FCN schreibt Geschichte

ClubbererDer 1. FC Nürnberg ist ja für viele Statistiken gut, lange Zeit Fussball-Rekordmeister, zwischenzeitlich Rekord-Absteiger. Der Club war auch der erste und einzige Meister, der in der Folgesaison 1968/69 aus der Bundesliga abstieg.
Doch die einzigartigen Ereignisse blieben den Club treu: 1998/99 stieg man wieder einmal ab, wobei man am 33. Spieltag noch 12ter war, das hatte bisher keiner geschafft, und das bei gleicher Punkt- und Tordifferenz und nur wegen der weniger geschossenen Tore – noch ein einsamer Rekord.

Doch heute ist endlich wieder soweit, ein Club-Spieler schreibt (kleine) positive Geschichte. Mit seinen drei Treffern beim immens wichtigen Auswärtssieg hatte Robert Vittek in zwei Spielen 6 Treffer erzielt, ohne dass zwischenzeitlich ein Gegentor zu verzeichnen war – das war bisher noch keinem gelungen und war auch dem Kicker eine Meldung wert. Ein weiteres schönes Bonbon für treue Club-Fans, die sich letztes Jahr bereits über den Klassenerhalt und den ersten Bundesliga-Torschützenkönig in Reihen des Clubs freuen konnten (Marek Mintal).

Aber noch kurz zum Spiel gegen Köln: Ein 4:3-Auswärtssieg gegen einen direkten Abstiegsgegner ist, nach dem 3:0 gegen den ebenso stark abstiegsbedrohten MSV Duisburg, Gold wert. Vor allem wenn man sieht, wie die anderen um einen herum punkten (siehe Mainz und Kaiserslautern). Da ist die Messe noch lange nicht gelesen und – wie schon angedeutet – rutschen da noch ganz andere möglicherweise nach unten, wie Frankfurt und Wolfsburg. Bei Berlin muss ich mich wohl revidieren.

Bemerkenswert ist – bei aller Freude – die ‚Tatsache‘, dass mit Hans Meyer das Glück zurück zum Club gekommen scheint (ja ja, ich weiß, noch ist die Saison nicht vorbei, aber so als Zwischenstand). Das begann schon im ersten Spiel von Meyer in Kaiseslautern, als Mikic den Müller-Schuß so dermaßen unglücklich zum 1:2 abfälschte (der Sieg war dann ein gewisser Wendepunkt), und setzte sich fort bis zur Lavric-Szene letzte Woche und dem Pfosten-Schuß heute durch Streit (auch wenn es ein indirekter war).
Ich will sagen: Seit Meyer haben wir nicht mehr das sprichwörtliche Club-Pech am Stiefel (sozusagen das genaue Gegenteil des Bayern-Dusels) und auf das man als Club-Fan eigentlich immer ‚wartet‘. Wie heute z.B.: Ich schalte Radio im Auto vor der IKEA ein und mache einen Aufschrei, 1:4 für den Club! Noch während die Kommentatorin was von „uneinholbarer Vorsprung“ babbelt fällt das 2:4 – nach kurzer Pause das 3:4. Meine Frau sagt noch ’na typisch, ist doch immer so, unglaublich‘. Und ich war mir sicher, a b s o l u t sicher, dass wir das noch vergeigen. – Doch es passierte eben nichts, kein 4:4 – nur eben der Pfostenschuß.

Ich bin wirklich nicht abergläubisch, aber Fussball hat ne ganze Menge mit Zufälligkeiten zu tun, die sich gerne auch kummulieren. Ob es letztendlich dann doch an der Klasse liegt, am Willen, am Glauben an sich selbst oder am vielzitierten „Lauf“, wer weiß. Aber es ist auffällig, gerade wenn man Club-Geschädigter ist.
Aber gerade das machte es ja auch aus, Club-Fan zu sein, die Leidensfähigkeit. Dusel-Heimern mit den Kassen voller Geld kann doch jeder zujubeln. Mit dem Leid als Club-Fan musst du erst mal umgehen können!
Wobei: Es reicht durchaus das aus, was bisher bereits durchlitten wurde. Nun ein paar ruhige Jahre, am Besten mit so einem feinen Trainer wie Hans Meyer, der auf der Bank wie auch als feiner Rhetoriker begeistert. Lasst den Mann mal ein paar Jahre werkeln und sich am Besten noch einen Nachfolger basteln, dann werden wir vielleicht gute Zeiten sehen, ruhigere Zeiten. Das Potential, und dafür gehört auch Wolfgang Wolf wie auch Bader mal ein dickes Lob, ist vorhanden am Valzner-Weiher, namentlich Spieler wie Vittek, Mintal, Saenko und Polak genannt, die das Potential zur internationalen Klasse haben.

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