Solidarität in Bloggersdorf

Anmerkung vorab:
Seit Montag liegt dieser Beitrag nun in meinem Entwurfsordner. Ich wollte noch einmal in Ruhe darüber nachdenken, dann kam aber meine Erkrankung dazwischen. Nun, heute, bin ich mal wieder in der Lage ein bisschen in Bloggersdorf zu lesen, und ich bin sehr sehr froh, dass ich mit meinen Gedanken offensichtlich nicht alleine bin. Natürlich decken sich nicht unsere Gedanken, aber an vielen Orten denkt man (hier, hier oder hier) – wenn auch, aber das gehört dazu – ‘kontrovers’ über die Thematik nach. Aber kontrovers ist eben gut, ‘nicht nachdenken’ wäre schlecht gewesen. Also werf ich den Artikel doch nicht in die Tonne, sondern drücke mal doch noch auf ‘Veröffentlichen’.

Wer in Bloggersdorf lebt, der hat das längst mitbekommen, die anderen wissen noch nicht einmal, wer Firmen wie »Euroweb« oder »Transparency Deutschland« überhaupt sind, noch was Sie mit diesem neuen Zeugs namens Blogs zu tun haben. Letzteren rate ich dringend ab, das Bloggersdorf zu besuchen oder überhaupt und generell jemals ein Blog zu eröffenen. Warum? Weil es gleich eines auf die Mütze gibt, wenn man nur sagt: Der Mann beim MärchenMarkt (Name frei erfunden) hat mich beim Bezahlen so schief angeguckt. ZAAACK. Abmahnung im Haus – lebenslänglich, mindestens.

Doch da hat der Anpinkler (um das mal blumig zu formulieren) die Rechnung ohne den Bloggersdorfer Wirt gemacht, der kommt nämlich gleich mit samt der Belegschaft und den zahlreichen Gästen und hauen den Pippi-Prinz (nein, das war jemand anderes, wir sind ja hier nicht auf der Expo), also den Abmahner gleich grün und blau, sprich: wer mit Abmahnung wirft, braucht das Echo nicht abzuwarten – und das heisst: Negative Publicity – und das bis der Arzt kommt (oder man halt das Thema aus den Augen verliert).

Als “staatlich anerkannter” (nein, gibt es gar nicht) Bloggersdorf-Nestbeschmutzer ist es mir aber ein Anliegen, mal gleich bei all diesen wunderbaren Schulterschluß-Aktionen, von denen Gewerkschaften nur noch träumen können, rumzukritteln – und warum sag ich auch gleich.

Doch kurz für alle: Wenn also einer abgemahnt wird in Bloggersdorf, dann ist das an sich schon eine riesen Sauerei, gar keine Frage! Warum? Weil man als Firma einfach mal die Muskeln spielen lässt und nicht einfach erst mal Gelegenheit gibt, das auf Nachfrage selbst zu revidieren. Das würde der richtige Weg sein, in einer Gesellschaft des friedlichen Miteinanders – in einer Solidargemeinschaft. Wäre das nicht toll?
Aber! Und nun kommt es! Das ist sogar so! So eine Abmahnung ist nämlich genau das! Eine rechtliche Erklärung (ohne die Einschaltung eines Gerichts), dass man mit dem Verhalten des Abgemahnten nicht einverstanden ist. Und damit das ganze keine heiße Luft ist, soll der andere gegen Selbstauferlegung von Strafe versprechen, dass er es nicht wieder tut. Eigentlich alles eine schöne Regelung, wenn – ja, wenn – da nicht die dumme Sache des Honorares wäre. Denn: Die an sich kostenneutrale Abmahnung hat den unschönen Nebeneffekt, dass man die Anwaltskosten des Abmahnenden zahlen soll. Warum? Na, weil man ja was falsch gemacht hat! Hab ich? Ja, bzw. wenn man der Abmahnung nach gibt, gibt man das ja zu.
Nun kostet so eine Abmahnung nicht die Welt, aber für einen kleinen Blogger sind ein paar Hundert Euro schon ziemlich schmerzhaft. Und diese Angst wird bisweilen billigend in Kauf genommen, wenn nicht gar geschürt, wie behauptet wird – und dagegegen richtet sich nun (Kurve gekriegt!) die Solidargemeinschaft Bloggersdorf.

