Die Ulla, das ist eine

Die Ulla, das ist schon eine.

Ulla war 32, mit 170 nicht klein und nicht groß, hatte schon immer eine ziemlich gute Figur – wofür sie aber auch schon immer einiges tat – und lebte zusammen mit Peter, den sie schon seit Ewigkeiten kannte. Ulla war nie die Frau, der man auf der Straße nachpfeifft, wenn ihr wisst was ich meine, Ulla ist eher unauffällig, was nicht heißt farblos, mag aber auch keinen flippigen oder zu aufdringlichen Kleidungsstil.
Ulla würde man also nicht unbedingt spontan in einem Club ansprechen, was aber auch daran liegt, dass Ulla auch nur in einen Club geht, wenn sie mal was total verrücktes tun will, dann meist mit ihrer Freundin, was aber letztes mal – das war wohl vor zwei Jahren – nur damit endete, dass sich beide furchtbar langweilten und sich nachts bei Ulla dann doch noch einen Klassiker im Video reinzogen, worüber Peter nur den Kopf schüttelte.

Ulla hat studiert, Ökotrophologie, und arbeitet für einen großen deutschen Importeur im Marketing. Ulla gefällt ihre Arbeit, auch wenn es nichts für ewig sein soll. Peter hat übrigens auch studiert, BWL, und arbeitet für ein Finanzunternehmen als Sachbearbeiter. Kein aufregender Job, aber ordentlich bezahlt.

Ulla liebt Peter und Peter liebt Ulla. Sie haben Pläne zusammen, wollen irgendwann heiraten – wenn es passt – und ein Kind, vielleicht zwei. Nur Dienstags oder Donnerstags, alle 4 bis 6 Wochen, wenn es eben passt, poppt Ulla mit Jochen. So zwischen 2 und 4 nachmittags. Das machen sie seit ungefähr 1 oder 2 Jahren, hat sich irgendwie so ergeben, man kannte sich ja schon so lange und dann ist es eben irgendwann mal passiert – irgendwann, irgendwie. War nie Liebe, wird es nie, war auch nie unglaublich toller Sex, aber trotzdem wurde es eine Art Regelmäßigeit. Peter hat keine Ahnung, und um ehrlich zu sein mußten sich Jochen und Ulla nicht einmal große Mühe geben etwas zu verheimlichen, Peter würde Ulla nie mißtrauen.

Dann wurde Ulla schwanger – von Peter, das ist sicher, weil mit Jochen Ulla immer nur mit Verhütung unterwegs war, sagt Jochen. Ulla und Peter sind total happy und haben sich mit der Schwangerschaft gleich verlobt, logisch. Hochzeit soll ein tolles Fest gewesen sein, familiär, aber mit sehr viel Liebe zum Detail. Jochen war auch eingeladen, schließlich ist er ein gemeinsamer Freund, Jochen konnte aber wegen einer blöden beruflichen Terminverschiebung leider dann doch nicht kommen, hat aber was schönes für die Küche vorbeigebracht. Ulla und Peter haben sich dafür herzlich mit einer gedruckten Dankeskarte mit handschriftlicher Anmerkung bedankt.

Kurz nach der Geburt der kleinen Laura haben Ulla und Peter sich ein Reihenendhaus gekauft, die Schwiegereltern von Ulla haben sich nicht knausrig gezeigt und mit 50 Tausend (mal so geschätzt, so genau sagen es beide nicht) ein bisschen Starthilfe geleistet. Mit Jochen war natürlich sofort ‚Schluß’ seit das mit der Schwangerschaft klar war – da gab es keine großen Erklärungen.
Jochen ist heute noch immer eingeladen zu Geburtstagen und so, macht sich aber zuletzt rar – wie Peter erst kürzlich beim Grillen zu Ulla sagte: Was macht eigentlich der Jochen?- Keine Ahnung, vielleicht hat er ne Freundin!? – Na, das kann sein.

Ulla gibt es natürlich nicht, jedenfalls nicht so wie beschrieben, schließlich soll Ulla jetzt hier nicht am Pranger stehen und ich werde ihre Geschichte auch nicht aufdecken, daher soll man sie (oder ihn) gerade eben nicht erkennen.
Dennoch: Ulla, Jochen und Peter gehen mir – seit ich das mitbekommen habe, und das ist schon ne Weile her – nicht aus dem Kopf und ich frag mich bis heute, wie Ulla so ein verlogenes Scheißleben einfach so weiterführen kann.

Nun kann ich es wenigstens ab und an hier nachlesen, vielleicht begreif ich es dann irgendwann mal.