Karikaturen wider die Toleranz

Der Karrikaturenstreit aus Dänemark, bei dem Mohammed in einer Comic-Satire durch den Kakao gezogen wurde, ist noch frisch in Erinnerung. Die Auswirkungen waren fatal, wie wir alle wissen. Nun, nachdem das Thema scheinbar ein wenig aus den westeuropäischen Köpfen zu verschwinden droht, nimmt man offenbar die Gelegenheit wahr, springt noch auf und nutzt die Medienaufmerksamkeit zu einem neuerlichen karikaturellen Tiefschlag. {Ironie ON} Doch diesmal sollen nicht mehr die “humorlosen” Moslems leiden (viel zu gefährlich…), oh nein! Diesmal sollen die Christen eines auf die Mütze kriegen, am Besten die Katholiken, da kann man eigentlich nichts falsch machen. {Ironie OFF}

Es ist eigentlich wirklich schon viel dazu geschrieben worden, gerade auch in den Blogs und durchaus differenziert zu den Mohammed-Karikaturen. Und gab es dort noch hier und da einen Funken Einsicht, dass die Mohammed-Karikaturen vielleicht doch eine blöde Idee waren, so ist wohl bei Karrikaturen ‘gegen’ Katholiken der letzte Rest entschwunden. Vielleicht seh ich mich deshalb zu einem Statement dazu diesmal genötigt.

Mit »Popetown« warf der Sender MTV diesmal nicht nur eine gezeichnete Karikatur ins Rennen, nein, diesmal musste es gleich eine ganze Zeichentrickserie rund um einen ‘durchgeknallten Papst’ sein (mehr dazu in der Netzzeitung). Aggressive Bewerbung vor dem Start inklusive. Was nun folgte war das (Wieder-)Aufflammen einer Diskussion die zeigte, wie zwiespältig doch das Thema und wie widersprüchlich so manche Argumentation ist.

Ohne den Meinungsstand dieser Diskussion wiedergeben zu wollen will ich meine Meinung dazu hier einmal posten, eine Meinung, die ich auch schon in der Diskussion zu zwei Blogbeiträgen, bei nerdcore und beim blogwart, ansatzweise in den Kommentaren zum Besten gab. Aber ich will das hier einmal loswerden.

Worum geht es eigentlich? Es geht im Kern darum, wo Pressefreiheit und Meinungsfreiheit zu Gunsten religiösem Empfinden eingeschränkt werden muss/darf/kann/soll. Ist es nicht ein Schlag ins Gesicht der Demokratie, wenn man hier Einschränkungen zulässt, nur weil sich da ein paar Gläubige gestört fühlen? Ist Satire, Karrikatur und Ironie nicht Teil unserer Freiheit, einer Freiheit, die ein grundlegender Baustein unserer Demokratie, ja gar unserer Gesellschaft ist?

Ein klares JA von mir, ein JA zum Grundsatz. Aber ein klares NEIN zu den Grenzen, wie sie zuletzt offenbar wurden.

Vielleicht sollte man sich einmal dieses Zitates erinnern:
Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
Rosa Luxemburg

Wenn man auch nicht immer einer Meinung ist, gerade was Glaube und Religion betrifft, so sollte doch immer der Respekt voreinander im Vordergrund stehen. Und wenn ich schon meine Freiheit, auch wenn ich vielleicht das Recht auf dem Papier dazu habe, ausnutze, dann doch mit einem Gefühl der Achtung vor Andersdenkenden. Und je sensibler das Thema bei meinem Gegenüber, desto höher sollte ich doch die Messlatte legen, warum ich meine Freiheit gerade in diesem Punkt so weit auslege.
Dies fehlt mir in der Diskussion, diese Bedeutung von Respekt und Achtung voreinander.

Es geht doch nicht darum, ob ich grundsätzlich Zensur fordere, grundsätzlich alles immer zurückhalte, nur weil es dem einen oder anderen – auch Gläubigen – nicht passt, oder grundsätzlich die Pressefreiheit aus Angst vor gewaltsame Reaktionen beuge, es geht darum, Mittel und Zweck abzuwägen und dies auch am Gegenüber und gerade nicht an den eigenen Wertvorstellungen zu messen.

