Was will Google mit YouTube?

Ein Kommentar von Alexander Endl

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was Google da eigentlich macht? Google kauft ein, neueste Erwerbung ist YouTube.com für – nach Medienangaben – 1,65 Milliarden US-Dollar, ist ja nicht das erste und sicher nicht das letzte im Google Einkaufskorb. Und alles was Google erwarb schenkte es quasi freigiebig der Masse oder sicherte zumindest den Status der Kostenfreiheit (soweit dem Verfasser bekannt). Kommt irgendwann der ROI, der Return on Invest, durch die Einführung eines Gebührenmodells für Google Analytics, You Tube, Google Office, Gmail und Co.? Oder kommt die große Google flat, die Mitgliedschaft, die alles vereint und die dann kostet? Also die Google Zone?
Womöglich letzteres, aber ersteres halte ich in jedem Fall zumindest für unwahrscheinlich – im Gegenteil!

Wer Googles Geschäftgebahren vom ersten Tag an verfolgt hat, der kam nicht umhin sich die Frage nach dem Zweck und Ziel zu stellen. Von Anfang an befreit von großer Vermarktungsoffensive zog die Google Suchmaschine ihre Kreise durchs Netz und ist heute – nach allen Zahlen die dem Verfasser bekannt sind – derart marktbeherrschend, dass man sich umgekehrt nun wieder fragt, was denn die anderen überhaupt noch tun? Wer klickt die denn noch an? Wer sichert ihr finanzielles Überleben?

Zur Frage der Finanzierung Googles gaben die textbasierten Werbeeinblendungen zwischenzeitlich wenigstens eine erste Antwort, aber reicht das, um eine Deal wie den mit YouTube auch perspektivisch so locker zu stemmen?

Auf das alles habe ich nur eine für mich plausible Antwort: Google hat längst den wahren Wert dieses Zeitalters erkannt – die totale Informationsmacht.

Meine Prognose: Es folgt nicht das dicke Ende, wie wir das zwischenzeitlich von Preis- und Marktkriegen ja fast gewohnt sind. Erst Markt durch Dumping aufrollen, der Rest der überlebenden Protagonisten leckt seine Wunden, kauft sich gegenseitig auf, teilt den Kuchen und holt sich das zurück, was er investiert hat. So nicht hier bei Google, im Gegenteil. Es wird noch mehr passieren. Kostenloses WLAN für alle, kostenloses Office via Browser, kostenlose Anwendungen zum Download, kostenlose Musik und Videos (?). Der Preis: Deine Seele, sprich alles über dich, was man wissen möchte und muß, um dich perfekt zu „betreuen“. Ich sage nun nicht „vermarkten“, das sicher auch.

Interessiert sich Google denn so für mich? Nein, nicht für dich persönlich, aber für dich als Teil einer Zielgruppe. Man stelle sich vor …
Du sitzt abends vor dem TV/Internet und siehst dir einen Film an oder betrachtest eine Website und du bekommst genau die richtige „Verbraucherinformation“ in auch noch genau der richtigen „Dosierung“ serviert. So genau und zielgerichtet, dass es dich im richtigen Maße anspricht, interessiert und auch noch keinesfalls nervt. Mehr eine Form von Anregung, denn eine Bewerbung. Ein Ideenfundus für das was dich interessiert, eine Lösung für dein Problem, eine Alternative zu dem was du gerade tust oder versuchst. In der genau für dich passend abgestimmten Ansprache. Und reden wir jetzt bitte nicht von solchen Kinkerlitzchen wie persönliche Ansprache, wir reden hier von perfekter Abstimmung auf deine Gewohnheiten, Vorlieben, Bedarf, Warhnehmung. Nichts soll dich stören, alles dich informieren und alles dir helfen, nach deinem ganz persönlichen Empfinden.

Woher sie die Daten bekommen? Sie hören einfach zu. Den Rest macht die Maschine. Man wird gar nicht glauben wie viel man von jemanden erfährt, wenn man nur über seine Schultern sieht, seine Lieblingswebsites kennt, den Chat mitliest, die E-Mails studiert, die Kontakte auswertet, das Einkaufsverhalten beobachtet, die Verweildauern, die eigenen Kommentare einbezieht, die Filme kennt und die Musik die jemand mag, vielleicht sogar ein Telefonat auswertet, die Bilder und Videos inhaltlich automatisiert verstehen lernt, die der Nutzer selbst uploaded, zum Entwickeln bringt, online stellt.

Sind wir doch mal ehrlich: Das klingt doch gar nicht so schlecht! Keine Werbung mehr, nur noch passende Informationen. Nicht störend, immer so, dass ich es tolerieren oder sogar gut heißen mag. Der Preis? Nichts! Im Gegenteil, dafür gibt es sogar alles noch kostenlos oben drauf, was das Herz begehrt. Vielleicht sogar noch Nachlässe auf die Preise der Produkte.

Man muss zugeben, es gibt schlechtere Verkaufsargumente mit denen sich Außendienstmitarbeiter ihr Lohn und Brot verdienen müssen. Also alles im grünen Bereich? Im Prinzip ja. Wenn nicht …

Informationen sind eine Macht, nicht nur ob der Verwertbarkeit. Sie sind eine Macht auch über den, den sie betreffen. Menschen haben Geheimnisse, kleinere oder größere, und das beginnt damit, dass irgendjemand weiß, ob einer gerade nach einem neuen Job sucht – und sei es nur über den Zusammenhang, dass er eine Wohnung in einer anderen Stadt recherchiert. Und was noch fehlt an Information, das wird über die Semantik erschlossen. Wen würde ich so viel über mich preis geben? Was passiert wenn die Daten gehackt werden, was wenn sie an einen Dritten mitsamt des Unternehmens übergehen? Wenn eine Regierung im In- oder Ausland Anspruch darauf erhebt.
Kann ich aussteigen? Wechseln? Kann ich mich dann generell noch dem Entziehen? Ja … Kann überhaupt noch mitspielen in diesem System wer sich dem verweigert?

Wir werden die Antworten in naher Zukunft wohl selbst erhalten.

[Mittagspause Ende]

Nachtrag: Nun stellt auch der Werbeblogger solche Fragen…
und hier weiß man was zum Thema Google und TV
und hier hat man sogar Verständnis für die »Old School Medienschaffenden, die mit letzter Kraft versuchen ihre Felle zu retten.«