m2 Medienmittwoch zum Thema Weblogs und Journalismus

Ich war also doch noch da, obwohl es ja ausgebucht war – aber da fiel einer aus und dann hörte man das… Und wenn der Don schon mal in Frankfurt spricht, darf man sich das ja nicht entgehen lassen.
Ach ja, von Burda bis Handelsblatt, von Google bis Yahoo, und dann noch BILDBlog waren auch vertreten: Thema »Weblogs: Revolution des Journalismus oder überschätztes Phänomen?« – ok, nun es wurde eigentlich über alles mögliche gesprochen und auch ein wenig darüber, über Bloggen als PR-Aktion, über Bloggen im Unternehmen, über Bloggen und Download (?!??!??), über »warum gehen die Leute nicht lieber ins Museum« (aus dem Auditorium) oder über Bloggen in China. Und ab und an auch über Bloggen und Journalismus.
Aber wisst ihr was? Aus einer Sicht war die ‚beinahe Themaverfehlung‘, die man ja von solchen Veranstaltungen auch erwarten darf, was Gutes. Wir in Bloggersdorf haben das Thema ja auch schon ‚über‘. Bis auf manchmal, aber dann diskutieren wir das ordentlich – und zwar hier im Dorf.

Die Einführung war inhaltlich prima, wenn auch etwas monoton vorgetragen, aber davon abgesehen machte Julius Endert von handelsblatt.com auch in der Podiumsdiskussion eine gute Figur – muß ja mal gesagt werden. Der Don war (natürlich) ein glühender Verfechter des Weblogs per se (und ich werde ab sofort sein Weblog intensiver als vorher lesen) und Christoph Schultheis von BILDBLog so, wie man sich den auch vorstellte. Die anderen Protagonisten waren auch irgendwie so, wie es nicht anders zu erwarten war, wobei Dr. Marcel Reichart von Hubert Burda Media unglaublich dem Klischee entsprach, mit rosa Hemd und Fönwelle – da überraschte manchmal, dass er im Gegensatz zum Yahoo-Vertreter Glaeser (der sagte auch immer „Jaahu“, ich dachte immer, das spricht sich eher „Jahuuu“ aus…), so manch versöhnlich-brückenbauend-verständig-vernünftiges zum Besten gab. Aber das kann man ja alles auch nachlesen im Medienmittwoch Weblog, wenngleich dort meine Einwurf am Veranstaltungs-Ende, dass man doch vielleicht ‚zum Thema noch ein paar Worte verlieren sollte und auch mal hinterfragen möchte, ob das ganze nicht auch deshalb so ein Hype ist, weil die Qualität der Medien so schlecht wurde, schlecht im Sinne von dpa-monoton, manipulativ und aufgrund ständiger personeller Streichungen populär/mainstream-orientiert, nicht einmal Erwähnung fand. War aber wohl auch nicht so wichtig.

Ich ging dann raus, zögernd, ob ich nicht doch noch mal persönlich den Don sprechen sollte, oder den BILDBlogger, einen Mario Sixtus (den ich meinte gesehen zu haben, aber ich mag mich täuschen) oder den Mann von Google (endlich mal ein Gesicht, sonst ist Google ja immer so ein Wesen ohne irgendwas). Aber dann wollte ich doch erstmal weg und mich in die U-Bahn setzen und weiter in meinem »Fever Pitch« lesen, wobei ich mich darauf nicht konzentrieren konnte.
Ich ging den Abend im Kopf nochmal durch, schleuderte in Gedanken noch die eine oder andere Replik den Anwesenden an den Kopf – um dann wieder zu wissen, dass man das aus gutem Grund nicht getan hat. Dann denkt man an sein Blog, schämt sich in Anbetracht der in einen selbst ausgefochtenen Dialoge über das Bloggen und die Bedeutung für unsere Zeit, unsere Medien und unsere Gesellschaft – ja unsere Welt -, dass man am heutigen Tag eben nicht über Welt bewegendes, sondern über das Duschen von Frauen und Männer geschrieben hat – und über den Auffahrunfall in Offenbach. Man will am liebsten schnell an den Rechner und alles löschen, alles unrelevante, alles unpathetische, nicht-intellektuelle, alles, was einen so banal vorkommt. Um dann – an der Haustüre angelangt – still zu nicken und doch ‚lass mal, das ist schon ok so‘ zu sich zu sagen. Denn das ist es eben, mein Blog. Das hat mich eben heute amüsiert, oder man fand es so blöd, dass man es eben bloggen musste, um es los zu werden.

Was nutzen die großen Dialoge? Heute wurde es mir wieder klarer.
Wer hat schon einmal einem waschechten ITler die Relevanz von Design, von Kommunikation erklären können? Welten und Weltbilder, treffen aufeinander. Der eine denkt, lebt und handelt als Unternehmer und sieht die Business-Möglichkeiten, aber auch die Risiken. Der Journalist hat seine Sichtweise, ein Lehrer eine andere, der Schüler die seine.
Man redet in einer neuen babylonischen Sprachverwirrung. Nur diesmal sprechen alle immer noch die gleiche Sprache, doch die Worte haben für jeden eine eigene Bedeutung.

Wir werden die Suche fortsetzen, werden wieder diskutieren, uns streiten und uns eifrig gegenseitig Recht geben. Doch die Entwicklung wird davon unbeeindruckt weitergehen, davon bin ich überzeugt. Denn ob wir das nun wollen, dass Weblogs wie journalistische Medien wahrgenommen werden, dass Unternehmen Blogs monitoren und manipulieren, dass die User kommerzialisierten Blogs den Vorzug vor ‚unseren‘ heeren idealistischen Blogs geben, spielt keine Rolle – die Zeit wird es zeigen.

Es waren vielleicht doch 200 Leute da, und davon hatten 200 nicht nur unterschiedliche Gedanken, sie hörten auch anders, verstanden anders und werden anders über diesen Abend reden. Wenn Weblogs – oder allgemein das Internet mit seinen Publikationsmöglichkeiten – etwas verändert hat, dann das, dass alle 200 die Möglichkeit haben, sich – wie ich gerade – hinzusetzen und es zu veröffentlichen. Ob das Zustimmung findet? Wer weiß. Ob es viel gelesen wird? Who cares. Aber man kann! Und das hat unsere Welt schon ziemlich durcheinandergewirbelt, das haben nur noch nicht alle kapiert.

Kleine Blogschau: Hier, hier und hier … und hier auch.
Aber das hier freut mich natürlich besonders, denn dort geht es um diesen Beitrag hier.