Um nicht ganz auf den dänischen Streit zurückzukommen ein Beispiel aus »Popetown«. Was rechtfertigt es denn, gerade die Kreuzigung als Aufmacher zu missgebrauchen. Warum muss man mit einem biblischen Thema, das für viele Gläubige eines der sensibelsten und auch bedeutensten Teile des Leidensweges Christi darstellt, so umgehen, dass man Jesus vor einem leeren Kreuz im Fernsehsessel sitzen läßt und darüber schreibt: “Lachen statt rumhängen”. Witzig? Wenn das witzig ist, dann fehlen wohl Paedophilen-Witze ebenso in den öffentlichen Medien, wie Witze über den Holocaust. Ein Unterschied? Nein, da gibt es keinen Unterschied, jedenfalls keinen objektiven und das Fehlurteil bei der Bemessung subjektiver Kriterien ist genau mein Thema hier.

Kurzum: Es ist mir vollkommen egal, um welche Religion es geht (da nehme ich auch solche nicht aus, die mir nun gänzlich zuwider sind). Es geht mir darum, dass man Respekt haben und zeigen sollte. Das nämlich würde für Völkerverständigung sorgen und nicht noch mehr Hass schüren. Für einen billigen Lacher einen Tiefschlag zu landen ist einfach unverhältnismäßig. Und das fordere ich ein: Verhältnismäßigkeit.

Toleranz ist nämlich gerade umgekehrt (sic!) DAS Thema. Es ist nämlich gerade keine Frage mangelnder Toleranz, wenn man derartige Karikaturen kritisiert, sondern es mangelt an Toleranz, wenn man Geschmack- und Respektlosigkeiten (vor religiösen Gefühlen) akzeptiert. Jedenfalls dann, wenn dies nicht äußerst sensibel erfolgt. Diese Sensibilität habe ich, soweit ich das verfolgen konnte, jedoch nicht ansatzweise gesehen. Weder in den Karikaturen noch – und das finde ich mindestens so schlimm – in den Diskussionen danach.

»Pause«

Es gab einmal einen Comicstrip, bei dem ein kleines grünes Marsmännchen auf dem Schreibtisch des Papstes saß und ihm eine Laserpistole auf die Nase drückte. In der Sprechblase stand: »Was heißt hier Stellvertreter? Ich will den Chef sprechen!«
Das finde ich bis heute lustig, tiefsinnig, kritisch, nachdenkenswert – aber zugleich respektvoll mit dem nötigen Maß. Auch Monty Pythons »Leben des Brian« fand ich gut, wenngleich ich da durchaus verstand, wenn man hier geteilter Meinung sein konnte. Allein das Wissen, dass es Monty Python sicher nicht um den schnellen Lacher ging, brachte das Ganze für mich in einen Kontext, der über einen Blasphemie-Witz hinausgeht und gesellschaftliche Gesamtzusammenhänge kritisierte. Zudem sparte man zwar so ‘heilige’ Themen wie Kreuzigung nicht aus, ließ die Person Jesus aber nicht direkt erscheinen. Für mich eine sehr feine, aber enorm wichtige Differenzierung. Aber eine Differenzierung, die für mich zu Monty Python passte, denn sie waren Meister der humoresken Gesellschaftskritik.
Wo der Unterschied ist? Der liegt zum Beispiel darin, dass man den Tod einen Menschen nicht direkt zum Spott macht, sondern bspw. die historische Darstellung. Jesus als Person im Fernsehsessel überschreitet einfach diese Grenze, ein Brian, der pfeifend seinen Tod erwartet zielt in eine ganz andere Richtung.

Kurzum: Ein sehr sensibles und vielschichtiges Thema – eigentlich allein deshalb kaum geeignet dafür in Blogs aufgearbeitet zu werden. Aber Meinungen sind ja auch in aller Kürze interessant zu lesen, auch wenn sie einem in der Argumentation oder im Tenor nicht gefallen mögen.

