PR und Marketing suchen den Kontakt zu Weblogs

… doch die sind schneller.

Jedenfalls müssen aktuell Edelman & Co. – wohl stellvertretend für eine ganze Branche – ordentlich Prügel einstecken für eine vielleicht etwas vorschnell publizierte Studie aus der Zusammenarbeit mit Technorati – wie ja bereits berichtet.
Doch Edelman hat nicht nur das Problemchen mit der Studie in Deutschland am Hals, es kommt noch – äußerst ungerufen, wenn auch offiziell noch nicht bestätigt – eine Wal-Mart-Fake-Blogger-Geschichte dazu, die in den USA bereits heftig Wellen schlägt.

Dazu mehr:
Das Edelman Drama III: Alte PR aus neuen Schläuchen? (Werbeblogger)
Edelman im Visier der Blogger (Basic Thinking)

Mit T-Mobile und Hustle the sluff durfte ich vor kurzem ja Berührungsversuche des Marketing mit Bloggern selbst einmal erleben, und die Versuche einiger PR-Agenturen (soweit sie nicht noch generell jeden Kontakt ablehnen) kann man am Beispiel Edelman ja gut verfolgen in den letzten Monaten.

Was sollen wir also mit euch tun?

Nachsicht üben, die zarten Pflänzlein derer nicht zerstören, die es wenigstens versuchen sich anzunähern und neue Wege zu gehen? Sollen wir Blogger milde walten lassen, auch wenn eine Edelman-Tischrunde zur Werbeveranstaltung für Technorati mutiert?
Im Falle von T-Mobile gelang es wohl durch Zurückhaltung in der eigenen Präsenz (sicher auf heftiges Anraten der betreuenden Agentur) die bereits aufkommende Kritik noch im Zaum zu halten. Sicher begünstigt auch durch die wohlwollenden anwesenden Blogger, die sich im Wesentlichen mit einem fremdbezahlten Bloggertreff bereits zufrieden gaben und vor allem sich selbst feierten.
Bei Edelman hatte die Studie da aber bereits ein anderes Kaliber als eine VM-Maßnahme, denn mit dieser A- und B-Blogger-Diskussion werden in Bloggersdorf zunehmend Empfindlichkeiten offenbar. Eine schlecht recherchierte Studie kam da gerade so richtig ungelegen und wenn dann noch Technorati sich zu sehr präsentiert und eingeladene Blogger augenscheinlich nur zu netter Deko (mindestens in der ersten Stunde) platziert werden, braucht man sich eigentlich nicht zu wundern.
Dass nun auch noch die Wal-Mart-Geschichte hier über den Teich schwappt, könnte – auch wenn Robert das Wort Skandal nicht in den Mund nehmen will – durchaus kritische Dimensionen annehmen (mit Nachhaltigkeitsgarantie). Denn wer sich auf Schmusekurs nähert und dann ans Eingemachte (und Glaubwürdigkeit gehört dazu) geht, der könnte verbrannte Erde hinterlassen.

Also keine Nachsicht meinerseits, denn ich glaube schon mal nicht an die heeren Ziele oder edlen Motive.
Ich glaube, dass man nur nach dem Schlüssel sucht, nach dem einen Schlüssel zu dem großen Markt, den Zugang zu dieser Mouth-2-Mouth-Maschine. Doch da zitiere ich gerne den Don: Das “Wir” gibt es gar nicht. Und wo es kein “Wir” gibt, gibt es auch keine Einheitslösungen. Ihr werdet suchen und werdet Millionen von ständig mutierenden Schlüsseln finden. Der Ansatz (sic!) ist bereits der Beginn der Irrfahrt.

Und wenn das Agenturblog zu Recht einwirft
»Der weiße Elefant steht bereits im Raum – auch wenn sich Kommunikatoren und Management die Augen noch so fest zu halten – er wird den Raum nicht mehr verlassen: Kommunikation über Unternehmen findet statt im Web«, dann kommt man zum Schluß, dass wir doch gar keine Notwendigkeiten haben uns milde zu zeigen. Im Gegenteil!
Wir haben nichts zu verlieren, wir sind das Objekt der Begierde! Wer uns verpasst, wird um seinen Job Angst haben müssen. So sieht es aus. Und wir haben ein langes Tal der Leiden hinter uns…

‘Zuhören statt zutexten’ (das war wohl mal so ein Spruch hier aus der Firma, aber ich mag mich irren), aber das trifft es ins Mark. Statt ein paar A-Blogger zu trappieren, die – wie will man es verübeln – wieder einmal die Sachen mit Jamba, Tokio-Hotel, Grup Tekkan etc. pp. heranziehen, Einzelfälle mit bisweilen großer Wirkung, keine Frage, aber doch nicht der Alltag der Blogger, sollte man in den Dialog mit dem Fußvolk gehen! Denn die Blogger, die ihr sucht, sind gerade die, die ihr nicht findet, weil sie keinen Hit hatten und eben klein durch die Gegend dümpeln. Ja vielleicht auch gar nicht wissen was ein Ping ist und es ihnen vielleicht auch einfach egal ist. – Und wenn man meint, durch das Verstehen (und dann Erobern) der A-Blogs den Rest kontrollieren zu können, ist das Thema vollkommen verkannt.

