schlußstrich – die grausamste aller Drohungen drunter genagelt: »Und außerdem sag ich es meinen Anwalt! Der macht dich platt!«.
Doch wer klug war, der hat zu Hause besser ein Bierchen getrunken (kein Weißwein! der macht aggressiv!), den Fernseher angemacht (kein RTL!) und versucht die Sache zu vergessen.
Weil … ja weil es keinen Sinn hatte. Entweder die Haß-Mail, im Netzjargon abwertend auch »Flame« genannt, landete im Datennirvana, erreichte den Falschen, weil der Absender vorher gefälscht war, oder erfreute sogar den Spammer(!), weil er nun die Adresse als überprüft und erreichbar, also ‘valide’, teuer weiterverkaufen konnte. Also griff der, der klug war, doch zum Bierchen oder machte (hüftfreundlicher) einen Spaziergang.
Auch rechtliche Schritte waren wenig Erfolg versprechend: Weil es nur schwer eine Handhabe gegen Spammer gab, weil es schwer nachweisbar war oder weil sich die Spur letztendlich im Ausland verlief. Ich hatte einmal versucht einen E-Mail-Missbrauch mit der Kriminalpolizei zu klären, doch selbst die winkten resigniert ab (nachzulesen hier im Artikel »SPAM – Jetzt sind Sie der Boesewicht!«).
Zudem musste man immer selbst in Vorleistung treten, z.B. Anwalt beauftragen, oder das Risiko tragen, dass man am Ende auf den Kosten sitzen blieb oder selbst unter Beschuß geriet.
Nun der Silberstreif am Horizont: Der Verbraucherzentrale Bundesverband »vzbz« hat eine Beschwerdestelle eingerichtet. Dort kann man via E-Mail Spammer anschwärzen. »Der vzbv überprüft diese Fälle und wird in geeigneten Fällen juristisch gegen Spam-Versender und deren Auftraggeber vorgehen«.
Und weiter ist zu lesen:
»Spammer aus dem Ausland werden an Verfolgungsstellen im Ausland gemeldet, die effektive Maßnahmen vor Ort ergreifen können. Die Beschwerdestelle ist Teil eines vom Bundesverbraucherministerium geförderten Projekts zur Bekämpfung von Spam, an dem auch die Verbraucherzentralen der Länder aktiv mitwirken.
Durch die Rechtsverfolgung soll eine abschreckende Wirkung auf Spammer erzielt werden. “Neben Unterlassungsklagen werden wir auch versuchen, Spammern gezielt ihre Gewinne abzunehmen”, so Patrick von Braunmühl, Leiter Fachbereich Wirtschaftsfragen im vzbv. Empfänger von Spams sind aufgefordert, unerwünschte Spam-Mails an den vzbv weiterzuleiten.
Sounds good to me! Und heute hatte ich auch gleich ein schönes Beispiel vor der Flinte. Eine Seitensprungagentur fragte nach einem Angebot. Ich mache es kurz: Aus dem Gesamtzusammenhang war klar zu erkennen, dass die Anfrage (die auch bereits vor einiger Zeit fast identisch einging) nur einen Zweck hatte: Guerilla-Marketing – und damit SPAM. Da kann man sich so richtig drüber ärgern, dass man mit solchen vorgetäuschten Anfragen meint besonders clever zu sein und dabei billigend in Kauf nimmt, dass Leute das ernst nehmen und sich damit auseinandersetzen und vielleicht schon ein Angebot vorbereiten. Ein echter Schaden also entsteht.
Der vzbv bittet lediglich, alle Informationen des Headers der E-Mail mit einzusenden. Wenn jemand nicht weiß, wie das mit dem Header geht, steht auch eine Hilfe mit FAQs zu verschiedenen E-Mail-Programmen zur Verfügung.
Leider – wenn auch verständlich – wird man vom vzbv nicht informiert, ob und wie die Prüfung und ein ggf. eingeleitetes Verfahren ausgeht. Das würde das wohl den administrativen Rahmen sprengen.
Aber es ist ein wirklich gutes Gefühl, wenn man weiß, dass das nun geprüft wird.
Spam-Beschwerdestelle beim Verbraucherzentrale Bundesverband
http://www.vzbv.de/go/presse/608/index.html
Golem.de: Verbraucherschützer richten Spam-Beschwerdestelle ein
http://www.golem.de/0509/40590.html
