Eine subjektiv unbrisante Meinung vom
um 14:13 Uhr
Vorweg: Johnny ist wieder da. Nein, nicht virtuell, denn sein Blog Spreeblick ist ja schon vor einiger Zeit wieder on air gegangen, ich meine es eher im Geiste.
Irgendwas habe ich bei Spreeblick vermisst – ich konnte es aber nicht sagen was. Jetzt weiß ich es: Es ist so die besondere Schreibe zu besonderen Themen, so wie einfach hier, hier oder auch hier.
Und jetzt eben wieder hier: Lehsehnlehrnehn.
Johnny philosophiert über das Lesenlernen, über die Mühe unserer Kleinsten mit dem Lesen an sich, aber auch mit dem Lesen im Besonderen, in einer Welt der Marketing-Speech, des Denglish und der Mühen um Markenindentität. Unbedingt Lehsehn!
Dabei kam aber in den Kommentaren von rene der Einwand, »Wenn die Wirtschaft die Wände vollkleistern darf, warum darf ich dass dann eigentlich nicht?«. Ein guten Einwand, den ich auch wie folgt schon aufgegriffen habe: »Das, René, DAS (sic!) ist für mich das einzige Argument, das ich ‘pro Graffiti’ gelten lasse. Denn das ist nämlich wahr und das dachte ich mir nämlich genau am Samstag, als ich mit meinem Kleinen durch die Stadt spazieren ging und mich fragte, was ich schlimmer finde: Graffiti oder Werbung.«
Mein Stellung zu Graffiti habe ich hier und da hinreichend zum Ausdruck gebracht. – Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.
Aber ich lasse genau diesen Einwand eben gelten: Ist es nur deswegen richtig, weil es rechtlich erlaubt ist? – Ich will hier beim besten Willen nicht zur autonomen Rückgewinnung des urbanen Raumes aufrufen, aber es ist einmal zu bedenken! Man schreibt Häuslebauern ihre Fassaden vor, man verbietet Kunst im öffentlichen Raum, man reglementiert und reguliert, aber die Werbeflächen dürfen unsere Stadtflächen überziehen. Ob da eine halbnackte Frau in Strapsen zu sehen ist, ob ein innig verschmolzenes nacktes Paar – das mutet man Kindern und auch religiös oder moralisch sensiblen Menschen (auch wider Willen) einfach zu. Man darf mit gesellschaftlichen Werten spielen, man darf hässliches Design machen, man darf schreien, man darf man darf man darf … erlaubt ist, was dem Werber gefällt. Und je auffälliger desto besser im Zweifel.
Graffiti ist Sachbeschädigung – kein Zweifel -, aber den Unmut darüber, warum eines erlaubt ist, das andere verboten, ist doch irgendwie verständlich.
Alles notwendig aus wirtschaftlichen Gründen? Nein, denn die inflationäre Bepflasterung unserer Freiflächen führt einzig zum Preisverfall, zu zunehmenden gegenseitigem Dumping begleitet vom Kollateralschaden: Man muss als Werber noch lauter schreien, um aufzufallen.
Eine irre Spirale…
Läßt man einmal das geltende Recht außer Acht und nur die Vernunft walten, dann gibt es keine echte Legitimation, warum das eine erlaubt und das andere verboten ist. Das Recht muss doch uns gehören, uns, der Gesellschaft. Gebt uns endlich unseren öffentlichen Raum zurück, lasst uns darüber reden, was gut und was schlecht ist, was uns dient und was uns schadet – und unsere Sprache bei der Gelegenheit gleich auch.
Jetzt aber »Lehsehnlehrnehn« lesen – mit allen Kommentaren:
http://www.spreeblick.comweblog/2005/12/05/lehsehnlehrnehn/
P.S. Der Titel ist ne Anspielung auf einen alten Ina Deter-Song. Das hörte man so ‘in meiner Zeit’…
Update 7.12.2005: Interessantes Projekt aus Wien. Danke für den Tipp an HCL und moses via Spreeblick Comments
Delete: Die Entschriftung des öffentlichen Raums
http://www.steinbrener-dempf.com/
Entschriftung mit Rapsgelb [derStandard.at]
http://derstandard.at/?url=/?id=2067917
{lang: 'de'}