Fussball WM 2006 – Zwischenfazit

Argentinien - Niederlande (Viertelfinalist - Achtelfinalist) - Bild: Eigene Herstellung

Achtelfinale ist gespielt, die Viertelfinals stehen an und wir sind noch dabei … die Meldung wäre ne Sensation gewesen noch vor 2 Jahren, nach den gezeigten Leistungen grinsen wir aber heute und sagen lässig: na klar!

Aber mal im Ernst. Bei der WM bisher gab es drei Erkenntnisse:
1. Deutschland ist ein geiler Gastgeber (trotz FIFA)
2. Der gespielte Fussball ist extrem wechselhaft und vor allem meist unterirdisch
3. Deutschland spielt herausragend guten Fussball

Das muss man erst mal setzen lassen….

Als ich mit René beim Vorrunden-Spiel zwischen Argentinien und den Niederlanden so gen SkyArena in Frankfurt pilgerte gab es doch so ein paar Eindrücke, die zwar eigentlich gar nicht überraschend waren uns aber zur Erkenntnis No. 1 führen: Es war einfach klasse zwischen deutschen, niederländischen und argentinischen Fans zu sein – ohne Angst und mit Feierlaune aller Orten. Sogar die Polizisten ließen sich von Fans den Arm halb trunken um die Schultern legen und nach dem Weg fragen. Alles erste Sahne, bis auf den offiziellen Teil, der aber Gott sei Dank von der Feierlaune übertüncht wurde. Da waren zum einen die sterilen FIFA-Fan-Shops, die die Anmutung eines McDonalds-Standes in der Wüste hatten, dann die kasernierten Fan-Zonen mit schwarz-weiß-gekleideten und schmierig gegeelten Einlassern, deren wichtigstes Anliegen es war, Getränke in Taschen ausfindig zu machen und zu elimieren, damit innerhalb der „Fan-Zone“ der Rubel rollte. Und dann dieses Pseudo-Party-DJ-Gefickere, das derat aufgesetzt wirkte und es einem Wunder glich, dass trotzdem gute Laune herrschte. Ein schönes Beispiel dazu: Eine kleine holländische Blaskapelle versuchte 10 Meter vor uns vergeblich gegen die „Hits“ der Beach Boys anzutrompeten, was beim veranschlagten Dezibel-Party-Level unmöglich war. Ich denke, sie werden Fan-Kultur einfach nie kapieren … oder es ist ihnen einfach nicht planbar genug.

Zurück auf den Platz.

Da spielen nun in den Viertelfinals
Die-deutsch-polnischen-All-Stars : Bitte-nicht-hoch-spielen-Argentinien
Ich-lass-mich-immer-fallen-Italien : Ach-in-die-andere-Hälfte-darf-man-auch-Ukraine
Mutter-Rumpel-Fussball-England : Der-Rest-von-Portugal
Joga-Bonito-ist-überbewertet-Brasilien : Alt-Herren-Frankreich

Australien wurde rausgeworfen, aber sicher nicht durch Italien (es sei denn der Arm war lang genug…). Dabei hat das Guus Hiddink mal wieder geschafft aus einer durchschnittliche Truppe ein Team zu formen – das schaffen nur ganz wenige, Rehhagel ist so einer, Daum, und – vielleicht – auch Klinsmann, aber einmal ist leicht, die anderen haben das auch mit Köln oder Kaiserslautern oder Süd-Korea geschafft.

Angeblich gab es – in Anbetracht der bescheidenen Leistungen zwischen Brasilien und Ghana – heute in Dortmund erste Deutschland-Sprechchöre. Weniger aus Patriotismus, denn aus Sehnsucht nach attraktiven Spiel. Und ich weiß was sie meinen.
Kein Team hat über alle Spiele bisher so emotionalen, frischen Fussball geboten. Highlights einzelner Spiele oder einzelner Spieler sind da natürlich ausgenommen, wie die Leistungen Tschechiens vor dem Ausscheiden. Oder zwei der vier Spiele Argentiniens.

Wer wird denn nun Weltmeister?
Bis auf Ukraine und Portugal sind also die alten Protagonisten wieder mal unter sich. England, Frankreich und Italien waren bisher erschreckend schlecht, sind wir doch mal ehrlich. Das war doch nicht zum ansehen. Und Brasilien? Die lebten nur von ein paar genialen Momenten und schlechtem Abwehrverhalten der Gegner, aber sind selbst brutal anfällig in der Defensive.
Italien wird es wohl schaffen, einen Elfmeter gegen die Ukraine rauszuholen, und das reicht auch, und England schlägt die Rest-Elf von Portugal. Bleiben also die beiden anderen Begegnungen.
Ich denke, wir können Argentinien schlagen, aber das wird ein Meisterstück. Ich denke Pekerman und Klinsmann schätzen sich gegenseitig am meisten und sind die Protagonisten im Team-Building. Im direkten Vergleich halte ich aber Klose derzeit für den Match-Winner und Riquelme den tragischen Helden, der von einem Ballack egalisiert wird, wie einst Maradonna von Matthäus.
Vollkommen offen finde ich Frankreich-Brasilien, denn da schwingt viel Respekt vor den Franzosen mit und viel viel Pathos liegt in der Luft. Hoffen wir auf Brasilien, denn das wäre dann unser Endspiel.

Das Ergebnis meiner Umfrage hier im Blog (16.5. bis 28.5. – also bis einschließlich Achtelfinale) sah Deutschland klar vorne:

– Argentinien 8%
– Brasilien 17%
– Deutschland 39%
– England 5%
– Frankreich 1%
– Italien 4%
– Niederlande 3%
– andere Mannschaft 9%
– total egal 13%

Stimmen gesamt: 146

Genug der Analyse … mögen die Spiele bald weitergehen!

Aber – unter uns – ein Bundesliga-Wochenende mit dem Club belastet mich mehr als die WM. Bisher.