
Bloggersdorf hat Post – ein echter Aufreger also …
Nein, nicht schon wieder Jean-Remy, Wiederholungen gefallen ja nicht. Viel aufregender, weil eben nicht im Posteingang, sondern im Briefkasten, im echten Briefkasten(!) (das ist das Ding unten neben der Eingangstür; Die Red.). Meldung Ende, oder?
Als ich die Postkarte zwischen den Postwurfsendungen und Rechnungen rauszog (persönliche Briefe kriegt man in diesen Zeiten ja eher weniger, dank Telefon-flat und E-Mail etc. pp.), gerade noch bevor sie en bloc mit entsorgt wurde, dachte ich mir … und jetzt kommt’s (!) … nicht viel.
Eine Postkarte eben, nett, lustige Idee, schön, dass man wohl unter der Kategorie “und den schreiben wir auch an” mit auf der Liste stand, ein kurzer Moment des IBW-Feeling (Ich Bin Wichtig) – also unschädlich, im Gegenteil, tatsächlich ein wenig von “Guten Tag” geschafft. Mission erfüllt insoweit.
Darf man das in Bloggersdorf eigentlich sagen? So laut und unverblümt? Einfach so sich outen, wenn man sich gebauchpinselt fühlt, wenn auch nur im Klitzekleinen. Darf man dann die Sache ablegen und nicht einfach gleich losbloggern und über die Schändlichkeit von Marketing, dem Kommerz und der Käuflichkeit der Welt schreiben? Darf man sich dem schnöden Anbiederungsversuch via – Achtung Buzzword – Pitching hingeben? Einfach so?
So legte ich die Karte also auf den Schreibtisch und tat also mal nichts. Vielleicht wartete ich einfach mal ab, was denn die Blogger-Kollegen dazu so sagen, aber das war auch keine gewollte Aktion. Manchmal ist es gar nicht schlecht, erstmal abzuwarten, bis man eine Meinung hat, denn die, die man beim Spontanschreiben so manches mal on-the-fly entwickelt, ist nur das Produkt der Worte und Sätze, wie sie sich eben ergeben – aber nicht die eigene Überzeugung, manchmal.
Die Reaktion in Bloggersdorf ließ natürlich nicht auf sich warten – und das war sicher auch von den Initiatoren nicht anders erwartet. Und es war klassisch: Wer Bloggen als heeres Gut der Kommunikation betrachtet, als letzte Bastion des unkommerziellen Informationsflusses zwischen den Nutzern, als gigantisches soziales Netzwerk, bei dem wurde naturgemäß eine Art Beißreflex ausgelöst – und das ist ja auch nachvollziehbar. Ok, bei manchen ist der Beißreflex auch genetisch. Die anderen, die sowieso auch beruflich sich damit beschäftigen (müssen), also das Bloggen auch als unternehmerisches Kommunikationsmittel verstehen, als Marketing-Instrument aber auch als eine gewisse Art von unternehmerischer Bedrohung, in aller Zwiespältigkeit, die sehen das differenziert. Die einen werden es als interessante Guerilla-Aktion sehen, die anderen als werbliches ‘Hallo’, wie so ein werbliches “Hallo” eben ist.
Und da steh ich nun, ich armer Tropf, mitten zwischen den Linien und denke mir nur: so what?
Aber schön ist es trotzdem, die Reaktionen im Netz zu lesen. Teils charmant, teils bissig, voller Esprit oder analytisch – und damit ist den Initiatoren auch gelungen, was sie mindestens anstrebten: Wenn schon keine Liebe, dann wenigstens Aufmerksamkeit bekommen – und das ist, wie im marketing-blog.biz nachzuschlagen, ja gelungen.
Und das Monitoring klappte auch ganz prima – denn so wurde ich mit einer Art Nachfaß-Kommentaring irgendwie dazu gebracht, nun auch was abzusondern. Warum auch nicht? Interesse und Aufmerksamkeit (siehe auch oben) haben noch nie geschadet. Und damit schließt sich auch der Kreis der Postkarte, denn auch der B-Seite (da wo der Text steht), liest man:
Wir kriegen auch nie genug. Weder Besucher, Kommentare, Trackbacks, noch Post…
Und weiter: Wir freuen uns, uns bald auf dir zu sehen.
Herzlichen Glückwunsch, dass ist nun gelungen!
Gern gelesen habe ich dazu (in der Vielfältigkeit der Meinungen):
Postcard-Pitching par excellence in reine Formsache
Offline-Spam vom Marketing-Blog bei EDV – Ende der Vernunft
oder auch
Liebes Team von marketing-blog.biz bei SIXTUS.net
Doch einen Wermutstropfen habe ich dann doch noch: Wegen der Aktion habe ich mir weder die Website näher angesehen, noch mich weiter für die Initiatoren interessiert. Sorry.
Kurzum: Aktion erfolgreich, Aufmerksamkeit bekommen, Backlinks gesammelt, Awareness erhöht.
Einmal gut gewesen, aber – ich wiederhole mich gerne – Wiederholungen und Nachahmer braucht es nicht.
Nachtrag:
Sagte ich “Jean Remy” … da kommt doch just was rein via wirres.net. Zufälle gibt’s! Ich wusste beim Schreiben nämlich nicht, dass es doch Wiederholungen gibt. In gewisser Art und Weise. Jedenfalls doch Post von Jean-Remy in Bloggerland gesichtet!
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