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20. September 2006

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Eine subjektive unbrisante Meinung von Alexander am 20. September 2006 14:16

Die Botschaft an die Nation


Ich gehe auf die 40 bin Mitte 30 (…besser…), habe erfolgreich studiert und stehe nun seit einigen Jahren mit beiden Beinen im Beruf. Ich habe zwei Kinder und bin glücklich verheiratet. Da denkt man an Altersvorsorge. Und es wird einem schlecht.

Auch wenn ich über das Thema schon öfter nachdachte, so hat mir doch der Artikel bei finger.zeig.net nochmal so richtig in die Magengrube getreten … weil er es so auf den Punkt bringt.

Wie ist denn der Status Quo? Egal ob du 20, 30 oder 40 Jahre gebuckelt hast und dann – warum auch immer – arbeitslos wirst und keinen Job mehr findest, dann nehmen sie dir alles weg. Alles? Alles. Dein Vermögen wird herangezogen und du musst so ziemlich alles versilbern, was du dir angspart hast. Wenn es schlecht läuft kommen dann die Verwandten und Partner dran. Du wirst herumgeschubst in Ämtern, du wirst deiner Ehre beraubt und kollektiv öffentlich gedemütigt. Du darfst dich als Schmarotzer fühlen und bist irgendwann an dem Punkt, dass du jede Arbeit annehmen musst, auch wenn sie – und das muss auch mal gesagt werden dürfen – eben deutlich unter der gesellschaftlichen Wertschätzung ist, die du dir verdammt noch mal hart erarbeitet hast (hattest). Du stehst in einer Reihe mit allen anderen, egal welche Mühen und Leistungen in den Lebensläufen stehen. Hochgearbeitet, runtergefallen. Und wenn es ganz schlimm kommt, dann musst du dir noch den Vortrag eines Neo-Liberalen anhören, dass du wahrscheinlich selbst schuld warst, denn mit ein wenig Unternehmergeist und guten Willen … (wieso muss ich da eigentlich immer an einen mir bekannten und gestrandeten Anwalt denken, wohl weil er vor seinem Fall auch immer so sprach und sich dann ins Nirgendwo verabschiedete …)

Das blöde (aber treffende) Kindergleichnis von der Ameise und dem Grashüpfer wird auf den Kopf gestellt. Die Ameise, die redlich sparte und sammelte für den Winter und der lebensfrohe und sorglose Grashüpfer, der im Winter die bittere Ernte seiner laxen Lebensweise einfuhr. Verschwenderisch gelebt und am Ende eben die Rechnung. – Und das war lange das Leitbild unserer Gesellschaft. Wer arbeitet und redlich ist, wer vorsorgt und baut und sammelt, der wird seinen Lebensabend genießen können.

Die Zeiten haben sich geändert.

Die Botschaft an die Nation ist denkbar einfach: Haut auf den Kopf was ihr habt, schwelgt, lebt, verschuldet euch, gönnt euch alles, verwehrt euch nichts – solange ihr könnt. Denn wer das nicht tut ist vielleicht bald der Dumme. Lieber das Leben genossen als gespart und sich dann solange alles abnehmen lassen, bis man auf das gleiche Niveau gebombt wurde, wie der, der sich einen Scheiß darum gekümmert hatte, was später kommt, und mit vollen Händen ausgab. – Sorry, aber das Risiko irgendwann der Depp zu sein ist einfach zu groß in unserer heutigen Welt.
Es sei denn man schafft es, seine Vermögenswerte in Sicherheit zu bringen, doch dazu muss man a) sehr clever, b) genug Geld für einen guten Berater haben oder c) sich um Redlichkeit keinen Kopf machen – womit wir irgendwie wieder am Anfang wären.

Sorry, da oben, das ist eine Scheiß-Botschaft.

… aber für die Konjunktur (und damit euren Kopf) sicher förderlich …

Zum Abschluß zitiere auch ich Heiner Geißler, denn das Zitat ist es wert:

Wenn ein 50jähriger oder eine 53jährige arbeitslos wird, dann landen sie, auch wenn sie ihr Leben lang Steuern gezahlt und Kinder großgezogen haben, spätestens nach einem Jahr bei Hartz IV kriegen 345 Euro und müssen fast alles versilbern was sie für ich und ihre Familie erarbeitet haben. Die werden behandelt wie ein 22jährigere Alkoholiker, der noch nie einen Hammer in der Hand gehabt hat. Sie werden einer Lebenssituation ausgesetzt, die einfach unserer Gesellschaft, unserer Verfassung, unserer Ethik unwürdig sind. [Heiner Geißler]

[Ende der Mittagspause]




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Ich glaub, das war's.




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