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Kommentar von rene — 20. September 2006 14:30 —
Sie werden einer Lebenssituation ausgesetzt, die einfach unserer Gesellschaft, unserer Verfassung, unserer Ethik unwürdig sind.
tja, vielleicht entspricht das procedere aber eben genau unserer Gesellschaft, unserer Verfassung und unserer Ethik, womit wir bei der crux wären!
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Kommentar von Alexander | Zielpublikum — 20. September 2006 14:36 —
René … Noch sind wir nicht soweit, dass wir das kampflos aufgeben werden. Noch nicht…
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Kommentar von rene — 20. September 2006 14:58 —
Das weckt den Che in mir
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Kommentar von Alpha-Hasi — 20. September 2006 16:05 —
Zwei Dinge:
“Du stehst in einer Reihe mit allen anderen, egal welche Mühen und Leistungen in den Lebensläufen stehen.”
Da klingt jetzt mit, dass der “22jährige Alkoholiker” (hört! hört!) aber auch nichts anderes verdient hat. Also ist man mit 25 doch selbst schuld, wenn man arbeitslos wird und strengt sich nur nicht genug an? Ist es ok, wenn man mit Mitte zwanzig nicht genug Geld hat bzw. bekommt, um an dieser Gesellschaft teilhaben zu können?
Ersparnisse aufbrauchen zu müssen, ist hart und sicher nicht fair, zumal man vorher gesagt bekommt, dass man sich selbst die Rente zurücklegen soll. Aber nur weil jemand gar nicht erst die Möglichkeit hatte, Dinge zu ersparen (und vielleicht auch schon Vierzig ist), weil er z.B. einer “nicht-so-angesehenen-Tätigkeit” nachging, macht ihn das nicht zum schlechteren Menschen (den man weniger fördern müsste als den anderen).
“…bist irgendwann an dem Punkt, dass du jede Arbeit annehmen musst, auch wenn sie – und das muss auch mal gesagt werden dürfen – eben deutlich unter der gesellschaftlichen Wertschätzung ist, die du dir verdammt noch mal hart erarbeitet hast”
Ich finde es überheblich, genau diese propagierte Differenz zu fordern. Es ist niemand ein niedrig wertiger Mensch, weil er die Straße kehrt, oder im Kindergarten auf Kinder aufpasst! Es gibt viele Jobs (Spargelstechen, Pflege, Malern …) die sogar ziemlich schwer sind, aber trotzdem zugeordnet und nicht bezahlt werden, weil sie als “niedere” Arbeit gelten. Es sollte nicht diskutiert werden, wem eine solche Arbeit “gesellschaftlich” zugemutet werden kann und wer “was Besseres” ist, sondern darüber, dass auch jene Arbeit gerecht bezahlt wird und nicht die Lohndifferenz zwischen Angestellter am Schreibtisch und Putzkraft davor weiterhin so kolossal wächst.
Dabei ist klar, dass nicht jeder jeden Job machen kann (und damit meine ich nicht nur “Oberschichtenjobs”, die Kontakte und Bildung erfordern). Wenn ich einen bestimmten Job machen will (zumindest eine Richtung), dann deswegen, weil ich das gut kann, weil ich das gelernt habe, mir das auch Spaß macht und meine Arbeit eben auch zu meinem Leben gehört. In einer so reichen Gesellschaft, darf es nicht sein, dass einzelne komplett auf ihre Selbstbestimmung verzichten müssen (damit meine ich nicht ein Recht auf “Traumjob”!). Ich kenne auch Leute, die z.B. gerne Putzen, die aber genau diese Arbeit nicht machen wollen, weil sie eben kaum bezahlt wird. Wenn die Arbeit gerecht entlohnt wird, finden sich auch Arbeiter (ich kann mich nicht erinnern, jemals gehört zu haben, dass VW oder Wiener Feinbäcker Schwierigkeiten hätten, ihre Fließbänder zu besetzen).
Das Rausrutschen aus einer Gesellschaft, kann ich kritisieren (erlebe ich auch), aber nicht auf Kosten anderer, indem ich mich über sie stelle (“mir dürfte doch sowas nicht passieren”). Das System wäre nicht besser, nur weil ich meinen Status behalte und die anderen nach wie vor keine Möglichkeit haben, zu mir “auf”zuschließen.