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Facebook-Kommentare

34 Comments

  • 1
    19. April 2006 - 19. April 2006 22:24 | Permalink

    “Wenn man auch nicht immer einer Meinung ist, gerade was Glaube und Religion betrifft, so sollte doch immer der Respekt voreinander im Vordergrund stehen. Und wenn ich schon meine Freiheit, auch wenn ich vielleicht das Recht auf dem Papier dazu habe, ausnutze, dann doch mit einem Gefühl der Achtung vor Andersdenkenden. Und je sensibler das Thema bei meinem Gegenüber, desto höher sollte ich doch die Messlatte legen, warum ich meine Freiheit gerade in diesem Punkt so weit auslege.”

    Große Klasse! So hätte ich das – vbn nb

    AntwortenAntworten

  • 2
    19. April 2006 - 19. April 2006 22:30 | Permalink

    was bedeutet denn “vbn nb”?

    AntwortenAntworten

  • 3
    19. April 2006 - 19. April 2006 22:32 | Permalink

    Sorry, da ist gerade was schief gegangen mit meiner Tastatur (hat was geklemmt) Ich wollte sagen: So hätte ich das auch gern formuliert.
    Die Freiheit, seine Meinung äußern zu können, ist wertvoll. GERADE weil sie so wertvoll ist, sollte man sie imo nicht entwerten, indem man sie missbraucht, um Andersdenkende absichtlich zu verletzen. So wird man m.E. mit Sicherheit keinen von der Unverletzlichkeit der Meinungsfreiheit überzeugen können. Oder kurz gesagt: Freiheit sollte imo konstruktiv genutzt werden nicht destruktiv.

    AntwortenAntworten

  • 4
    19. April 2006 - 19. April 2006 22:34 | Permalink

    Ok, war gerade irritiert. Dann danke ich einfach für das nette Feedback.

    AntwortenAntworten

  • 5
    19. April 2006 - 19. April 2006 23:07 | Permalink

    Ui … ein Renéscher Spreeblitz … merci … aber Karikaturen sind (auch wider meine eigenen Finger) tatsächlich keine Karrikaturen :grin:

    AntwortenAntworten

  • 6
    19. April 2006 - 19. April 2006 23:13 | Permalink

    Sehr nett geschrieben. Habe mir über die Probleme der Katholiken zu Popetown eigentlich weniger Gedanken gemacht. Viel mehr finde ich die aufgebrachten Reaktion zu Popetown interessant. Es ist beachtlich wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Keiner derer die sich jetzt beschweren, haben öffentlich ihren Standpunkt zu den Mohammed-Karikaturen eingenohmen. Keiner ist hier den Dänen über den Mund gefahren und hat geäußert das er das nicht richtig fand. Ist Popetown jetzt etwa etwas anderes? Und das finde ich einfach arm.

    Es ist nicht richtig das man sich auf diesem Niveau über andere Religionen auslässt, das finde ich auch. Aber die Popetown-Geschichte zu verfolgen wird denke ich noch sehr spaßig.

    AntwortenAntworten

  • 7
    19. April 2006 - 19. April 2006 23:24 | Permalink

    keiner über den mund gefahren? ich für meinen teil, hab das getan:

    ”Die Unantastbarkeit ihrer Religion ist für Muslime genauso unverhandelbar wie unsere Freiheit, das ist der Punkt. Das sollten wir tolerieren und uns, wie geschehen, entschuldigen.

    Wenn ich auf der Straße jemandem ans Bein pisse, darf ich nicht erwarten, dass die Pisse mit einem Lachen weggewischt wird. Ich darf nicht einmal mit einer Standpauke rechnen. Ich muss damit rechnen, dass ich tierisch eine in die Fresse bekomme.

    Wir sollten unsere Freiheit dafür nutzen, Verständnis für Andersdenkende aufzubringen. Mal die Perspektive ändern.

    Tun wir aber nicht.