Beispiele sind hier gar nicht so wichtig, zum besseren Verständnis ist aber derzeit eine Recherche über Technorati zu den Eingangs genannten Beispielen aufschlußreich.

Man wehrt sich, indem man – wie ja auch bei Spreeblick so schön in Worte gefasst wurde – die »Säue … durch unsere verwinkelten Gassen« treibt. Wer sich im Fachjargon des Bloggens nun nicht so fit fühlt: Mit ‘Sau durch’s Dorf treiben’ meint man nun gemeinhin, dass man einen Sachverhalt eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit schenkt (Kritiker sagen: “über Gebühr”). Die Sau muss dabei natürlich nicht per se negativ belegt sein *räusper.
Schul-Beispiel dazu: Die Klowand.

Nun, was gibt es denn da nun zu kritteln? Da der große böse Unternehmer, der seine Anwälte loshetzt und der kleine Blogger hat keine Chance zu reagieren, weil ihn die Peanuts eines Verfahrens einfach fehlen? Das ist doch ok und es ist ja auch wirkungsvoll, so jedenfalls wurde auch die Reaktion von »Jean-Remy von Matt« im Klowandfall auch interpretiert. Eine Rolle rückwärts, wenn die Meinungsmacht zum Schaden zu werden droht. Das ist doch perfekt? Oder? Da spielt man mit unfairen Mitteln (Geld, Anwälte vs. Klein-Blogger), dort setzt man einfach auf das, was weh tut – Guerilla-Taktik sozusagen.

Was mich daran stört? Jedenfalls nicht, dass sich die Blogger solidarisieren, das nicht. Es stört mich, dass man hier sich wieder einmal vom Rechtsstaat entfernt. Es sind die Regeln unseres Zusammenlebens, die hier in beiden Richtungen neu interpretiert werden. Die einen reizen die Rechtsposition aus und – auch wenn das an sich legal sein mag – operieren insoweit mit unlauteren Mitteln, weil es gar nicht mehr wichtig ist, wer Recht hat, sondern wer sich überhaupt wehren kann (Risiken eingeschlossen). Die anderen wehren sich durch Meinungsmacht, ohne dass das Hand und Fuß haben muss. Es mag zwar sein, dass der eine oder andere sich umtriebig umhört und auch recherchiert, die Masse aber hängt sich an eine oder zwei Fundstellen – ohne Kenntnis des wahren Sachverhalts. Man tratscht, wenn man das mal so lapsig sagen darf – aber es ist ja “um der guten Sache willen”. – Ist es eben nicht, eine gute Sache – nicht immer jedenfalls. Mag sein, dass das Gros der angeprangerten Schweinereien auch tatsächlich Schweinereien sind – allein, es gibt immer nur ein paar (jedenfalls, was ich so gelesen habe), die eine Schweinerei auch als solche erkennen. Da wird gemutmaßt und geschlußfolgert und – und da wird mir als Ass. jur. z.Z.a.D. regelmäßig übel – rechtlich ohne jede juristische Kenntnis subsummiert und kombiniert, dass die Gerichtsshow im Nachmittags-TV nur noch erblasst.

Kurzum: Mag so eine Solidargemeinschaft auch heere Ziele haben und mag – wenn es mich mal erwischen sollte – diese auch mir Trost spenden und einem das Gefühl geben, nicht wehrlos zu sein. Alles richtig, alles gut, alles auch menschlich ganz ganz wichtig. Doch das kann nicht das Ende des Liedes sein.
Mir vollkommen schleierhaft, warum man diese Praxis in der Politik nicht längst erkannt hat und sich um sinnvolle Regelungen bemühte. Wie wäre ein Schlichter, der – ähnlich im Arbeitsrecht – erstmal unparteiisch und kostenneutral eine Rechtsempfehlung ausspricht. Dann könnten sich auch Firmen erst mal ohne Anwälte gegen Diffamierungen wehren und Blogger könnten reagieren, ohne sich gleich mundtot machen zu lassen.

