Der Abstiegskampf beginnt bei Platz 5

Clubberer»Daran muss man sich hier erst wieder gewöhnen« – sagte sinngemäß Günther Koch bei »Heute im Stadion« auf BR1 im Radio am Samstag, als der Club mit 3:0 gegen Duisburg in Führung ging. Und wahrlich, der Club-Fan ist Kummer gewohnt und freut sich, wenn der Lavric-Schuß aus 2 Metern in der 77. Minute mal nicht ins Tor geht und statt dessen die anderen in der 86. einen derartigen Bock sich leisten, wie dies Günthers Namenskollege Georg, zu Diensten im Torwartdreß des ehem. Meidericher SV, tat.

So gestärkt lassen sich die anderen Ergebnisse auch gleich besser lesen, vor allem die erste Niederlage der Bayern im neuen Eigenheim tüpfelte das »i« noch für den eingefleischten Franken. Schwerer verdaulich die Punktgewinne der Mainzer und der Kölner. Und da Kaiserslautern auch zuletzt stetig Punktzuwächse verzeichnete, rückt die Abstiegszone merklich nach oben – genau genommen beginnt diese mittlerweile bei Platz 5.

Platz 5? Gewagte These? Sicher, denn die traditionell ausreichenden 40 Punkte gegen den Abstieg sind beim VfB Stuttgart, der derzeit Rang 5 ziert, nur noch 7 Punkte entfernt – bei ausstehenden 10 Spielen (sogar dero 11 beim VfB) sollte dies machbar sein. Nur eine schwarze Serie à la Hertha wäre hier noch Gefahr bringend. Gleiches gilt sinngemäß auch für die Plätze 6 und 7, die mit ebenso 33 resp. 32 Punkten beste Aussichten haben und doch eher nach oben denn nach unten sehen dürfen.

Aber dann: Ab Hannover sind es 9 Punkte bis zum Abstiegsplatz. Spätestens aber die Arminia aus Bielefeld und die Frankfurter Eintracht spürt den kalten Atem des Abgrunds, sprich Platz 16, mit 6 resp. 5 Punkten Puffer.

Wer sind also unsere (aus Sicht des 1. FC Nürnberg) Hauptkonkurrenten gegen den Abstieg. Ganz klar – nicht nur wegen des 3:0 - Duisburg. Bei Mainz, Kaiserslautern und auch Köln sehe ich da durchaus noch Chancen, da man dort spürt, dass man gewillt ist sich dem Schicksal nicht zu beugen. Neben Duisburg, die diesen Eindruck zuletzt mir nicht vermittelten und doch eher schmeichelhaft punkteten, sehe ich mindestens aber dennoch einen der anderen dreien hinter uns auf Abstiegskurs. Wohl am ehesten Köln, einfach aufgrund des aktuellen Punktestands von 18 Punkten (5 Rückstand auf Kaiserslautern, die noch ein Nachholspiel haben) und mit -20 Toren Tordifferenz ausgestattet.
Als den dritten Abstiegs-Kandidaten sehe ich derzeit Wolfsburg (!) oder auch die Hertha (!!). Wolfsburg, weil man immer noch meint, dass Platz 13 und 5 Punkte Vorsprung auf Rang 16 nur ein Unglück sind und man eigentlich sich eher mit Rückstand von 7 Punkten auf Rang 5 sieht, und die Hertha, weil die erst mal in einem totalen Loch sind nach der Serie und der Heimniederlage gegen Köln. Und nächste Woche empfängt Wolfsburg die Bayern und die Hertha spielt in Bremen…

Natürlich ist der Club aber auch brandgefährdet – allein sind es Hans Meyer und die zuletzt gezeigten Leistungen der Mannschaft, die uns hoffnungsfroh stimmen. Saenko wird immer besser, Polak findet endlich in die Mannschaft, wie auch Mnari, und Vittek kommt langsam wieder an sein Leistungsvermögen heran. Und das alles bei dem Verletzungspech – Respekt.
Dennoch: Richtungsweisend werden die nächsten Spiele gegen Köln (A) am Samstag und am 28. Spieltag gegen Mainz (H) sein, es sei denn die anderen punkten sensationell gut oder schlecht, was aber in Anbetracht der vielen direkten Duelle in der erweiterten Abstiegszone nicht zu erwarten ist.

Fazit: Eine klassische Zwei-Klassengesellschaft. Und ‘Nein’, Bayern ist keine Klasse für sich, nur ein bisschen besser und konstanter als die anderen ihrer Klasse, wozu Bremen, Hamburg und Schalke zu zählen sind – und sie hatten einen Lauf. Nach dieser Gruppe geht es jedes Jahr direkt oder indirekt um den Abstieg - und der beste davon kommt in den UEFA-Cup. Auch hier mit der Einschränkung, dass der eine eher eine Top-Saison haben muss, um etwas weiter oben zu stehen (wie aktuell Bielefeld), der andere muss ein Seuchenjahr haben, um unten reinzurutschen (wie Wolfsburg und die Hertha).

Und diese hübsche Entwicklung haben wir wem zu verdanken – richtig, dem lieben Geld. Bei aller Diskussion um die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Clubs im internationalen Vergleich. Was kümmert es mich, wenn die Liga so auseinanderdriftet, ob Bayern in der Champions League mithalten kann? Sehe eh nur die Hälfte der Spiele im FreeTV (und selbst dort vielleicht bald nicht mehr, wie man so liest). Und – unter uns – der Fan würde doch eh eigentlich nur seine Mannschaft gern international sehen, nicht die Bayern oder Schalke. Und wenn dann die Entwicklung so ist, dass sich best-of-the-rest Jahr für Jahr um einen UEFA-Cup-Platz schlagen, dann hat das Gros der Fans kein Verständnis dafür, wenn die Reichen noch mehr wollen vom Kuchen, als sie eh schon kriegen. 

Diesen Beitrag kann man auch bei clubfans.de lesen.

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Ich glaub, das war's.