
»Arbeit macht erfinderisch« – soll mir keiner sagen, dass das Motto nicht Pate stand beim Telekom/PREMIERE-Deal über die Ausstrahlung der Fußball-Bundesliga via Internet.
Ich bin ja kein ausgesprochener Fachmann in diesem Biz, daher mag man mir meine ungeschliffenen und vielleicht im Detail auch naiven Ausführungen verzeihen, aber für mich stellt sich das so dar:
Da verzockt sich Herr Kofler ganz gehörig und setzte mit der totalen Exklusivität gegen große Kasse auf das falsche Pferd beim Poker um die Bundesliga-Übertragungsrechte. Hat er sich verzockt? Ich sage Nein, denn er hatte gar keine andere Option als diese. Er musste auf die Exklusivität setzen, sonst wäre sein ganzes PayTV-Konzept zum Scheitern verurteilt. Es blieb ihm also nur die Hoffnung, dass sich die monetären Interessen vielleicht doch auf Druck von unten durchsetzen würden. Aber die Rechnung konnte eigentlich nicht aufgehen, da wir zum einen im Fußball bis heute eine Verbandsmeierei allererster Güte haben (was in dem Falle ein Segen für alle Nicht-PayTV-Fußball-Fans war) und zum anderen die Sponsoren und sonstigen Eitelkeitenträger der Liga nicht darauf verzichten wollten, dem gemeinen Fußball-Fan zur besten Sportschau-Zeit persönlich im Wohnzimmer Guten Abend zu sagen.
Soviel also zur Historie. Kofler mit PREMIERE verliert den Poker, ARENA gewinnt. PREMIERE stürzt im Aktienkurs brachial ab und Dotcom-Tods-Erben stehen schon vor der Tür. Wieder eine Blase der Medienlandschaft geplatzt. Oder?
Dann kam das: Die Telekom sieht ihre ersteigerten Internet-Übertragungs-Rechte ein wenig weiter als die DFL und Arena sich das wohl dachten. Genauer gesagt hält die Telekom das ganze mehr oder weniger für eine reine Frage des Übertragungsweges. Ob Kabel oder IP – was soll’s eigentlich? Und der Laie denkt sich nach kurzem Nachdenken: Stimmt eigentlich, was haben die sich eigentlich sonst gedacht (DFL und Arena). Oder anders: Auch ich fragte mich nach der Versteigerung spontan, was die Telekom eigentlich da überhaupt mit anfangen will?!
Nun also das Abkommen mit PREMIERE und die Telekom – wenn man die Berichterstattung so richtig versteht – macht einen Mega-Deal und rettet dabei en passant das PayTV-Modell in Deutschland.
Per Telekom-DSL-Hochgeschwindigkeitsleitung also Fußball-Bundesliga jetzt ins Wohnzimmer, dann in eine Box und ab auf den Bildschirm am heimischen TV-Gerät. Premiere produziert wie gewohnt die Sendungen und bedient seine Abonnenten. Ok, da sind noch ein paar Details zu klären, wie die DSL-Verfügbarkeit etc. pp., aber grundsätzlich klingt das plausibel.
Natürlich wird das zu Verlusten führen, zu Anfangsschwierigkeiten, Akzeptanzproblemen etc. pp. Aber was soll’s? Jedenfalls ist das eine Lösung, die Kofler da noch aus dem Hut zaubern konnte, besser eine als keine – und entsprechend fiel sein Grinsen auch in den auf ihn gehaltenen Kameras aus.
Wieder Fußball-Content also? Nein, in dem Beitrag geht es mir darum, dass das ewige Talent ‘interaktives Fernsehen’ aus der Not zur Tugend wurde und ein gordischer Knoten zerschlagen wurde. Bisher galt es doch immer so: Interaktives Fernsehen scheiterte am Rückkanal, weswegen sich Kabelnetzbetreiber ja nun auch als Daten-Anbieter gerieren. Doch bei allem Bemühen: Es fehlte am Angebot, weil die Nachfrage fehlte, die fehlte, weil es kein Angebot gab. Staatlich subventionieren durfte man nicht und so blieb alles im Grunde wie es war.