Was bleibt? Ich sehe momentan keinen Ausweg. Die Praxis der Abmahnungen ist bekannt und wird noch weitere Beispiele zu Tage bringen. Solange die Politik nicht reagiert, sollte man sich überlegen, eine Art Schutzgemeinschaft zu gründen, gerade was eher kritische Blogs betrifft. Die könnten sich dann gemeinsam juristisch vertreten lassen. Doch eines wird man dann auch tun müssen: Man müßte sich dann auch innerhalb dieser Gemeinschaft verpflichten, sich an das geltende Recht zu halten. Und genau da hätten viele Blogger wohl ihre ernsthaften Probleme, denn mit dem out-of-law-Image kokettieren ja manche regelrecht. Das ist nicht schlimm, eben ihr Risiko, aber auch keine Basis für eine Gemeinschaft.

Allein Artikel 5 Grundgesetz will ich mal zitieren, weil er auch gern herzitiert wird, wenn man ihn braucht:
Absatz 1: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Blöd nur, dass der einen Absatz 2 hat: Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Und diese Schranken zu beachten gehört eben auch dazu.

Fazit: Nur, damit man mich richtig versteht (manche wollen aber eh nicht verstehen, ich weiß…), ich finde es prima, dass es sowas wie eine Solidargemeinschaft gibt. Ich bin Fan von solchen gegenseitigen Hilfen und war früher großer Verehrer von Aktionen wie »Freedom for Links«.
Doch bitte auf dem Boden unserer Gesetze, wir sind doch keine Bananenrepublik, sondern erkennen Prinzipien wie Rechtsstaat, Gerichtshoheit und Demokratie an (hoffe ich). Also nichts gegen Berichterstattung und gegenseitiger Mutzusprechung, aber bitte nicht als konzertierte Aktion. Denn daran scheinen, wenn man das alles mal so quer ließt, inkl. vieler Kommentare, so manche Gefallen und Geschmack zu finden.

Dazu auch in den Kommentaren bei einem Artikel von Jens Scholz. Wobei dieser Artikel nur Bezug nimmt, also weder widerspricht noch bestätigt. Dort geht es dem Grunde nach um etwas anderes, hier ist die “kontroverse Diskussion” des Themas.

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Facebook-Kommentare

16 Comments

  • 1
    1. April 2006 - 1. April 2006 17:28 | Permalink

    “Mag sein, dass das Gros der angeprangerten Schweinereien auch tatsächlich Schweinereien sind -”

    Hmm, also wenn es auch nur einen einzigen solchen Fall gibt, dann wäre ich deiner Meinung. Bis dahin glaube ich nicht an solch einen Fall. Ich glaube nicht, dass es einen solchen Fall gab, dass es einen solchen Fall gibt und dass es einen solchen Fall geben wird.

    Natürlich wird sich ein Blogger irren. Das tun sie jeden Tag. Vielleicht auch mal 10 oder 20 auf einmal. Aber die richtigen Säue, die durch Dorf getrieben werden, sind ohen Ausnahme – und mit Verlaub – auch schon vorher Schweine gewesen.

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  • 2
    1. April 2006 - 1. April 2006 17:35 | Permalink

    Ich widerspreche nur ungern, aber da muss man einfach nur weiterdenken: Wir stehen erst am Anfang der Blogosphere. Ich verweise auch nur auf Tammy Nyp, um eine Dimension einer unkontrollierbaren Hysterie ohne Faktenkenntnis zu haben. Und – was auch andere Blogs schon geschrieben haben – was, wenn erst Leute auf den Geschmack kommen, gezielt zu manipulieren? Machen wir uns doch nichts vor, das liegt doch schon als Guerilla-Taktiken bei manchen Unternehmen und auch Medienhäusern in der Schublade…

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  • 3
    1. April 2006 - 1. April 2006 19:08 | Permalink

    nun, man kann es aus angst vor enttäuschungen natürlich auch völlig sein lassen, sich zu verlieben…
    letztlich macht und schreibt ohnehin jeder was und wie er will. und das ist gut so. denn wenn sich jemand unfair behandelt fühlt, wird jeder einzelne in jedem einzelnen fall darüber entscheiden, ob er sich solidarisiert oder nicht.
    und was hat tammy mit solidarität zu tun, das les ich jetzt schon zum zweiten mal und kapiers nicht. aber muss ich vielleicht auchnict, ich verstehe ja auch nicht den ständigen vergleich zwischen bloggen und journalismus (also “über das, was einen interessiert ins internet schreiben” gegen “beruflich als informationsbeschaffer arbeiten”).

