Weblogs, aber mal ehrlich

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Glaubst Du an Blogs?

Ich meine nun nicht im religiösen Sinne, ich meine, ob Du wirklich glaubst, was in den Blogs geschrieben steht?

Authentizität sei das große Plus der Weblogs, ganz anders als die verlogene Welt der Medien und des Journalismus (überzogen formuliert), in der zum Wohle der Story mal gern fünf gerade sein darf und aus dem Zwergpudel der die Oma zwickte ein Pitbull wird, der ein Kind anfiel. Manipulierte und politisierte Meinungsmache und Einschalt-Gehasche.

Blogs sind da ganz anders. Hab ich gelesen. Hab ich geglaubt, ehrlich.

Blogger, das sind Du&Ich, das sind Verbraucher wie wir, ehrlich Empörte, Leute, die unbeeinflusst loben oder tadeln. Echte Emotionen, wahre Begebenheiten. Keine Hollywoodfassaden, kein Glamour, keine Show.

Dachte ich.

Stimmt aber nicht.

Gerade kürzlich hatte ich einen kleinen Dialog mit einem Blogger, der mich ob meiner Naivität (auch wenn er das so nicht formulierte), doch etwas befremdlich ansah (im geistigen Auge).
Ich verwunderte mich ehrlich und ernsthaft darüber, dass eine Story im Blog, die eigentlich banal und ohne ernsthaften Belang war, in wesentlichen Teilen frei erfunden war. Vollkommen normal sei das, damit müsse man doch rechnen, dass da gebogen und gedreht wird. Solange es irgendwie based on true storys sei, sei das doch ok, da ginge es doch mehr um Stil und Schreibe. Und auf Nachfrage: Ja, Authentizität sei für Blogs nicht so wichtig, wenn die Story dann besser klingt.

Sehe ich anders.

Ich schreibe hier lieber ich und schreib wie ich bin … 100% pur Endl. Nichts hinzugefügt, viel weggelassen (weil man nicht alles sagen kann), aber immer so, dass meine Mutter es lesen könnte und ich ihr sage: Stimmt, Mama, so war es.
Mag sein, dass ich das zu eng sehe, dass ein Blog doch kein echtes Tagebuch sei und es eigentlich um Aussagen, Sätze, Statements und nicht um konkrete Handlungen gehe. Mag alles sein. Mag auch sein, dass meine Art zu bloggen eben ein Ansatz sei, einer unter vielen… Mag sein.

Komisch dennoch, dass ich da so naiv war und den meisten Blogs bisher 100% geglaubt habe. Ich hielt die Zoten und Anekdoten alle für wahr, ja, ich unterstrich bisweilen sogar, dass es wahr sein müsse, weil es in einem Blog stand und eben nicht in der Presse. Komisch gell, 36 Jahr und naiv wie ein kleiner Junge, der noch an die Zahnfee glaubt.

Ich glaube, ich habe gerade meine Unschuld in der Blogosphere verloren.