Nun aber zwingt man die Telekom (die wohl eher freiwillig und mit Kalkül) und PREMIERE (unfreiwillig und mit Wasser bis zum Hals) zur Geburt des interaktiven Fernsehens, mit dem die Medienlandschaft lange schwanger trug.
Sollte es Telekom und PREMIERE gelingen, das Konzept tatsächlich umzusetzen und nur halbwegs an den Mann zu bringen, dann dürfte das die Fernseh- und Medienlandschaft auf den Kopf stellen. Man wird kaum gucken können, bis andere auch auf die Box wollen, ganz vorne die Shopping-, Lebensberater- und Erotik-Sender. Es wird davon abhängen, ob die Telekom zwanghaft eine Monopolstellung anstrebt und ob sie anderen Daten-Carriers ermöglicht (und zu welchen Konditionen) die neue Box mit zu bedienen. Denn ohne einen Standard, auf den andere aufspringen können und eine einheitliche Box wird das Unternehmen scheitern. Nur wenn auch die öffentlich rechtlichen Sender und die Privatsender über kurz oder lang mit aufspringen und die Übertragung via DSL unterstützen, wird sich die Box auch in Haushalten verbreiten. Hier wird sich zeigen, ob die Interessen der Telekom (die gern an Verdrängung statt Kooperation interessiert zu sein scheint – verständlich aus deren Sicht im Übrigen) und die Interessen von PREMIERE im Widerstreit zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.
Aber wenn man mich fragt: Aus der Not geboren haben wir gerade die Geburt des interaktiven Fernsehens erlebt.
Und das alles wegen Fußball.
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»Arbeit macht erfinderisch« - soll mir keiner sagen, dass das Motto nicht Pate stand beim Telekom/PREMIERE-Deal über die Ausstrahlung der Fußball-Bundesliga via Internet.
Ich bin ja kein ausgesprochener Fachmann in diesem Biz, daher mag man mir meine ungeschliffenen und vielleicht im Detail auch naiven Ausführungen verzeihen, aber für mich stellt sich das so dar:
Da verzockt sich Herr Kofler ganz gehörig und setzte mit der totalen Exklusivität gegen große Kasse auf das falsche Pferd beim Poker um die Bundesliga-Übertragungsrechte. Hat er sich verzockt? Ich sage Nein, denn er hatte gar keine andere Option als diese. Er musste auf die Exklusivität setzen, sonst wäre sein ganzes PayTV-Konzept zum Scheitern verurteilt. Es blieb ihm also nur die Hoffnung, dass sich die monetären Interessen vielleicht doch auf Druck von unten durchsetzen würden. Aber die Rechnung konnte eigentlich nicht aufgehen, da wir zum einen im Fußball bis heute eine Verbandsmeierei allererster Güte haben (was in dem Falle ein Segen für alle Nicht-PayTV-Fußball-Fans war) und zum anderen die Sponsoren und sonstigen Eitelkeitenträger der Liga nicht darauf verzichten wollten, dem gemeinen Fußball-Fan zur besten Sportschau-Zeit persönlich im Wohnzimmer Guten Abend zu sagen.
Soviel also zur Historie. Kofler mit PREMIERE verliert den Poker, ARENA gewinnt. PREMIERE stürzt im Aktienkurs brachial ab und Dotcom-Tods-Erben stehen schon vor der Tür. Wieder eine Blase der Medienlandschaft geplatzt. Oder?
Dann kam das: Die Telekom sieht ihre ersteigerten Internet-Übertragungs-Rechte ein wenig weiter als die DFL und Arena sich das wohl dachten. Genauer gesagt hält die Telekom das ganze mehr oder weniger für eine reine Frage des Übertragungsweges. Ob Kabel oder IP - was soll's eigentlich? Und der Laie denkt sich nach kurzem Nachdenken: Stimmt eigentlich, was haben die sich eigentlich sonst gedacht (DFL und Arena). Oder anders: Auch ich fragte mich nach der Versteigerung spontan, was die Telekom eigentlich da überhaupt mit anfangen will?!