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  • 4
    1. April 2006 - 1. April 2006 20:37 | Permalink

    Jens, ich denke einfach, dass wir alle hier eigentlich über ‘nicht identische Themen’ schreiben und wir nur bestimmte Berührungspunkte haben. Daher finde ich es auch gut, dass das jeder am Besten in seinem Blog tut und man kommentiert, wenn man eben mag.
    Der eine schreibt über das ‘Medienphänomen Bloggen’ und bezieht dabei das ganze sogenannte web20 mit ein, der andere definiert Bloggen wieder anders, eben als alles bis bildblog (ausschließlich), der andere sieht einfach nur die ernsthafte Bloggerszene, der andere … Und jeder versucht sich mit den Problemen bei Manipulation und Einschüchterung versus Freiheit und Individualität, die manchmal auch gar nicht gemeinschaftsfähig ist, auseinanderzusetzen.
    Das ist auch ok so, finde ich, denn ich finde es bei vielen lohnend, sich mit deren Thesen auseinanderzusetzen, auch wenn sie im ersten Moment nicht meine Meinung treffen oder mein Weltbild wiederspiegeln.

    Aber ich denke auch nicht, dass gegensetzliche Meinungen generell das Problem sind, sondern der Mob, der blind folgt.

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  • 5
    1. April 2006 - 1. April 2006 20:54 | Permalink

    letzteren hab ich allerdings nochnirgends entdecken können. da scheint mir irgendwo eine geheime fünfte kolonne im kyffhäuser vergreben zu sein, von der ich nichts weiß…

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  • 6
    1. April 2006 - 1. April 2006 21:18 | Permalink

    Ich weiß nicht ob es jetzt gut wäre Beispiele zu suchen – und das nicht nur, weil das ja fast ne Abmahn-Steilvorlage wäre… :???:

    Aber wenn man die Kommentarschreiberlinge zur Blogosphere dazuzählt (was ich definitiv tue), dann dürfte das doch unstrittig sein, oder?

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  • 7
    1. April 2006 - 1. April 2006 22:52 | Permalink

    wo hab ich das nur schonmal erlebt: erst sind die blogger die klowandbeschmierer, dann wird plötzlich auf die kommentatoren umgeschwenkt.
    sorry, bin nicht überzeugt. daß jeder blogger seine kommentare im griff haben muss dürfte nichts neues sein – immerhin ist er dafür verantwortlich, was unter seinem impressum im web steht. daß sich dort aber irgendwelche abgründe auftun halte ich für eine nicht minder große übertreibung. vielleicht hat der ein oder andere auch nie usenet oder forenerfahrung, da sah/sieht das anders aus, da sind flamewars gang und gäbe. aber wenns vielleicht mal in nem blogkommentarbereich hoch her geht, ist das m.e. die ausnahme.

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  • 8
    B.Setzer
    1. April 2006 - 1. April 2006 23:59 | Permalink

    Scheinbar wurden und werden wirklichen keine Hintergründe recherchiert. Bei der Eurowebsache geht es darum zu verhindern das ein Maulkorburteil gegen den heise Verlag dazu benutzt wird freie Kommunikation im Internet zu führen. Das rechtsstaatliche Urteil lautet: Seitenbetreiber sind verpflichtet VOR Veröffentlichung von Kommentaren die rechtmäßigkeit dieser zu prüfen. Das heisst als Blogbetreiber man kann die Kommentarfunktion auf moderiert stellen oder man haftet für jede freie Meinungsäußerung, oder als Forenbetreiber man muss alles lesen bevor es veröffentlicht werden darf. Ade Netzkultur. Das freie Kommunizieren macht das Netz ja interessant.

    Ein Seitenbetreiber kann nicht jeden Buchstaben auf seiner Seite kennen und es war gut so das man erst haftbar war ab dem Zeitpunkt an dem man darüber informiert war das da was nicht OK war und nichts unternommen hat.

    Das betrifft jede Seite mit Kommentarfunktion und die gesammte Meinungsfreiheit und Netzkultur. Nur weil sich ein paar nicht zusammenreissen können müssen alle moderiert werden? Da ist Solidarität wichtig und nötig.

    Was jetzt die Transparency Geschichte damit zu tun hat versteh ich nicht. Ist zwar auch eine asynchrones Kräfteaufkommen, aber es ging um alte Kamellen und einen seltsamen Laden, aber die zwei Sachen haben Null und Nix miteinander zu tun.