    Viele beharren auf ihren Standpunkten und weichen keinen Zentimeter. Deshalb sind wir genauso radikal wie sie. Wir sind Freiheitsextremisten, sozusagen. “

    AntwortenAntworten

  • 8
    19. April 2006 - 19. April 2006 23:35 | Permalink

    René … doch, das weiss ich wohl noch und du warst für mich eine sehr gern gelesene Ausnahme

    AntwortenAntworten

  • 9
    20. April 2006 - 20. April 2006 00:01 | Permalink

    Ich finde, wir sollten unseren Kindern wieder beibringen, dass unsere demokratischen Freiheiten nicht nur Rechte sondern auch Verpflichtungen sind. Sie sollten wissen, dass sie auch die Verantwortung für die (sozialen) Folgen ihrer Taten übernehmen müssen, wenn sie Freiheiten für sich beanspruchen. Andernfalls kann die Freiheit des Individuums m.E. kein Gewinn für die Gesellschaft sein, sondern bloß rücksichtsloser Egoismus, bei dem das Recht auf der Seite der Stärkeren (Mehrheit) ist.
    Und wie lernen unsere Kinder das am besten? Meiner Ansicht nach indem wir es ihnen vorleben.

    AntwortenAntworten

  • 10
    20. April 2006 - 20. April 2006 00:26 | Permalink

    Das Popetown als Serie nicht der Rede wert ist, geschenkt. Darum geht es natürlich auch nicht. Rücksicht auf religiöse Gefühle hingegen ist meiner Meinung nach immer problematisch zu bewerten. Letztlich basieren die Weltreligionen alle darauf, die Leute die ihnen nicht in die moralische Weltsicht passen zu verurteilen und permanent zu beleidigen.

    Deshalb: Die Toleranz die Gläubige von Nichtgläubigen erwarten, ist dieselbe die Raucher von Nichtrauchern erwarten, denen sie permanent ihren Rauch ins Gesicht blasen.

    AntwortenAntworten

  • 11
    20. April 2006 - 20. April 2006 00:32 | Permalink

    Stimmt, Batz … aber leider ist es umgekehrt

    AntwortenAntworten

  • 12
    20. April 2006 - 20. April 2006 04:39 | Permalink

    Der Vergleich zwischen den “Mohammed-Karikaturen” und dem Comic “Popetown” ist schwierig, verehrter Herr Endl. Im ersten Fall richtet sich die Kritik — und Satire ist nichts anderes als Kritik — gegen eine von Moslems als heilig verehrte Figur.

    Popetown kritisiert dagegen die zentrale Verwaltungsorganisation der Katholiken. Nicht einmal Papst Benedikt XVI selbst wird auf die Schippe genommen. Der war nämlich als die Serie produziert wurde noch ein kleiner Großinquisitor Präfekt der Kongregation für den Glauben. Popetown ist nämlich schon ziemlich alt.

    Die Anzeige, mit der MTV die Serie beworben hat ist dagegen schon vergleichbar.

    Es will mir allerdings nicht einleuchten, warum die Aussage der Anzeige so schlimm sein soll. Einen Tiefschlag kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Warum sollte Jesus nicht auch mal über die Kirche lachen können?

    Hätte er vorgezogen immer brav die Fresse zu halten, wäre er vermutlich auch nicht hingerichtet worden.

    Wenn ein paar Jahrtausende ins Land gehen, kann es schon vorkommen, daß Glaubensinstitutionen nicht mehr ganz im Sinne ihrer Propheten handeln. Das sollte man auch weiterhin kritisieren dürfen.

    Jeder darf zum Glück glauben was er will. Er kann aber nicht erwarten, daß niemand anderer Meinung ist. Gott sei Dank!

    AntwortenAntworten

  • 13
    20. April 2006 - 20. April 2006 04:47 | Permalink

    PS.: Quatsch, die Mohammed-Karikaturen richten sich natürlich gegen alles mögliche, aber nicht gegen Mohammed. Sie machen ihn nur zum Protagonisten einer Kritik an einem Mißbrauch von Spiritualität.

    AntwortenAntworten

  • 14
    20. April 2006 - 20. April 2006 05:23 | Permalink

    was soll immer das gerede vom respekt? ob irgend jemand etwas geschmacklos, doof, unnötig oder einfach scheisse findet, spielt überhaupt keine rolle.
    entweder es gibt meinungs- und redefreiheit, oder eben nicht. und wenn ja, dann werden halt sachen gesagt, die andere beleidigen können.
    na und?

