Wie (durch)sucht man eigentlich Videos?

Vorwort: Eigentlich geht es in diesem Artikel aus 2006 um Biometrie und was man heute schon über Dich weiß oder wissen kann, ohne dass dir das vielleicht so bewusst ist. Heute so brandaktuell wie vor einem Jahr.

Videos einbinden finde ich voll geil eine tolle Möglichkeit, das eigene Blog um multimediale Inhalte aufzupeppen zu bereichern. Kritik über den YouTube-Hype hin oder her, durch YouTube und Konsorten ist es sogar dem letzten Idioten dem Anfänger / Newbie möglich, Videos selbst webgerecht anzubieten und einzubinden.
Kurzum: Das Thema multimediale Inhalte ist keines mehr, weil man es nicht mehr diskutieren muss, sondern man einfach machen kann. Ob das dann sinnvoll gemacht wird, das ist doch immer eine Frage des Anbieters – und ob es genutzt wird, ist eine Frage des Empfängers und seiner Anbindung.

Es geht ja nicht nur um Videocasts (Vidcasts) à la Ehrensenf oder Toni Mahoni, um mal zwei Grimme-Online-Award-Nominierte zu droppen, es geht um die gesamte Verknüpfung der zur Verfügung stehenden Bordmittel. Dank Digicam war es eh schon mittlerweile ein leichtes, passende Bilder zu Blogeinträgen zu posten (btw.: hat eigentlich noch jemand einen Scanner im Einsatz?), jetzt filmt man einfach, ob via DigiCam oder HandyCam. Videos werden also die Netzwelt überfluten, da bin ich mir ganz sicher. Je schneller der Ausbau von HighSpeed-Netzen vorangeht, desto schneller wird diese Entwicklung ihren Höhepunkt erreichen. Es wird aus dem Netz zwar keinen zweiten Flimmerkasten kein zweites TV-Gerät machen, aber multimediale Inhalte werden im Mix gleichwertig neben reinen Textinformationen stehen. Und macht ja auch Sinn: Wenn man einen Beitrag lesen, sehen oder hören kann, hat man die freie Wahl und kann sich je nach Einsatzort damit versorgen lassen. Im Auto nur Audio, unterwegs vielleicht was zum Lesen und am Abend via Datenanbindung die audio-visuelle Breitseite über den dann hoffentlich üblichen Plasmabildschirm. Na ja, die Röhre tut es natürlich auch.

Doch wie finde ich eigentlich Videos?

Berufsbedingt setze ich mich u.a. auch mit Suchen und Finden im Allgemeinen auseinander, und auch dieses Thema ist bei Texten und Dokumenten jeder Art eigentlich erledigt. Was Text enthält kann fast ausnahmslos erfasst, kategorisiert und verwertet werden. Ob on- oder offline ist da mittlerweile auch egal dank MSN Suche oder Google Desktop Search. Bilder konnte man bisher auch suchen, die fand man in der Regel entweder über Tags (z.B. bei Flickr) oder über das textliche Umfeld, wie Google z.B.. Das ist bei Bildern auch soweit ok und auch machbar. Bilder zeigen meist eine Szene, ein Motiv. Das kann man beschreiben oder erklärt sich oft durch den Textbezug. Aber Videos?

Natürlich kann man Videos auch wie Bilder behandeln, also die Texte drumherum verwerten, vielleicht dazu das Topic der Domain einbeziehen, Crosslinks begutachten oder (soweit vorhanden) Tags lesen lassen, letzteres ein Verfahren, das YouTube einsetzt. Aber damit ist man nicht am Ziel. Videos ergänzen im Zweifel nicht einen Beitrag, wie dies Fotos meist tun, Videos sind der Beitrag – und bisweilen sogar mit einem vielschichtigen und langem Inhalt. Wenn der Anbieter (siehe bspw. Ehrensenf, die machen das), also keine Tipps auf den Inhalt gibt, dann sind die meisten Suchmaschinen machtlos. Für sie sind solche Videos undefinierbare Daten, die nicht durchsucht und damit nicht gefunden werden können.

D.h.: Back to the roots?

Der neue Video-Suchdienst Komerca.tv von Webeffekt.de über deren Pressemitteilung zum Thema ich auf das Thema wieder aufmerksam wurde, setzt da auf Handarbeit. Sprich: Man bewertet und durchsucht redaktionell die Videos und bereitet diese dann in einer Art Katalog auf. Klingt nach den Anfängen – nach prägoogleschen Zeiten, als Internet-Kataloge wie Yahoo! das Internet dominierten. Und wer setzt heute noch bei seiner Suche auf einen Katalog? Nur in Ausnahmen vielleicht. Aber dennoch macht der Ansatz Sinn, jedenfalls im Business, wenn die Qualität des Suchergebnisses entscheidend ist, wenn Aktualität nicht ganz oben steht oder/und wenn die durchsuchten Videos per se kompexe Anforderungen stellen.
Für alle anderen Anwendungen, vor allem für den Privatanwender, ist eine katalogbasierte Video-Suche aber nicht Erfolg versprechend. Zu hastig ist das Internet-Leben, zu spontan seine Nutzer: Filmen, hochladen, einbinden, tauschen. Da darf nicht noch das ok der Redakteurs warten. Bei YouTube sieht man das sehr schön. Das muss alles Zack-Zack gehen. Wenn der Upload schon zu lange dauert, wird man schon nervös, weil man den Einbau ins Blog schon vor sich hat.