    Da hättest Du auch das Sonnenlicht nehmen können als Vergleich, der hinkt genauso. Das Sonnenlicht wurde genauso durch GrossKleinBloggersdorf gehetzt bis es beim Raab gelandet ist. War am Anfang sicher noch lustig, aber als das 499 Blog berichtet hat hab ich auch erstmal drei Tage Urlaub vom Internet gebraucht.

    Legal hin oder her, viele Gesetze mit denen Anwälte hausieren gehen sind für den Arsch, aber gewaltig und das was die Eurowebanwälte da angeführt haben trifft uns alle und gehört geändert.

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  • 9
    2. April 2006 - 2. April 2006 00:33 | Permalink

    jens und Mr. Setzer. bitte nicht vergessen, wer das schreibt und vor welchem Hintergrund. Auch ich bin mir ganz sicher nicht zu schade, auch heiße Eisen anzufassen, wenn ich davon überzeugt bin, dass es richtig ist. Und ich habe hier durchaus einige Firmen schon kritisiert.
    Mir geht es um eine ganze Kommunikationsform, sozusagen Technorati-komplett. Ich rede über Probleme, die ich mit einer Art Selbstjustiz habe, egal ob die ethisch-moralisch berechtigt ist oder nicht. Das mag so ein Tick von mir sein, dass ich Regeln suche, die für alle gelten – manche sind eben eher Anarchisten vor dem Herrn, mirwegen.

    Aber noch einmal zu den Postings konkret: NEIN, ich finde nicht richtig, dass man für Kommentare verantwortlich ist. Ich finde das sogar juristisch von Gerichten falsch interpretiert. Ich finde auch, dass insgesamt die Juristerei nicht mit dem neuen Medien klar kommt, aber das hab ich auch schon 1000 mal geschrieben und klar gemacht.

    Es ist doch immer das Gleiche: Hinterfragt man einfach mal das Ganze kritisch, wird einem fast gleich der Kollaborateur unterstellt.

    Und nochmal zu Mr. Setzer: An meinen Beispielen hinkt gar nichts, wenn dann am Verständnis des Zusammenhangs was ich zu sagen versuche. Aber das ist natürlich dann auch mein Problem, wenn ich es nicht jedem verständlich erklärt habe. Und JA! Sonnenlicht hätte ich für meine These auch herziehen können, denn ich beschreibe gewissermaßen chaotische Massenphänomene und ihre Wirkungen. Da gehört das auch dazu.

    Beitrag überarbeitet, zu schnell geklickt gehabt… Sorry

    AntwortenAntworten

  • 10
    B.Setzer
    2. April 2006 - 2. April 2006 01:35 | Permalink

    Mir geht es um die Gleichstellung der Säue die die letzen Wochen durch das Dorf gejagt wurden, mit der komme ich nicht ganz klar. Einmal eine Sache die überhaupt nicht brisant, eher lächerlich war, das Sonnenlicht, dafür ein Kopfschütteln, da haben die Klowände den Mainstreammedien gezeigt dass auch sie wie Dieter Bohlen hypen können. Dann kam ein Thema das uns alle zu interessieren hat, der Angriff gegen die Netzkultur und ich freue mich das dieses so wichtige Thema das Sonnenlich bei Technorati verdrängt hat. Dann die Transparenzgeschichte. Zwar ähnlich gelagert, aber eigentlich ne total andere Schublade. Zwar auch Anwälte, Abmahnung und ne vermeindlich heisse Story, aber total überbewertet wie das Sonnenlicht.

    Will sagen: In jedem Fall Einzelbewerten und das kritisch und nicht ein Phänomen irgendwo reininterpretieren wo keines ist.

    Wenns ein Phänomen wäre, wären wir von den Privaten nicht tagtäglich mit so einer minderen Mainstreamware eingenebelt. Für Tamy und das Sonnenlicht gibt es Soaps und Schmuddelreportagen, für die Monis gibt es Gerichtsdramen und Anwaltsserien … was da draußen im Reallife gut funktioniert und Einschaltquote bringt bringt im Internet die Klicks und Kommentare und danach sind wir wohl alle irgendwie süchtig, sonst hätten wir andere Hobbys.