    AntwortenAntworten

  • 15
    20. April 2006 - 20. April 2006 07:00 | Permalink

    @don: Mit Deinem Kommentar bringst Du m.E. eine dissoziale Einstellung zum Ausdruck. Und die finde ich Sch…. (Anm.: Hier nur aus Rücksicht auf den Blog-Hausherrn ausgepunktet). Ich hätte Dir das vielleicht schonender beibringen können. Aber wieso sollte ich? Es spielt ja für Dich keine Rolle ;o).

    AntwortenAntworten

  • 16
    20. April 2006 - 20. April 2006 08:45 | Permalink

    die forderung nach “verhältnismäßigkeit” bringt es (für mich)sehr gut auf den punkt.

    AntwortenAntworten

  • 17
    Tobi
    20. April 2006 - 20. April 2006 10:53 | Permalink

    @don: Ausser schwarz und weiss kennst Du auch keine Farben, oder?

    Gruss

    Tobi, der Alex voll und ganz zustimmt.

    AntwortenAntworten

  • 18
    yaggle
    20. April 2006 - 20. April 2006 11:07 | Permalink

    Wer entscheidet denn im Endeffekt, was verhältnismäßig ist? Wo liegt die Grenze? Wer sagt: “Ja das ist noch durch die Redefreiheit gedeckt” und wer “Nein, das geht zu weit.”

    Wen beleidigt man mit dieser Anzeige in der Jesus im Sessel sitzt? In der Anzeige steht nicht noch “P.S: Alle Christen sind doof” Wieso müssen Religionen immer alles so furztrocken sehen? Sobald ein religiöses Symbol nicht im gewohnten Kontext verwendet wird, vielleicht sogar um einen *oh mein Gott* WITZ zu generieren, ist das sofort religiöse Gefühle verletzend?

    Die Werbekampagne spielt mit einem religiösen Symbol ohne irgendjemand direkt anzugreifen. Die Zeichentrickserie nutz generische Zeichentrickfiguren, die nicht mal Bezüge zu real existierenden Personen aufweisen. Nichts davon ist ansatzweise verletztend oder beleidigend.

    Die Kirche denkt halt nur, die Zeit wäre gekommen. Der Karikaturenstreit hat eine Lücke in den Wall der Presse- und Redefreiheit geschlagen, die jetzt sofort ausgenutzt wird. Nachdem man mit zahlreichen Klagen in den letzten Jahren gegen noch viel “härtere” Satire aus der Titanic immer wieder vor Gericht gescheitert ist, wittern die Kirchenoberen jetzt ihre Chance, jetzt wo die so oft zitierte “Schere im Kopf” endlich realer geworden ist.

    Toleranz funktioniert halt tatsächlich immer noch anders herum. Und deswegen finde ich den Vergleich mit den Rauchern/Nichtrauchern auch sehr gelungen, Batz.

    AntwortenAntworten

  • 19
    20. April 2006 - 20. April 2006 11:14 | Permalink

    fellow, ich bin mir bewusst, dass es per se schwer ist zu vergleichen. Aber das will ich ja auch gerade nicht. Es sind eben nur Beispiele, die eben zur Zeit aktuell sind und im Kern das gleiche Problem haben: Der Umgang mit Religion in Karikatur/Satire etc.

    Und ob das “so schlimm” ist, dass eben sollte man doch denen überlassen, die es betrifft. Und was Jesus darüber denken mag, spielt doch auch gar keine Rolle (in dem Zusammenhang).

    AntwortenAntworten

  • 20
    yaggle
    20. April 2006 - 20. April 2006 11:30 | Permalink

    @Alexander Endl: Man sollte eben nicht denen, die es betrifft, das Urteil darüber überlassen, ob etwas schlimm ist, oder nicht.

    Aus gutem Grund funktioniert unser Rechtssystem auch nicht so, daß dem Geschädigten (unter Umständen sogar nur in seinen eigenen Augen subjektiv geschädigte) Urteil und Schadensmaß selbst überlassen wird.

