Phänomen Arctic Monkeys für Einsteiger

Die Arctic Monkeys sind eine Band, eine Musikband, falls das noch nicht bekannt sein sollte. Und warum um diese Band so ein Hype in der Blogosphere gemacht wird, hat gute Gründe. Da ich aber kein ausgesprochener Kenner der Szene bin, sind Korrekturen willkommen.

Die Band verkörpert sozusagen den »social web dream«, direkter und legitimer Nachfolger des »american dream«, der für unsere Gesellschaft dafür stand, dass jeder es schaffen kann, wenn er nur genug Willenskraft („und Talent“ will ich anmerken) besitzt.

Die Arctic Monkeys, das sind Alex Turner (Gitarre und Gesang), Jamie Cook (Gitarre), Andy Nicholson (Bass) und Matt Helders (Schlagzeug), und sie begannen irgendwann damit, ihre Songs der Internet-Community bei mySpace bereitzustellen – kostenlos, einfach so. Und da ihnen zudem großes Talent zu eigen ist, wurden sie schnell geliebt. Und ab da begann die Sache eine gewisse Eigendynamik zu erzeugen.

Endlich hatte man eine Band, die den Retorten-Bands der großen Medienmogule in puncto musikalischen Talents das Wasser reichen kann – und sie war ‚eine von uns‘, aus der Netzwelt entsprungen, auserwählt von Netizens und schließlich von Netizens auch gekrönt. So entwickelte sich aus der mp3-Band im Netz eine durchaus beachtete Newcomer-Band, die zwischenzeitlich auch hohe Plattenverkäufe verzeichnen kann.

Ein Fanal für die Musikindustrie, wie manche das schon gerne sehen. Ein Paradebeispiel für das, was kommen wird, die Entmachtung der Konzerne und die musikalische Revolution von unten. Doch ich würde da mal langsam mit den Pferden machen.

Sicher, ich war – auch wenn meine Blütezeit des Musik-Wissens längst vorbei ist und ich mich noch standhaft an Bands wie Fugazi, Pixies und den Violent Femmes orientiere – beeindruckt, was die Band da von sich gibt. Sehr beeindruckt sogar, doch für das Attribut „große Band“ ist es noch zu früh. Den Schuh, den man ihnen anziehen will, passt vielleicht nicht, ist vielleicht ne Nummer zu groß – man wird sehen. Sie sind ja nicht die ersten, die Synonym für eine Befreiung standen. Ich erinnere da an eine Band aus meiner Zeit, die mit ähnlich viel Bürde des Idealismus groß wurde und dann daran scheiterte. Nicht mangels Erfolg, aber am Anspruch. Die Rede ist von U2. Wir liebten sie, weil sie gesellschaftlich anprangerten, uns aus der Seele sprachen. Sie redeten wieder von Gott, sie sangen von Vaterland und wie kontrovers alles zusammen geht. Und dann wurde U2 berühmt und machte irgendwann „Achtung Baby“ dann „Zooropa“ und irgendwann „Pop“ – vielen Fans der ersten Tage verschlug es da die Sprache. Und auf dem Weg, sich dem Kommerz und dem Pop zu verschreiben, begannen sie mehr und mehr, die Ideale, für die sie geliebt wurden, zu verschleiern und zu verleugnen. Wer zu U2 trotz oder wegen des Images gehalten hatte (sie waren sowas wie die ‚Moralisierer‘ im Musik-Biz), sah sich verraten und verkauft. Erst viel später kam U2 zurück auf den Pfad der Tugend und begann mit der Aufarbeitung des Ganzen. Für viele, wie mich, zu spät – zu viel Herzblut und Vertrauen und Hoffnung wurden damals verspielt. – Aber das kann man der Band irgendwie auch nicht zum Vorwurf machen. Sie mußten eben ihren Weg gehen und waren nicht für mich verantwortlich – und vor allem nicht für das, was ich gerne in ihnen sehen wollte.

Die Arctic Monkeys werden nun mit anderen Attributen aufgeladen, diesmal mit weniger moralischen und gesellschaftlichen Attributen, aber mit einem Image des Kämpfers gegen das Musik-Biz. Wie wird wohl die Reaktion der Fans sein, wenn sie ihren ersten großen Plattenvertrag bei SONY unterschreiben – „wenn“, wohlgemerkt.

Aber lassen wir doch den Dingen einfach mal ihren Lauf und beobachten. Und die Beobachtungen des Konzerts der »Arctic Monkeys in Köln« des Kölner Verlegers Helge Malchow liest sich jedenfalls wunderbar:
Karl Marx hat behauptet, dass sich alle großen weltgeschichtlichen Ereignisse zweimal ereignen, einmal als Tragödie, das zweite Mal als Farce. Die Rockmusik aber geht schon in die dritte Runde: Nach dem Urknall (Kinks, Who, Stones) und der ersten Wiederauferstehung (Sex Pistols, Clash, Jam, Cure) beobachten wir jetzt die in Rudelgröße nachschießenden Strokes, Libertines, Franz Ferdinand, Maximo Park und Arctic Monkeys. Zwischen Urknall und Wiederauferstehung lagen 15 Jahre Stadionrock mit Sinfonieorchestern, danach 15 Jahre Techno und Hip-Hop. So kommt es, dass sich am Samstag Abend im Kölner Stollwerk bei den Arctic Monkeys drei Altersgruppen zusammenquetschten: 15-25-Jährige (95 Prozent), 40-Jährige (3 Prozent), 55-Jährige (2 Prozent). Und so kommt es, dass die Band ihre Namen von der Ex-Band des Vaters des Schlagzeugers Matt Helders übernommen hat. Der Staffelstab der Geschichte.

Und wer jetzt immer noch mehr über die Band und vor allem ihren Wiederhall in der Blogwelt lesen will, der soll doch einfach diese Artikel lesen:

»Arctic Monkeys Live in Frankfurt« (Nerdcore)
»Es kratzt und beißt und will nicht still sein« (Nerdcore)
»I bet you look good on the dancefloor« (Nerdcore)
»Arctic Monkeys in Berlin« (Spreeblick)
und natürlich viele viele mehr