    Was für mich übrigbleibt ist unsere Netzkultur die eigentlich immer mehr Bedeutung gewinnt, weil dem Mainstream die Nahrung ausgeht, die aber durch die Industrie langsam vereinnahmt und geformt werden soll, und leider ist es so das die Industrie die Gesetze diktiert (z.b. Urheberrecht) und die lobbylosen Einzelpersonen einfach gesagt den schwarzen Peter bekommen (siehe totale Überwachung). Deswegen kann ich doch die Gesetze nicht grundsätzlich für gut heissen nur weil sie einfach mal da sind. Sie sind nicht gottgegeben sondern von Richtern und die haben in einer sich so rasant veränderten Welt einfach mal immer weniger Ahnung von dem was sie tun und entscheiden. Und das gilt auch für die gesetzgebenden Politiker: ” Unsere Regierung steht nämlich geschlossen hinter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, und fest auf dem Boden des Gesetzes, und würde nie absichtlich ein totalitäres System errichten. Höchstens aus Versehen und aus Inkompetenz.”

    Es ist so dringend wie nie Solidarität nötig, nicht an allen Fronten, aber an einigen ganz wichtigen und ich befürchte das diese verniedlicht werden mit einem Phänomen oder gleichgestellt werden mit Nichtigkeiten.

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  • 11
    2. April 2006 - 2. April 2006 11:39 | Permalink

    B.Setzer, ich verstehe.
    Darauf hatte ich meine Aufmerksamkeit gar nicht gerichtet, kann aber nachvollziehen, wenn man mit der Gleichstellung der Säue ein Problem hat. Sehr gut verstehen kann ich das sogar. – Und auch das andere lässt sich absolut hören und nachvollziehen.

    Ich hatte schon die Befürchtung, die Diskussion driftet mal wieder ab in ein gegenseitiges Ruminterpretieren und eine Wortklauberei, aber mit so einem sachlichen Einwand kann ich prima leben – danke für das Feedback!

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  • 12
    3. April 2006 - 3. April 2006 16:14 | Permalink

    Ich habe mich ja jetzt schon an verschiedenen anderen Stellen zu dem Thema (Vorwurf Rudelbildung, Mob, Sautreiben, Hetze usw. usf.) geäußert.
    Ich will dem ganzen jetzt einfach mal etwas entgegen stellen, wo ich glaube, im Internet schon wütende Mobs oder hetzende Rudel entdeckt zu haben …und es hat mich zutiefst angewidert.

    Erinnert sich noch jemand an Susanne Osthoff? Die Hetze, die da von zahlreichen etablierten Medien in Presse und Internet wochenlang betrieben wurde? Was der Frau alles unterstellt wurde …medienrudelweise und ohne Belege durch irgendwelche Fakten? Und hat da mal jemand hier einen Blick in die Foren’diskussionen’ (z.B. bei SpOn und WELT) zu diesen Artikeln geworfen? Nicht? Nun, das hätten Sie vielleicht mal tun sollen. Dann wäre Ihnen nämlich schlagartig klar geworden, wer in diesem Land die Macht (Reichweite) hat, Rudel, in Form einer hetzenden, blutrünstigen Meute zu erzeugen und dies auch bewusst tut. Und vor allem hätten Sie dann auch erkannt, wo der Mob herkommt (welche Art Menschen ihn bilden). Die meisten dieser wütenden Keifer (tut mir leid, anders kann man die nicht nennen), die sich da in den Foren austobten, könnten gar kein Blog schreiben, weil sie nicht mal zwei fehlerfreie Sätze hintereinander formulieren können. Und wenn Sie’s täten, würde es wohl kaum einer lesen.
    Um etwas schreiben zu können, was zuindest den Anschein eines fundierten Berichts oder einer begründeten Meinung hat, die viele andere überzeugen kann, braucht es nämlich imo ein gewisses Mindestmaß an Intelligenz und Bildung.

    Und die ersten empörten Gegenstimmen zu dieser organisierten Osthoff-Medien-Treibjagd, die ich damals fand, kamen aus der Blogosphäre. Da wurde genau das angeprangert – kalkulierte Hetze, Verletzung von Persönlichkeitsrechten und die Erzeugung eines Mobs. Viele Blogger stellten sich auf die Seite der Gehetzten, kritiserten die unlautere Berichterstattung der Medien und versuchten, der Propaganda etwas entgegen zu setzen.

