Das Bloggen ist tot, es lebe das Bloggen

Es war einmal ein Zitat, das sprach einer aus, den manche gut kannten, nur so vom lesen her, manche aber auch nicht – aber das war auch egal, so wie es meistens egal ist für die meisten Leser, was denn der Blogger da wirklich ist und tut. Wenn denn die Schreibe gefällt und man ab und an mal draufhauen oder ablachen kann. Nun sagte der Mann, dass er gern Blogger sei, und das sagte er, obwohl er sich eigentlich sonst gar nichts gern irgendwas zuordnen ließ. Das fand ich gut damals, richtig gut. Und ich baute mir einen Button und machte mir einen Schlitz ins Kleid reservierte mir die Domain www.ich-bin-blogger.de und fand es wundervoll.

Nun sagt eben der, den ich damals zitierte – ausgerechnet der (sic!!) – dass er nun eben kein Blogger mehr sei, sondern eben irgendwie wieder Homepage-Bastler und ändern tut sich deswegen auch nichts.

Sorry, so langsam wird mir das ganze einfach zu sophisticated. Und damit zurück zur Ernsthaftigkeit.

Also die Domain www.ich-bin-blogger.de hab ich damit gleich freigegeben, wer darauf verlinkt hat, bitte gleich die Verlinkung löschen, weil sich die Domain in weniger als 24 Stunden ein anderer gekrallt hat (der aber nichts besseres zu tun hat, als ne Linksammlung drauf zu stellen … so ist eben die Welt).

Aber mal unter uns: Die Tendenz ist ja klar. Da fangen alle möglichen Leute Blogs an und manche machen das richtig gut und geben sich ein Thema. Das ist löblich, ändert aber oft nichts am Ergebnis. Und das Ergebnis ist: Blogs schreiben meist über Blogs, über Bloggen und was andere Blogger bloggen. Kürzlich hat mir einer an Kopf geworfen: Bloggersdorf wäre doch doof, da es so viele gäbe, die immer nur zitieren würden was wo anders steht. Dieses bloggersdorferisch-selbstreferentielle Verhalten kann man noch nicht mal richtig zurückweisen. Dazu eben der Fakt, dass Blogger gern übers bloggen schreiben und was man wie tun muss, um ein rechter Kerl Blogger zu sein oder zu werden oder warum man ein gewester Blogger ist, wenn man nicht mehr bloggt, wie es des Bloggens würdig ist. Stimmt auch, mach ich auch, alles klar.

Und auch kein Wunder.

Weil (Grund 1) die Währung in Bloggersdorf ja die gegenseitigen Links sind! Ob Blogscout-Counter oder die Deutschen Blogcharts: Wichtig ist nur, wer Links aus Bloggersdorf sein eigen nennt. Google-Hits … BUUUH … das ist ja Laufkundschaft. Und Links aus anderen Sphären werden ja gar nicht erfasst. Und (Grund 2) weil wir natürlich alle irgendwie Hits-verliebt sind. Grund 1 und Grund 2 verführt … schleichend. Man bekommt Response und Aufmerksamkeit und Links, wenn man über das schreibt, was die meisten Blogger interessiert. Und nun ratet mal, was in Bloggersdorf gemeinsame Schnittmenge des Interesses ist.

Und ich finde das auch ok!

So what? Bin ich bereit zu sagen. Ist doch auch ok so. Aber nun beginnt der doppelte Rittberger des Bloggersdorf. Man gehört einfach nicht mehr dazu, man lehnt sich selbst ab! Großartig. Man schreibt über die Verwerflichkeit der Diskussion der Diskussion. Man grenzt sich ab aus dem, was man selbst als undefiniert heterogen bezeichnet hat mit der Begründung, man presse alles in ein Regelkorsett (auch wenn ix hier zitiert ist, beziehe ich das nun nicht auf ihn und sein Posting allein). Die Frage ist doch nur: Wer? Wer tut denn das und wer fühlt sich angesprochen? Im Falle ix würde ich das mal auf den herben Opel-Gegenwind zurückführen, der doch einige sensible Bahnen getroffen hat (rauhe Schale, weicher Kern?). Jedenfalls kann ich eine Entwicklung eines Regelkorsetts in keiner Form feststellen, im Gegenteil, man versucht doch gerade erst, sich über sich selbst klar zu werden und zu überlegen, ob es denn generell Gemeinsamkeiten gäbe, die einen wenigstens am kleinsten gemeinsamen Nenner verbindet und damit tragfähiger macht.

Wie dem auch sei …

Ich hab die Aktion Ich-bin-Blogger.de gecancelt, war eh kein Kassenschlager. Bleibe aber für mich dabei: »Ich bin Blogger«, weil ich eben blogge, weil ich diese Form der Kommunikation gern praktiziere, weil ich es mag, wie ich es mache, und die, die ich gern lese. Alles andere ist sophisticated Scheiß und ein Statement unnötig wie ein Kropf. Ich mach ja auch kein Schild an mein Auto und sage: Ich fahre gerade kein Auto. Wäre vielleich witzig, aber ist im Grunde schwachsinnig.

Die Sache ist doch die …

… dass wir einfach ruhig mal beobachten und analysieren und diskutieren sollten, wie dieses Kommunikationsmedium ge- und benutzt wird, welchen Einfluß es hat, welche Bedeutung es gewinnt, wie wir uns selbst damit ausdrücken können, wie man versucht es zu manipulieren und zu kommerzialisieren.

Warum?

Weil es einfach eine Chance für uns ist, eine Chance uns selbst auszudrücken und uns eine Stimme zu geben. Uns selbst, aber eben auch einer kollektiven Stimme, die nicht auf Medien-Mainstream ist. Und ganz ehrlich: Ich blogge doch vor allem nicht für euch, sondern für mich – weil ich es gern tue, ja vielleicht sogar, weil ich es irgendwie aus mir heraus tun muss.

Mir doch also egal, was nun gerade hip ist oder nicht. Ich kommuniziere hier, ob man das „bloggen“ nennt oder „raumpastillieren“, das ist mir schnuppe.