Eine E-Mail ist keine Postkarte

Oder die Antwort auf die Frage: Wann darf man eine fremde E-Mail in seinem Blog/auf seiner Website veröffentlichen?

»Eine E-Mail ist keine Postkarte« – so könnte man den fast schon spektakulären Tenor des Landgericht Köln in der zitierten Entscheidung zusammenfassen. Ein Urteil, das vor allem die Eingangs-Frage zu klären hatte.
Das LG Köln ging davon aus, dass es sich bei einer Veröffentlichung „um einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Absenders“ handelt [Quelle]. Und WRS.de titelt daraufhin als Schlußfolgerung: »Fremde E-Mails dürfen nicht veröffentlicht werden«

Das würde jetzt so krass wohl nicht stimmen, aber das Gericht macht zumindest eine gewichtige Interessenabwägung deutlich:

Bei der In­teressenabwägung fällt dabei maßgeblich ins Gewicht, dass die Veröffentlichung von vertraulichen geschäftlichen E-Mails einen schwerwiegenden Eingriff in das Persön­lichkeitsrecht darstellt, der in seiner Wirkung weit schwerer wiegt als die bloße Mittei­lung des Inhalts derselben. Zu berücksichtigen ist ferner das Geheimhaltungsinteresse des Klägers an Angelegenheiten aus seiner geschäftlichen Sphäre.

Man wird sich also zukünftig intensiv damit auseinandersetzen müssen, ob man es wagt eine E-Mail zu veröffentlichen. Dies vor allem dann, wenn der Absender offensichtlich oder ausdrücklich nicht mit einer Veröffentlichung einverstanden ist oder die E-Mail nicht an einen persönlich adressiert war.

Macht alles noch komplizierter, leider. Und Schadensersatz gab es auch noch.

Aber schon interessant, die richterliche Rechtsauffassung. Einerseits kriegt man eines auf den Deckel, wenn etwas an die Öffentlichkeit drang weil man es per E-Mail schickte, weil doch „jeder weiß“, so eine E-Mail ist so offen wie eine Postkarte, aber in Fällen wie diesen tut man dann so, als sei eine E-Mail ein Einschreibebriefchen.

Hallo da draußen 😉 … wie wäre es mit einer einheitlichen Linie?! Und: Wer wird hier eigentlich vor wem geschützt?