    Ich habe nichts dagegen, vor der Möglichkeit von Manipulation durch Berichterstattung zu warnen – auch nicht in der Blogosphäre. Aber ich finde es ungerecht und verletzend, bei der Beschreibung der Solidaritätswellen der letzten Wochen in der Blogosphäre von ‘Rudel’, ‘Mob’, ‘Horde’ oder ‘Hetzjagden’ zu schreiben, denn damit fühle ich mich auf eine Stufe geschrieben mit dem, was ich damals in den SpOn- und WELT-Foren lesen musste. Und um es mal ganz klar zu sagen: Das finde ich beleidigend.

    AntwortenAntworten

  • 13
    9. April 2006 - 9. April 2006 00:23 | Permalink

    Ich bin einigermaßen erschüttert über das Niveau dieses Beitrags. Zunächst liegt ein Missverständnis vor, das noch tiefer greift als der übliche falsche Blogger/Journalisten-Vergleich: Selbst wenn alle Blogger sich als Journalisten verstehen würden, bliebe unzweifelhaft ein Kern-Unterschied bestehen: der der Professionalität. Zwar sind viele heutige Blogger erwiesenermaßen fähigere Journalisten als die von Redaktionen bezahlten “Profis”, aber im Großen und Ganzen bliebe der Unterschied selbst bei diesen bestehen, denn anders als ihre Redaktionskollegen sind sie niemandem Rechenschaft schuldig. Ein gewisser Kollateralschaden beim hundertfachen Aufgreifen eines Themas ist also durchaus normal. Zugleich sollte man allerdings die vielfache Filterwirkung so vieler verdrahteter Intellektueller nicht unterschätzen. Der Kollateralschaden fällt also weit geringer aus als bei einem typischen “Mob”!

    Weitaus wichtiger aber ist der Hintergrund. Und sei der Kollateralschaden der Blogger-Solidarität noch so hoch – was bei Vermeidungsstrategien ins Haus stehen würde, ist weitaus schrecklicher! Es wird den Menschen und Dir offenbar nicht wirklich bewusst, wohin die Reise geht, was auf dem Spiel steht. Was sich am Horizont hinter fortgesetztem Misstrauen gegenüber Ausländern, Sozialabbau, Privatisierung, neoliberaler Fehlplanung, Politikerkorruption, Wissensblockaden etc. abzeichnet, ist nicht mehr und nicht minder als der FASCHISMUS! Im Kampf gegen den Faschismus nehme ich manchen Kollateralschaden in Kauf – wenn auch nicht billigend.

    AntwortenAntworten

  • 14
    9. April 2006 - 9. April 2006 00:47 | Permalink

    Manfred, ich will die Erschütterung nicht erschüttern, aber du darfst nicht die Thesen oder angerissenen Thesen der Kommentare mit meinem Artikel vermischen. Das Thema Journalismus vs. Blogger ist hier nicht Thema und soll es auch gar nicht sein.

    Thema dieses Artikels ist im Kern die Abkehr von rechtsstaatlichen Prinzipien in einer Art solidarischen Selbstjustiz – und das im Besonderen im Hinblick auf eine zukünftige (sic!) Entwicklung mit zunehmender Verbreitung.

    Eine ähnliche Entwicklung verzeichnen wir bereits (und hier ist die einzige Parallele zu Journalismus) in der aktuellen Medienlandschaft. Auch hier ist bisweilen bereits die öffentliche Medienresonanz entscheidender als die Faktenlage. Kurzum: Wer in den Medien ins Kreuzfeuer gerät ist verloren, egal ob er am Ende gar nicht schuldig war (Andreas Türck, Hoyzer).

    Wie ich mehrfach betonte sehe ich die Solidarität als etwas evident wichtiges und verteidigenswertes. Aber es wird doch auch bitte einmal in der Blogosphere möglich sein einen warnenden Zwischenruf einzustreuen – bei aller Sympathie für das Ganze.

    Wie dem auch sei: Die Deutungshoheit liegt ja beim Leser, ich kann nur versuchen immer wieder zu erklären, was ich meinte, wenn es nicht verstanden wurde. Aber bitte bitte bitte: Vielleicht erst nachfragen, dann urteilen. Danke.

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    Ich glaub, das war's.