Privatisierung: Enteignung des Volkes durch den Staat

Einen brillianten Artikel aus Der Zeit will ich nicht vorenthalten:

DIE ZEIT 26.01.2006: Nicht mehr Herr im eigenen Haus

»Es ist noch nicht lange her, da hatte Hamburg in seinem Volkspark ein Stadion, das naheliegenderweise Volksparkstadion hieß. Heute heißt es AOL Arena. Was ist geschehen? […]
Das Hamburger Beispiel hat aber eine besondere Symbolik, die darin besteht, dass hier das Volk aus dem Namen vertrieben […] wurde.
Streng genommen wurde hier ein Vertrag zulasten Dritter geschlossen, also etwas, das allen gesetzlichen Grundsätzen zuwiderläuft. […]

Privatisiert, das heißt: dem Bürger enteignet, wurde aber die öffentliche Rede. Das Sprechen über das Waldstadion, Pardon: die Commerzbank Arena gehört nun nicht mehr dem Bürger, sondern einer Firma. […] Man fragt sich, ob für ein paar Euro mehr sogar die Umbenennung der ganzen Stadt in Commerzbank-City drin gewesen wäre.
[…]
Es zeigte sich, was die Politiker anders gar nicht erwarten durften: dass Bürger für Privatunternehmen keine Bürger, sondern Kunden sind.
«

Der Artikel spannt die Argumentation weit über das Thema Fussball hinaus. Es geht um die Privatisierung von Staatseigentum, wobei die Formulierung in der Tat treffender wäre, würde man sagen, dass hier »Volkseigentum privatisiert« wird, unwiderruflich.

Was folgt als nächstes? Fragt man sich. Der Verkauf von Meinungsfreiheit oder auch die Freiheit der persönlichen Lebensgestaltung? Wer hier nun das Thema überstrapaziert sieht, dem wird entgegengehalten: »Und doch ist es schon geschehen, als die Kommunen der Fifa eine Bannmeile versprachen, in der die Sponsoren der Fußball-WM vor konkurrierender Werbung geschützt werden.«

Unbedingt lesenswert, wie ich finde. Und dabei fällt mir doch gleich eine kleine Anekdote der vergangenen Tage ein:

Anruf bei der Erlanger Studentenverwaltung („BAFöG-Amt“):

BAFöG-Amt: »Wissen Sie eigentlich, wie lange wir hier schon auf unser Geld warten?«
Ich: »Wieso „ihr“ Geld – ich denke nicht, dass das „ihr“ Geld ist!«
BAFöG-Amt: »Äh, richtig, genau genommen ihr Geld natürlich, denn es sind ja ihre Steuern.«

Richtig.