Privatkopie, die 2te

Reaktionen, Reaktionen, Reaktionen

Es wurde einfach zu viel für einen Beitrag, daher der Split und hier der 2te.
Die Reaktionen auf das neue Urheberrecht laufen quasi aus dem Ruder. Falschmeldungen (wer weiß, vielleicht ist mein Beitrag ja auch einer?), übertriebene Ausführungen, Populismus. Das Thema ist damned hot!

1. Nachtrag:

Noch mehr Beispiele gefällig?
Beim Basisblogger: Neues Urheberrecht – kriminalisierte Privatkopierer (nix für ungut, aber der Satz ist so falsch imho: »Bisher konnte man Anderen mit selbstgebrannten CDs hin und wieder eine Freude machen, man blieb durch die Bagatellklausel im Urheberrecht von einer Strafverfolgung wegen Raubkopierens verschont. Dies will Justizministerin Zypries jetzt abschaffen, künftig werden alle Schwarzkopien unter Strafe gestellen.«)

Und sogar bei sueddeutsche.de: Zypries will auch Privatkopierer bestrafen (siehe oben, auch falsch, denn die Klausel gab es noch nie: «Dafür sorgte die Bagatellklausel im Urheberrecht. Die will Justizministerin Zypries jetzt abschaffen und künftig alle Schwarzkopien unter Strafe stellen.«

Da fragt man sich schon: Hab ich es nicht kapiert, oder recherchieren die alle so schlecht. (Was ich vor allem in Richtung der renommierten Publikationen gerichtet sehen möchte!)

2. Nachtrag:

Vollkommen berechtigt stellt die Frankfurter Neue Presse dagegen eine ganz andere Frage – und das auch noch im Zusammenhang mit unserem “Lieblingsthema”.
Unter der Überschrift »Grup Tekan: Musik aus Kanada« (genau so geschrieben) schrieb die FNP über das Lied “Wo bist du mein Sonnenlicht?”:
Wobei “ihrem Lied” schon das Problem ist: Wie einige Blogger herausfanden – per Zufall – stammt die Melodie nicht aus den Keyboard der Jugendlichen, sondern aus Kanada.

Pikantes Detail am Rande: neben dem Weblog „ntropie“ war es Jamba-Kritiker Johnny Haeussler, der das Video der Sonnenlicht-Sänger für schräg befand und auf seinem Weblog “Spreeblick” verlinkte. Der Anfang der Stargeschichte.
eigentlich, so lautete die Erfolgsstory, haten die drei bei einem Projekt ihres Jugendclubs in Germersheim den Song zusammengebastelt, und so wird es wohl gewesen sein. Dass Rechte auf der Melodie vom kanadischen Komponisten nicht so ganz für den kommerziellen Gebrauch ausgewiesen waren, kümmerte die Jugendlichen wohl nicht. Warum auch, bei ein wenig Spielerei im Jugendzentrum?

Doch nun haben sich eben Plattenfirmen eingeschaltet, und sowohl Internet als auch Stefan Raab sind eben eine etwas größere Öffentlichkeit. Waum diejenigen, die die drei Jungs so hochpuschen, nicht erst nach den Rechten geschaut haben, bleibt im Dunklen. Gemeinhin lässt sich so ein kleines Rechteproblem ja auch mit Geld lösen – und genau das ist passiert. „Als er (Komponist Michael Manu) gestern, reichlich spät, den Anruf von Superstar Recordings bekam, wusste er bereits, was in Deutschland los ist. Er zeigte sich “selbstverständlich” einverstanden mit dem Angebot der Plattenfirma, das Geld lässt er in seine Studioeinrichtung fließen” schreibt der Spiegel. Gespannt sollte man sein, wie sich dann dieses Vorgehen mit den Bemühungen der Musikindustrie verträgt, Raubkopierer wie Schwerverbrecher zu behandeln.

Und in der entscheidenen Passage:
Bleibt noch der Text: Nicht gerade in der Tradition von Goethe und Schiller, eher wohl jn der von Sons of Gastarbeita (SOG), Denn die haben einst das Jugendprojekt betreut und –so steht es bei Spiegel zu lesen – auch ein paar Texte mitgebracht. Aber auch da wird sich wohl eine Lösung finden. Und dann wird es doch noch was mit den CD in den Plattenläden werden. Gespannt sollte man sein, wie sich dann dieses Vorgehen mit den Bemühungen der Musikindustrie verträgt, Raubkopierer wie Schwerverbrecher zu behandeln. (Hervorhebung von mir)

Genau der Punkt, der die Volksseele zu Recht in Wallung bringt! Strafandrohung gibt es eben nur für die Kleinen, die Großen und das Big-Business regeln das eben schon irgendwie … wenn der Rubel rollt, einigt man sich eben schon. Diese Botschaft im Zusammenhang mit dem Thema dieses Beitrags ist meiner Ansicht nach mehr als pikant.

Warum ich den Artikel so ausführlich zitiere? Weil das auch zum Blogger-Journalismus gehört etwas zu konservieren, was “plötzlich” nämlich wieder weg ist. Denn statt des zitierten Artikels (der im Volltext hier vorliegt) findet sich nunmehr nur noch ein ganz anderer Artikel bei der FNP. Ein deutlich weichgespülterer Artikel – wie ich persönlich meine – mit Titel »Grup Tekkan: Über das Internet in die Charts?«. Ich jedenfalls kann den alten Artikel nicht mehr finden.
Honi soit qui mal y pense…

3. Nachtrag:

Eine hervorragende Zusammenfassung zur gesamten Reaktionspalette findet sich bei netzpolitik.org, wo man sich offensichtlich ähnlich irritiert wie ich über die äußerst kontroverse bis sinnentstellende Medienschau wundert:
Reaktionen zum 2. Korb Kabinettsbeschluss

Gefunden via Spreeblick-Gastblogger René, mit einer sehr persönlichen Rückschau als Musikfan und nicht zuletzt als Konsument mit dem ganzen System abrechnet und dabei offensichtlich vielen aus der Seele spricht:
Korb für die Musikindustrie

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Ich glaub, das war's.