    Und wenn man dann noch so etepetete zickig ist, wie manche Weltreligionsvertreter und nicht ein Funken über sich selbst lachen kann, dann erst recht nicht.

    AntwortenAntworten

  • 21
    20. April 2006 - 20. April 2006 11:35 | Permalink

    yaggle, ich weiß auch nicht, wie da der Königsweg wäre und wer das entscheiden kann/soll/müßte.
    Aber so wie es jetzt läuft, dass nämlich einfach jeder mal publiziert was er will und nachher halt ein wenig diskutiert wird und Scherben gekehrt werden, das finde ich auch nicht richtig.
    Man muss doch nicht erst das Kind in den Brunnen fallen lassen, um dann drüber nachzudenken, ob das so richtig war.
    Und wenn du verwundert schreibst, warum man sich denn gerade über das Bild mit dem Kreuz soooo aufregt, dann zeigt das eben genau das was ich meine: Wie kann jemand (wie Du, das unterstelle ich jetzt mal), der eben keine bis wenig Ahnung hat, was religiösen Menschen “heilig” ist, darüber urteilen, ob das nun die Grenze überschreitet oder eben nicht. Das ist es doch eben, das ist genau der Punkt! Wenn man eben keine Ahnung hat und ein sensibles Thema aufgreift, dann sollte man sich eben vorher seine Gedanken machen und vielleicht auch vorher mal die Diskussion führen und nicht danach.

    AntwortenAntworten

  • 22
    20. April 2006 - 20. April 2006 11:38 | Permalink

    yaggle … unser Rechtssystem ist aber auch darauf ausgelegt, Schaden zu vermeiden, bevor er entsteht … bzw. … es verpflichtet uns zur gegenseitigen Verantwortung

    AntwortenAntworten

  • 23
    yaggle
    20. April 2006 - 20. April 2006 12:20 | Permalink

    Alexander, zu Deiner Unterstellung…

    Ich bin im tiefsten katholischen Hinterland großgeworden. Ich kenne jede Menge Katholiken, Leute, die im Kirchenrat sitzen und ich weiß, was religiösen Menschen heilig ist. Und ich weiß auch, daß 80 % dieser Leute über den Jesus auf der Couch schmunzeln würden oder ihn zumindest ignorieren, anstatt angewiedert aufzuschreien, daß man jetzt in seinem Sein als Christ zutiefst verletzt sei.

    Diese Minderheit, die dies dann aber tut, richtet den Schaden an. Die, die alles zu ernst sehen und denken, es sei ein Schaden entstanden, auch dort wo gar keiner entstanden ist. Und wenn kein Schaden vorhanden ist, muß man auch keinen vermeiden (wie in Kommentar 22 von Dir gefolgert).

    AntwortenAntworten

  • 24
    20. April 2006 - 20. April 2006 12:28 | Permalink

    yaggle … die falsche Unterstellung ziehe ich dann natürlich zurück, wenngleich es mich wundert, wenn ich das in dem mir bekannten religiösem Umfeld mal so abgleiche … und damit kann ich auch nicht nachvollziehen, dass es nur ein kleines Grüppchen sei, dass sich hier betroffen fühlt, dagegen spricht auch die Bedeutung der Diskussion in den Medien (von der Bedeutung im Fall Dänemark will ich gar nicht reden) … aber egal, die ganze Diskussion neigt gerade dazu abzudriften und sich an Einzelbeispielen und einzelnen Zitaten und Passagen aufzuhängen …

    allein die Diskussionen zeigen doch hinlänglich, dass es hier offenbar genug Zündstoff gibt, der geklärt werden sollte – ich jedenfalls bin persönlich betroffen über das was da passiert, und – wie gesagt – das ganz unabhängig ob es nun um Christen oder Moslems geht oder ging. Und ich hatte ähnliches auch schon beim ersten Karikaturen-Fall geäußert, nur eben nicht hier im Blog

    AntwortenAntworten

  • 25
    20. April 2006 - 20. April 2006 23:11 | Permalink

    Ich habe die Kommentare hier nicht verfolgt, und weiß daher nicht, ob das Thema schon zur Sprache kam.