Nun also das Abkommen mit PREMIERE und die Telekom - wenn man die Berichterstattung so richtig versteht - macht einen Mega-Deal und rettet dabei en passant das PayTV-Modell in Deutschland.
Per Telekom-DSL-Hochgeschwindigkeitsleitung also Fußball-Bundesliga jetzt ins Wohnzimmer, dann in eine Box und ab auf den Bildschirm am heimischen TV-Gerät. Premiere produziert wie gewohnt die Sendungen und bedient seine Abonnenten. Ok, da sind noch ein paar Details zu klären, wie die DSL-Verfügbarkeit etc. pp., aber grundsätzlich klingt das plausibel.
Natürlich wird das zu Verlusten führen, zu Anfangsschwierigkeiten, Akzeptanzproblemen etc. pp. Aber was soll's? Jedenfalls ist das eine Lösung, die Kofler da noch aus dem Hut zaubern konnte, besser eine als keine - und entsprechend fiel sein Grinsen auch in den auf ihn gehaltenen Kameras aus.
Wieder Fußball-Content also? Nein, in dem Beitrag geht es mir darum, dass das ewige Talent 'interaktives Fernsehen' aus der Not zur Tugend wurde und ein gordischer Knoten zerschlagen wurde. Bisher galt es doch immer so: Interaktives Fernsehen scheiterte am Rückkanal, weswegen sich Kabelnetzbetreiber ja nun auch als Daten-Anbieter gerieren. Doch bei allem Bemühen: Es fehlte am Angebot, weil die Nachfrage fehlte, die fehlte, weil es kein Angebot gab. Staatlich subventionieren durfte man nicht und so blieb alles im Grunde wie es war.
Nun aber zwingt man die Telekom (die wohl eher freiwillig und mit Kalkül) und PREMIERE (unfreiwillig und mit Wasser bis zum Hals) zur Geburt des interaktiven Fernsehens, mit dem die Medienlandschaft lange schwanger trug.
Sollte es Telekom und PREMIERE gelingen, das Konzept tatsächlich umzusetzen und nur halbwegs an den Mann zu bringen, dann dürfte das die Fernseh- und Medienlandschaft auf den Kopf stellen. Man wird kaum gucken können, bis andere auch auf die Box wollen, ganz vorne die Shopping-, Lebensberater- und Erotik-Sender. Es wird davon abhängen, ob die Telekom zwanghaft eine Monopolstellung anstrebt und ob sie anderen Daten-Carriers ermöglicht (und zu welchen Konditionen) die neue Box mit zu bedienen. Denn ohne einen Standard, auf den andere aufspringen können und eine einheitliche Box wird das Unternehmen scheitern. Nur wenn auch die öffentlich rechtlichen Sender und die Privatsender über kurz oder lang mit aufspringen und die Übertragung via DSL unterstützen, wird sich die Box auch in Haushalten verbreiten. Hier wird sich zeigen, ob die Interessen der Telekom (die gern an Verdrängung statt Kooperation interessiert zu sein scheint - verständlich aus deren Sicht im Übrigen) und die Interessen von PREMIERE im Widerstreit zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.
Aber wenn man mich fragt: Aus der Not geboren haben wir gerade die Geburt des interaktiven Fernsehens erlebt.
Und das alles wegen Fußball.
3 Comments
Also, bei der Telekom bin ich mir nicht so sicher ob die sich vielleicht auch verzockt hat. Wem macht es Spass auf dem Handy TV zu schauen (und bezahlt auch noch Geld dafür)?! Klar, da wird es sicher ein paar geben, aber ob die ausreichen um den Deal zu refinazieren?
Vor dem Deal mit PREMIERE hätte ich dir ja auch Recht gegeben. Aber jetzt wird mir klar, was die Telekoms woll(t)en und bekommen haben.