Israel in den Medien

An politischen Themen dieses Kalibers verbrennt man sich schnell die Finger, daher mache ich auch in der Regel einen großen Bogen drumherum. Aber das da wurmt mich und nervt mich und verursacht mir Zornesausbrüche vor dem TV und dem Monitor – und als ich das da laß war das Eis gebrochen und ich schreib nun doch ein paar Zeilen dazu. Ist immerhin mein Blog, wen es nicht passt, der soll halt weglesen.

Ich ertrage diese negative Berichterstattung der deutschen Medien in Richtung Israel einfach nicht mehr. Subtil, aber stets tendentiös wird man seit ich denken kann nicht müde, jedes Thema rund um Israel und seine Nachbarn in der Meinungsmache zu lenken. Was in den USA vielleicht umgekehrt passiert (und deswegen nicht besser ist) ist hier offensichtlich common sense. Die Gründe sind mir allerdings schleierhaft und ich will nun ganz sicher jetzt nichts von braunem Gedankengut lesen, das ist vollkommen absurd. Dennoch verstehe ich es nicht.

Die Methoden sind offensichtlich und Beispiele beliebig auffindbar.
Da wird Angela Merkel nach dem G8-Gipfel gefragt, was denn beschlossen wurde (war RTL, wenn ich mich Recht erinnere), und sie sagte (alles aus der Erinnerung) es gäbe drei Stufen „Israelische Gefangenen freilassen, dann muss Hisbollah kriegerische Handlungen einstellen und dann muss Israel Kämpfe einstellen“. Nach dieser Einblendung wendet sich der Ansager zu einem Korrespondenten und fragt: „Das klingt schwierig umzusetzen, vor allem Israel wird kaum bereit sein die Kämpfe einzustellen“. Was für eine sinnverzerrende Aufnahme des Statements von Merkel: Erst das, dann das andere und erst zu guter Letzt sollte Israel handeln – nach dem Korrespondenten klingt das nach simultanen Handlungen.
Aber es geht auch viel subtiler: Erst werden minutenlang dramatische Bilder aus dem Libanon gezeigt, dann kommt noch ein kurzer Abspann mit „ach ja, in Haifa gingen auch ein paar Israelis über den Jordan„. Das war schon vor diesem Krieg so zu beobachten: Erst die dramatischen Bilder aus Palästina, dann noch ein Nachsatz wie „eine Reaktion auf das Selbstmordattentat in…“. Als kritischer Beobachter erkennt man das (womöglich) gezielte Steuern von Bildern und Emotionen. Reihenfolge, Einblendungszeit, Motive (weinende Mütter da, eine abstrakte Unfallsituation dort).
Eine Medienschau von heute (eben rausgefischt): „Israel setzt Libanon-Offensive fort“, „Israel setzt Zwei-Frontenkrieg fort“, „Zaghafte Mahnungen an Israel“, „Libanon will Schäden von Israel ersetzt haben“, „Kritik an Israel und Ruf nach Waffenruhe“ … nur wenige Schlagzeilen, die sich um die Bedrohung Israels drehen und keine einzige, die die Zerstörungen in Israel zum Thema haben. (Diese Presseschau ist nahezu beliebig mit wenigen Ausnahmen wiederholbar).

Man traut sich ja fast schon keine Stellung mehr zu beziehen, und apollon hat Recht, wenn er sagt:
Zeigt man Besorgnis über die Entwicklung im Nahen Osten oder gar Verständnis für die Palästinenser, inklusive Hamas, die Libanesen, inklusive der Hizbollah, gilt man als Weichei, Gutmensch. Jedenfalls als einer, der nun überhaupt keinen Durchblick hat und der vielleicht mit seinem seichten Getue dazu beiträgt, die Existenz Israels zu unterminieren.
Hat man aber gelernt, dass die Israelis in Wahrheit ihr Recht auf Selbstverteidigung ausüben, so wird man als jemand verurteilt, der aus obligater aber natürlich nur oberflächlicher Solidarität mit dem Staat Israel und seiner Bürgerinnen und Bürger einem blanken Opportunismus frönt.

Apollon, der mir teilweise aus der Seele schreibt, bringt es auch zum Punkt, einem Punkt, der bei jedem anderen Staat sicher Verständnis hervorrufen würde, nur eben nicht bei Israel offensichtlich:
Es waren nicht »nur« mehrere israelische Soldaten getötet und zwei weitere entführt worden, sondern es gab bereits seit langer Zeit ständige Raketenangriffe der Hisbollah auf nordisraelisches Territorium. Viele Menschen auf israelischer Seite mussten die Nächte in Bunkern oder Kellern verbringen. Wie lange kann eine Regierung eine solche Situation wohl tatenlos anschauen? …
Ein normaler Mensch kann doch eigentlich nur am Verstand derjenigen Zweifeln, die sich dagegen nicht wehren würden.
Aber nein. Ein Verständnis für das israelische Vorgehen ist auch in Deutschland wohl eher stark unterrepräsentiert. Die armen Palästinenser, die armen Libanesen.

Im Übrigen gilt heute mehr denn je: Israel kann sich nicht leisten, auch nur einen einzigen Krieg zu verlieren. Das bedeutet, dass der Regierung und dem Militär eigentlich gar nichts anderes übrig bleibt, als radikal und umfassend gegen die Feinde Israels vorzugehen. Hätte Israel auf die Völkergemeinschaft gewartet, so wäre erfahrungsgemäß nichts besser aber auf lange Sicht vieles schlechter geworden. Israel kann exakt einen Krieg verlieren. Danach gäbe es den Staat Israel nicht mehr. Gibt es irgendein anderes Land, bei dem man diesbezüglich ebenso sicher sein könnte?

Den ganzen Artikel lies hier: Unbestimmt

Ich selbst habe im Übrigen meine größten Probleme mit Gewaltanwendung und Krieg im Besonderen. Ich bin sogar vollkommen ratlos, wie ein Konflikt überhaupt gelöst werden kann, bei dem bereits so viel Blut geflossen ist und bei dem vor allem eine Seite nur ein Ziel kennt und das auch so formuliert: Die Vernichtung/Vertreibung der anderen Seite. – Wie soll man auf dieser Basis zusammen leben? Und bitte nun keine Frage des „wer war denn zuerst da“ – bleiben wir bitte am Status Quo: Es sind nun eben beide da.

Ich bin betroffen ob der Opfer, ich bin ratlos ob einer Lösung, aber ich bin auch verärgert und verständnislos über die Medienmanipulation.