    Aber ist eigentlich schonmal geschrieben worde, dass Popetown nicht den christlichen Glauben attackiert, sondern die Institution Kirche?

    Die Werbung allerdings, da gebe ich dir Recht, ist eine geschmacklose Dings, die mit den christlichen Symbolen Schindluder treibt. Und das sollte uns klar sein: das ist unsere Kultur, unsere Wurzeln, da kommen wir her. Christentum, griechische Philosophie, da sollte man Respekt vor haben.

    Vor den daraus entwachsenen Institutionen nicht.

    AntwortenAntworten

  • 26
    Sohn N. Hals
    21. April 2006 - 21. April 2006 01:39 | Permalink

    Alles, was zum leidigen Thema religiös bedingtes Beleidigtsein- und werden gesagt werden muss, hat Joseph v. Westphalen diese Woche besorgt:
    http://www.taz.de/pt/2006/04/15/a0166.1/text

    AntwortenAntworten

  • 27
    yaggle
    21. April 2006 - 21. April 2006 10:50 | Permalink

    @Rene

    Ui, das geht ja noch viel weiter. Mit Sokrates und Plato dürfen also auch keine Witze mehr gemacht (bzw. “kein Schindluder mehr getrieben”) werden? Was würde Nietzsche dazu sagen? Oder sogar gar keine Witze mehr über Griechenland? Dann halte ich mal lieber meine Fressaloniki… ;-)

    AntwortenAntworten

  • 28
    21. April 2006 - 21. April 2006 10:56 | Permalink

    Einen Witz machen ist was anderes als mal direkt ans Bein pinkeln.

    AntwortenAntworten

  • 29
    yaggle
    21. April 2006 - 21. April 2006 13:09 | Permalink

    Und Jesus der auf einer Couch sitzt, das ist eben nicht “direkt ans Bein pinkeln”. Das wäre einfach nur ein Witz. Beleidigt wird doch erst jemand, wenn man ihn be-lei-digt. Beschimpft. Verunglimpft. Ihm sagt, wie bescheuert er ist. usw. usf. In der Popetown-Werbung alles nicht der Fall.

    AntwortenAntworten

  • 30
    21. April 2006 - 21. April 2006 13:18 | Permalink

    jo mein lieber, lesen bildet. wenn unter der Couch nämlich steht: „Nicht rumhängen“, dann ist das ein ganz kräftiger Urinstrahl direkt ans Bein der Christen.

    AntwortenAntworten

  • 31
    yaggle
    21. April 2006 - 21. April 2006 13:53 | Permalink

    Nö. Nur ein Wortwitz. Es wird nämlich niemand beleidigt. Im Sinne von be-lei-di-gen. Beschimpfen. Ach, ich wiederhole mich. Das bringt doch alles nix.

    AntwortenAntworten

  • 32
    21. April 2006 - 21. April 2006 14:32 | Permalink

    Beleidigung ist (so sagt uns Wikipedia), die Kundgabe von Missachtung oder Nichtachtung gegenüber dem Beleidigten oder Dritten. Dabei ist der Sinn aufgrund der Begleitumstände und des gesamten Zusammenhangs, in dem die Kundgabe steht, zu bestimmen.
    Soweit dazu, aber wer kam nun eigentlich auf Beleidigung und warum geht es darum, ob es witzig sein soll?
    Ich jedenfalls sprach davon, dass wir (als Gesellschaft) mehr Respekt zeigen sollten – gegenüber uns selbst, anders Denkenden, Fremden.

    Aber sobald man das anspricht, dreht es sich doch gleich wieder alles nur um UNS, UNSERE bedrohten Rechte, UNSERE Demokratie, UNSERE Freiheit. Ich wünschte, dass wir uns um die Rechte (und das Denken) ANDERER einmal soviel Sorgen machten, wie um unsere eigenen Rechte.

    AntwortenAntworten

  • 33
    Karikaturen
    29. März 2007 - 29. März 2007 14:37 | Permalink

    54, 74, 90, 2010 :-)

    AntwortenAntworten

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    Ich glaub, das war's.