Ich kauf mir einen Blogger

Frage 1: Warum bloggst Du eigentlich? Frage 2: Was verdient man dabei?

Es gibt wenig, was Business-orientierte Menschen mehr irritiert als die Tatsache, dass es Leute gibt, die einfach für lau etwas anbieten. Ohne Hintergedanken, nur um des Schaffens selbst willen. Vielleicht will man Anerkennung, Aufmerksamkeit und Einfluß – aber dies ist am Ende doch sekundär und wird allerhöchstens noch in der Kategorie »ach so, Hobby, so wie Eisenbahn im Keller« akzeptiert. Dieses »Man schreibt, macht und tut, weil man es einfach gern macht, weil es einem wichtig ist« geht nur schwer ein in erfolgsorientierte Köpfe, die am Ende doch wenigstens auf Umwegen das total income suchen.

Noch schwerer als das Verstehen ist es aber noch, sich diese Blogger-Welt dann gefügig zu machen, dabei liegt alles doch so schön auf der Hand – jetzt, wo man es halbwegs kapiert hat, das mit der “viralen Kraft” der Blogs. Läßt sich doch alles zu barer Münze machen, zu messbarer Stimmungsverbesserung, zur Erhöhung der Awareness! Man suche sich einen halbwegs einflußreichen und reichweitenstarken Blogger, pampere ihn mit Geld und guten Taten, und sorge so für eine positive Berichterstattung. Der eine Blogger will vielleicht harte Währung dafür sehen – und daran soll es ja nicht scheitern -, der andere verkauft sich schon für ein paar Klick-Cents, der dritte ist schon mit einfacheren Mitteln zu bedienen: mit mundgerechter Information oder ein paar guten Worten, wie einer einfachen Bitte. Da muss man also nur ein bisschen Gespür für kriegen und schon sorgt man für gute Stimmung in der Blogwelt. Oder? 

Noch reagiert die Blogwelt dummerweise äußerst sensibel auf jeden Versuch der kommerziellen Einflußnahme, jedenfalls wenn er nicht als werblich gekennzeichnet ist, was allerdings dann die Wirkung schmälert. Ich erinner da nur an den Roboterhund, dem manchen Blogger ‘zur Verfügung’ gestellt wurde – das gab gleich einen Aufschrei.
Und zur Zeit verfolge ich argwöhnisch eine etwas – in meinen Augen – arg positive Berichterstattung über den US-amerikanischen Möbelshop Crate&Barrel, der derzeit wohl versucht in Europa Fuß zu fassen. Ohne jemand was zu unterstellen siehe hier oder vor allem hier mit Benchmark zur Konkurrenz. Wie gesagt, ohne was zu unterstellen, aber wenn man so dies und jenes hört, wie z.B. ein bestimmtes Bestreben in einem bestimmten Markt Fuß zu fassen, wird man sensibilisiert und hellhörig.

Allein, es kann furchtbar schief gehen, wie Robert Basic bei »Walmart und Edelman im Bloggerpitch« zu berichten weiß. Wenn es nämlich publik wird, geht es ziemlich nach hinten los und die negative PR wird nicht nur in der Blogosphere verbrannte Erde hinterlassen. Da kann der Schaden immens und nachhaltig sein.

Ein spannendes Feld also – für Firmen. Ich schätze einmal, dass noch ein Korridor von 2-3 Jahren besteht, in dem man hier mit relativ geringem Aufwand viel bewirken kann, was aber nun beim Besten Willen nicht als Aufforderung zu verstehen ist.
Danach wird es dieser Form des Marketing gehen wie der Bannerwerbung, sie wird als werblich erkannt und verliert ihre Wirkung. Danach muss man immer mehr draufpacken und immer penetranter werden, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Zudem werden Blogs zunehmend ihr wertvollstes Gut verspielen, die Glaubwürdigkeit und Authentizität, jedenfalls in der Breite und Allgemeinheit, und wir werden wieder dazu kommen, wo wir im Netz im Allgemeinen sind: Das Problem der Relevanz. Welche Quelle ist überhaupt relevant? Welche Information glaubwürdig? Welcher Kommentar, welche Rezension authentisch? Welcher Test von wem in Auftrag gegeben?.

Muß nicht so kommen, wird es aber.

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Facebook-Kommentare

3 Comments

  • 1
    8. März 2006 - 8. März 2006 11:44 | Permalink

    gerade der letzte Satz ist entscheidend: Blogger, die ihre Glaubwürdigkeit verlieren, sind, wenn man so will, Persona Non Grata der Blogosphere. Wie dumm muss man sein, um sich auf so ein Spiel einzulassen und dann nicht seine Quellen angeben, wenn mann schon kostenlos und aus innerer Überzeugung pro einem Unternehmen schreibt.

    Wegen diesem Möbeldingsbums:Ja, die haben wirklich ein nettes Design. Und ich bin immer auf der Jagd nach guten Best Practices: Blog.Templaterie.de hehe. Wenn also der Möbelladen gut zahlt, schreibe ich gerne 1.000 Artikel auf einem separaten Blog, halte aber nicht meinen Hintern für einen sich einschleimenden PRler hin und tu dann so als ob ich die so supernett, superschickc und superwasweissichwas halte ;-)

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  • 2
    8. März 2006 - 8. März 2006 11:46 | Permalink

    du machst einen fehler: Du siehst Blogs auschließlich aus der Bizz-Perspektive, und da sind solche Aussichten sicherlich nicht prickelnd. Wenn Du Deine Sichtweise auf Blogs mal um ein paar Grade erweiterst (und ich weiß ja, das tust Du, nur eben nicht in diesem Text), dann erkennst Du das auftauchen einer (alten) neuen Kulturtechnik: Schreiben. Publizieren. Einfach so. Für alle und jeden, der mag. Persönlich, beruflich oder billig… as fucking you like. Wenn man dann noch ein so differenziertes und inhaltlich durchaus breit gefächertes Blog wie den Spreeblick in der A-Liste hat, dann sehe ich da schon optimistisch in die Zukunft.

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  • 3
    8. März 2006 - 8. März 2006 11:54 | Permalink

    rene, wer nun, ich?

    wenn ich, dann ja, in diesem Artikel sehe ich das aus einer ganz bestimmten Perspektive – im Urteil bleibe ich aber. und ohne dir dabei zu widersprechen: es ist eine neue form der kommunikation und publikation – das ist spannend und gut, sehr gut sogar. in der allgemeinheit wird dem bloggen aber ein besseres Image angedichtet als es tatsächlich hat – und vor allem als es in naher zukunft haben wird

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    Ich glaub, das war's.