Der in den Kommentaren scherzhaft angesprochene Kampf soll also einer sein, der die Politik nicht ändert, aber diese eben nur auf die anderen anwendet? Genau *dieser* Kampf ist der Grund, warum es Scheibchenweise immer weiter bergab geht mit allem sozialen. Es geht immer nur um die eigene Haut, trifft es den anderen, ist mir das egal. Danke. Danke, nein.
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Die Ameise hat die Grille übrigens im Winter bei sich einziehen lassen, weil sie diese Stille und Langweile nicht ertragen konnte und die Grille so wunderbare Musik gemacht hat…
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Kommentar von Alexander | Zielpublikum — 20. September 2006 16:37 —
@Alpha-Hasi … gleich vorweg der wichtige Einschub: Das Beispiel mit dem “22jährigen Alkoholiker” stammt vom Geißler, nicht von mir. Ich wußte schon, warum ich ausdrücklich keine Beispiele nenne.
Wichtig bei der Unterscheidung ist schon, dass die Wertschätzung nicht ob der Person oder Herkunft willen, sondern ob seiner Leistung von mir gezogen wird. Ich finde es durchaus erstrebenswert (bleibende) Anerkennung und Respekt durch mein Schaffen zu erlangen. Das ist doch auch eine Art Leistungsanreiz, oder nicht? Und wenn jemand sich durchgebuckelt hat um seinen Meister oder Facharbeiter zu machen, dann sollte sich das auch gelohnt haben für ihn und diesen Respekt schuldet ihn auch der Staat! .. Da geht es nicht nur um die Oberschichten-Jobs, das geht durch alle Bereiche.
Interessantes Feedback allemal.
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Kommentar von Alpha-Hasi — 20. September 2006 18:00 —
Danke ;o) Ich hab ja immer noch keinen Blog und muss mich dann immer in den Kommentaren anderer ausschreiben…
Aber zu Sache:
Das kann ich nachvollziehen und dem stimme ich auch zu. Aber das ist nicht die Aussage Deines Artikels, und erst Recht nicht die des Geißler-Zitates (das Du “wert” befindest, was die Distanzierung im Kommentar merkwürdig macht).
Auf einer persönlichen Ebene sind mir Menschen, bei denen ich merke, dass sie was gemacht haben aus ihrem Leben (egal ob arbeitsmäßig oder privat), wesentlich sympatischer als Leute, die sich nur duchschleppen lassen. Aber wie soll das gemessen werden? Es gibt massenhaft Menschen, die auf eine tolle Karriere verweisen können, ohne dass sie dafür mehr getan haben, als Papi hinterherzulaufen. Andere haben etliches unternommen, viel gelernt und anderen beigebracht, haben sich engagiert und sind trotzdem nichts “geworden”. (Beides gilt auch für alle Bereiche.) Ich finde keinen Weg, aus einem beruflichen Status (so wie Gesellschaft heute eingeteilt wird) eine “respektable” Leistung abzulesen – eine Ausnahme bildet vielleicht noch das “Handwerk”, wo man nicht einfach nur mitschwimmen kann. Und auch das Vermögen sagt kaum etwas über “Lebens-Leistung” aus.
Dein Text oben übernimmt einfach die “neoliberale” (plattes Schimpfwort) Sicht und vor allem deren Einteilung der Gesellschaft und daraus abgeleiteten Forderungen. Sprich: wer hat, dem wird geholfen (sollte geholfen werden).
HartzIV ist für *alle* ein Problem, nicht nur für die, die erst durch HartzIV bemerken, dass es auch in dieser Gesellschaft ein “Unten” gibt, mit dem sie sich bislang wenig abgegeben haben.