Ist es also möglich, Videos zu verwerten, ohne den Schöpfer desselben zu benötigen, einen Redakteur drüber sehen zu lassen oder ein mühsamens Konglumerat aus Indizien auszuwerten? Und natürlich ist die Antwort JA – mir war das bis vor Kurzem so nur nicht so bewusst.
»Der verbreiteste Ansatz ist jener, der mittels automatischen Indexierungsprogrammen (Robots, Spider etc.) zunächst auf Internet-Servern gespeicherte Video-Dateien identifiziert. In einem zweiten Schritt gilt es nun, Suchworte zu diesen Dateien und deren URLs zu hinterlegen. Dazu bieten sich im Prinzip zwei Quellen an. Zum einen der Text der Internet-Seite, über die dieses Video aufgerufen werden kann, zum anderen die Audiospur der Filmdatei. Beide Ansätze ermöglichen die massenhafte automatische Aufnahme von Videos in den Datenbestand der jeweiligen Suchmaschine. « – so die Pressemitteilung von Webeffekt. Ich war mir darüber nur eben nicht so klar. Die Audiospur! Man kann die Audiospur auswerten und das in Relation mit allen anderen zur Verfügung stehenden Daten bringen. Das ist ja jetzt schon technisch kein Problem! Ich Dummchen.

Aber eigentlich kann man doch noch mehr! Mein Scanner kann doch OCR, also Text einlesen und per Software in echten Text umsetzen. Ich kann auch heute schon Video-Daten automatisiert erfassen und diese anhand von Mustern analysieren (Auto, Haus, Katze). Ich kann Landkarten wiedererkennen, und ich kann sogar Menschen anhand ihrer biometrischen Daten, die ja gerade fleißig in der ganzen Welt gesammelt werden, identifizieren. Wenn also René Manamana singt, kann ich theoretisch – ohne Kenntnis des Dateinamens oder sonstiger Spuren – über kurz oder lang an geeigneter Stelle ein Pieps am Rechner bekommen der sagt: René W. singt Manamana in einem Video. Und dann kann ich meine Datenbank fragen, ob der das … egal, ist ja auch unwichtig.

Satellitenbilder gibt es auch schon bei Google Earth – und mit welcher beeindruckender Qualität. Aber mal im Ernst Jungs, das habt ihr doch noch besser und aktueller, oder? Das kriegt man doch soweit hin, dass man das Nummernschild lesen kann – und live ist es doch sowieso schon bei euch auf den Rechnern. Wenn ich also über lokaler Videoüberwachung Herrn X aufgrund seiner biometrischer Daten einmal erfasst habe (kann man ja ab und an auffrischen, die Identifikation), dann könnte man ihn ja markieren und via Satellitenbild tracken. Cool, oder. Ganz automatisch. Könnte man auch rückwirkend, so nur für den Fall… Falls was passiert wäre z.B., Unfallflucht oder sowas. Herr X stempelt aus dem Büro aus und fährt am Montag Abend weg. 21:03 kollidiert er am Unfallort und flüchtet. Eindeutig. Warum gibt es das eigentlich nicht heute schon?

Wenn Datenschützer Angst vor der biometrischen Erfassung hatten haben, dann u.a. deswegen: Biometrische Daten sind zwar bisweilen nur relativ eindeutig, sie sind aber in jedem Falle verdammt einzigartig.
Wenn die Datenschützer also Angst vo Vater Staat haben, dann ist das verständlich. Das Dumme ist nur: Ob das der Staat macht, oder nicht, ist relativ egal. Wie soll ich denn einer Suchmaschine die eigene biometrische Suche untersagen (inkl. der dafür notwendigen Ersterfassung)? Bild- und Datenmaterial kriege ich doch heute schon ausreichend über das Internet und die Zuordnung … siehe oben … kriegen wir schon hin.

Wenn das Sicherheitssystem eines Kreditkartenunternehmens gehackt wird oder ein Leck hat, ist das bedauerlich und man muss ggf. neue Nummern vergeben. Wenn das mit biometrischen Daten passiert, kann ich leider nicht anrufen und sagen: Ups, da ist uns ein Malheur passiert. Wir schicken unseren Chirurgen vorbei um ihnen eine neue Augenpartie zu verpassen.

Wenn man über Video-Suche nachdenkt, kommt man irgendwie zwangsläufig auf dieses Thema, finde ich. Ich bin ein Internet-Freak und liebe die Möglichkeiten, aber – unter uns – das Ding ist ein Monster.