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Kommentar von Alpha-Hasi — 20. September 2006 18:02 —
Vielleicht sollte man Fleiß-Bienchen verteilen? Oder Sozial-Bienchen für jede Oma, die man über die Straße bugsiert hat… oder so. Ich überlege noch…
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Kommentar von Alexander | Zielpublikum — 20. September 2006 18:14 —
Also neoliberal sollte mein Artikel nun gerade nicht klingen. Da muss ich heute Abend noch mal in medias res mit!! Wobei …
Zugegebenermaßen ist dieses Leistungsprinzip da eine markante Schnittmenge, die ich mit neoliberal teile. Ja, ich finde, dass sich Leistung lohnen soll. Wie das gemessen werden soll – “gerecht gemessen” – ist vollkommen zu Recht in Frage zu stellen. Ich kenn das ja aus meinem Bereich: Der eine kriegt eben den Repetitor mit Wohnung und Auto zum Studienstart gestellt und zum Examen die eingerichtete Kanzlei als Bonbon, der andere robbt durchs Studium mit kleinen Jobs und dient dann sich hoch, wenn überhaupt. Ungerecht? Ja.
Aber noch ungerechter, wenn der, der den harten Weg ging irgendwann mal all dessen verlustig wird, was er sich erkämpft hat. Das kann und darf nicht sein, dass der erst – wie ich schrieb – selbst abgeben muss bis er blank ist und dann sich in die Reihe anstellt.
Fleiß-Bienchen … grins … auch die müßten dann ja gerecht vergeben werden … in unserem Staat würde das ca. 4800 Seiten Regelwerk bedeuten (und das nur für die Grundsätze).
Aber bitte nicht die “oben” und “unten” Diskussion, es geht nicht um oben oder unten, es geht um Bestandswahrung. Und wenn jemand – in dem Sinne – von oben nach unten durchgereicht wird, hat er effektiv mehr verloren als der, der vorher schon nichts hatte. Das ist der Punkt. Das ist auch eine Sichtweise von Gerechtigkeit.
Einen ähnlichen Ansatz muss man auch beim Elterngeld zuletzt verdauen. Erst dachte ich auch: Hey, wie ungerecht, warum kriegt der/die mehr, nur weil sie vorher mehr verdient haben. Aber wenn ich länger drüber nachdenke, dann macht das schon Sinn.
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Trackback von Kuroi Tenshi's darkness — 20. September 2006 22:09 —
Wenn die Gesellschaft dich nicht mehr will…
Dass Hartz IV das schlimmste ist, was einem passieren kann, wird wohl keinem neu sein. Wirklich schlimm ist eher, dass in Deutschland der soziale Gedanke inzwischen komplett für die Tonne ist. Sowas gibt es hier nicht mehr. Nur die Verpackung ist noch…
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Kommentar von Spork — 21. September 2006 11:56 —
Für akzeptable Gegenvorschläge ist sicher jeder dankbar. Hartz IV verspricht eine Grundsicherung, Miete, Krankenversicherung und ein bisschen Kohle, das leisten sich nur noch ganz wenige Länder auf der Welt. Was willst Du mehr? Und wenn man in der Scheiße sitzt, muss man tatsächlich sehen, wie man da selbst wieder raus kommt. Freunde und Familie, also ein selbst geknüpftes soziales Netz, sind dann natürlich sehr hilfreich. Sich vom Staat bemuttern zu lassen, sich über fehlende Arbeitsplätze bzw. derern Verlagerung ins Ausland zu beschweren aber gleichzeitig der “Geiz ist geil”-Mentalität frönen, so läufts hier. Man könnte jetzt so viele Beispiele nennen, wie schlapp und wehleidig die Menschen dieses Landes geworden sind, aber es sind schon genug Nachtvögel in der griechischen Hauptstadt.
Trifft einen das Schicksal, sei es beruflich oder gesundheitlich, ist es immer elend. Aber das ist auch das Leben. “Nobody loves you when you’re down and out.” Noch nicht einmal mehr Papa Staat.
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Kommentar von Alexander | Zielpublikum — 21. September 2006 12:15 —
Spork … ich habe kein besseres Rezept und ich weiß auch, dass so oder so Ungerechtigkeiten rauskommen und Leute das eine oder das andere ausnutzen.
Mir geht es aber im Schwerpunkt um die Botschaft des aktuellen Systems Hartz IV, und die ist, wie ich sie formulierte: Spare nichts, es wird dir weggenommen.
Oder wie sagten es die Alt-Rocker:
Live Fast, Die Young…
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Kommentar von Spork — 21. September 2006 12:34 —
Botschaft? Na, ich weiß nicht. Man könnte auch so sagen: “Wir helfen Dir ein Stück, den Rest musst Du selbst schaffen.” Ich finde, man sollte nicht erwarten, dass man eine (persönliche) Krise unbeschadet und ohne Einbußen übersteht. Wenn so eine Krise im Alter kommt und man tatsächlich nicht mehr in der Lage ist, da allein herauszukommen, ich denke, dann wird klar, wo das eigentliche Problem liegt: Einsamkeit und geringer sozialer Zusammenhalt, um die man sich nicht geschert hat, als es gut lief. Es soll früher (ach, komm mir nicht mit früher) sogar mal Familien gegeben haben, mehrere Generationen unter einem Dach und so weiter.
PS: Was ich hier krass finde, sind die hohen Lebenshaltungskosten und der Zwang, in verschiedene Sicherungssystme einzahlen zu müssen, ohne am Ende was herauszubekommen. Da geht die Kohle weg wie nüscht. In diesem Staat kann man nicht mal ein oder zwei Jahre auf Sparflamme fahren.
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Kommentar von Alexander | Zielpublikum — 21. September 2006 12:44 —
ohne am Ende was herauszubekommen
… das sag ich ja … das demotiviert irgendetwas zurückzulegen …
Natürlich müßte auch die Familie mit zusammenhalten und auch selbst muss man Opfer bringen, aber das ist doch nicht der Punkt. Derzeit verlierst du alles, es gibt kaum noch Hartz-IV-sichere Anlageformen. Und deine Familie wird auch jetzt schon einbezogen, keine Sorge, ob sie mag oder nicht.
Außerdem tun wir immer so, als gäbe es genug Arbeit, wenn man sich nur bemühen würde. Das ist einfach falsch. Wir haben nicht genug Arbeit zur Zeit. Punkt.
Und zu den Familien: Da werden wir über jahrzehnte zu entwurzelten Hedonisten erzogen, dann sollen wir wieder auf Familie machen. Sorry, aber so funktioniert das nicht.
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Kommentar von Spork — 21. September 2006 13:31 —
Hedonisten jammern nicht. Sie sparen nicht. Das ist vielleicht das Problem: Das Leben genießen wollen und am Ende nicht bereit sein, mit wehenden Fahnen unterzugehen.
Und das “Es gibt keine Arbeit”-Argument führt zu einer Scheindiskussion. In Berlin gibt oder gab es ein Werk, welches Röhrenfernseher herstellt(e). Mit dem rasanten Aufkommen von Flachbildschirmen war da richtig schnell Pumpe. Es gab Demonstrationen. Das ist der Lauf der Zeit. Keiner kauft aus Solidarität Röhrenfernseher. Als damals Autos aufkamen, wurden die Droschkenkutscher zu Tausenden arbeitslos. Die Suizidrate stieg drastisch, die hatten noch nicht mal Hartz IV. Von 1929 will ich gar nicht reden. Die hatten echt Probleme, Mann!
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Kommentar von Alexander | Zielpublikum — 21. September 2006 14:30 —
Hedonisten sind die ersten, die jammern…
Aber also nun zu den Droschkenkutscher: Die haben aber auch nicht ihre Existenz auf eine politische Lüge aufgebaut… ich sag nur: die Renten sind sischer … und die zahlen auch nicht einen riesen Batzen ihres Einkommens für die Lügen von gestern … von morgen redet doch eh keiner mehr …
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Pingback von Offener Brief an meinen Sohn « Monika’s Gedanken — 5. Januar 2008 21:30 —
[...] habe schon meine Lebensversicherung, die die Papa damals für mich machte, verkaufen müssen, weil das so ist haben die mir am Amt gesagt. Die reicht jetzt noch für drei Monate, dann muss ich in das andere [...]
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Pingback von Vier Forderungen - Nerdcore — 4. Februar 2008 20:45 —
[...] [Nachtrag] Dazu passend das Gegenteil und derzeitige Szenario! [...]