Ich will die verehrte Blogger-Prominenz nicht von den Tischen vertreiben, das ist euer Recht, das habt ihr euch verdient. Aber Weltformeln werdet ihr von ihnen keine bekommen, vielleicht ihre Antworten und – und das weiß ich zu schätzen – viele Fragen. Aber den harten Weg werden sie nicht ersparen, und der geht damit los, dass man – statt zu analysieren und über Kämme zu scheren – sich hinsetzt und zu lesen anfängt. Dann zu fragen. Dann zu reden. Und dann sich selbst zu fragen, was bisher bei euch, ihr lieben Unternehmen, falsch gelaufen ist und wie ihr Produkte baut und Unternehmenspolitik macht, die dieser Transparenz stand halten können.

[Mittagspausenblogging Ende]

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Facebook-Kommentare

11 Comments

  • 1
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 15:47 | Permalink

    Doch, es wäre gut, wenn andere an die Tische gingen. Aber erklär mal einem PRoletenn, warum ein Blogger mit 2000er Reichweite schlechter ist als einer mit 20er. Da fällt mir nur ein Argument ein: Die Wahrscheinlichkeit, dass der mit 20 Lesern noch nicht genug Erfahrung hat und sich leichter über den Tisch ziehen lässt, ist grösser. (achtung Zynismus!)

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  • 2
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 16:40 | Permalink

    naja, es muss doch auch die frage gestellt werden, wo die besucherzahlen herkommen…

    ein blog mit 100 stammlesern, die im besten fall auch noch fleissig kommentieren hat eindeutig mehr einfluss als ein blog, das fast nur über google aufgerufen wird.

    aber so ist das bei blogs, man vergleicht (fast) immer äpfel mit birnen und wundert sich dann..

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  • 3
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 16:59 | Permalink

    sorry, george, aber da muss ich widersprechen

    weil es egal ist – Besucherzahlen (das versuch ich ja die ganze Zeit zu sagen) sind vollkommen unerheblich (jedenfalls noch). Es geht darum wer dich liest und ob du da Verteiler bist. Da reichen ein Dutzend einflußreiche Stammleser aus und das macht mehr Wirkung als 1000nde Kiddies, die irgendwas gerade lustig finden oder wegen der Blödeleien vorbeikommen.

    Zudem: Derzeit ist Reichweite noch kein Faktor. Dazu sind die Blogs deutlich zu schwach. In meinem früheren Leben als Webseiten-Mit-Chef wäre ich für Zugriffszahlen der Blogs nicht einmal aufgestanden (etwas übertrieben lässig formuliert)

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  • 4
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 17:15 | Permalink

    1.) Ich habe mir auch mal die vollen 90 Minuten dieses Technorati-Werbevideos angeschaut. Wenn die A-Blogger die Konzerne sind, dann gehöre ich zu dem KMU, die ja laut den Berichten dort wie auch in der Wirtschaft die Masse ausmachen. Schön und gut, dass sie jetzt darauf einen Fokus legen wollen, aber wenn ich in meine Referer schaue, dann taucht dort Technorati nie auf und ist wohl auch bei den Top-Blogs nicht wirklich der Trafficlieferant. Bringen tut mir dieser Dienst derzeit nicht viel.

    2.) Wo ich aber hellhörig wurde, als erklärt wurde, wie Technorati sein Geld verdient. Ein Säule war, dass die Bloginhalte zusammenstellen und dann an Unternehmen zur Verfügung stellen – quasi ein Presseclipping für Blogs. Das ist wirklich eine praktische Einrichtung für Firmen und Anwälte, die gerne abmahnen. Jetzt brauchen sie nicht selbst auf die Suche im Netz zu gehen, wo über sie oder ihr Produkt schlecht geschrieben wird, sondern sie bekommen es gegen einen gewissen Obulus frei Haus geliefert.

    3.) Die Fake-Wal-Mart Geschichte: Vielleicht kann mir das mal einer der Kommunikationsexperten erklären, warum solche Fehler immer noch gemacht werden? Mittlerweile dürfte doch den meisten PR-Agenturen klar sein, dass bei solchen Aktionen der Schuss immer nach Hinten losgeht. Hätten die vorher mit offenen Karten gespielt, dann wäre es eigentlich eine ganz witzige Aktion gewesen.

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  • 5
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 17:54 | Permalink

    Thomas … zu 3.) ist mir ein vollkommenes Rätsel. Einige meinen halt, das geht so wie in der klassischen Kommunikation/Werbung. Einfach für blöd verkaufen und das klappt dann schon irgendwie.

    Hier ist halt blöd, dass die Bloden antworten können.

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  • 6
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 19:14 | Permalink

    hm, also ich sehe in kommentar 3 nicht unbedingt einen widerspruch zu 2, aber gut ;-)

    AntwortenAntworten

  • 7
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 19:14 | Permalink

    Die Sache mit dem Wal-Mart Blog ist eigentlich nicht erklärbar. Und mit jedem Tag Stille verliert man mehr an Glaubwürdigkeit.
    Das Ranking: Nun, klar hat es als PR-Agentur Vorteile, wenn man ein solches Tool hat. Edelman hat schließlich auch die entsprechenden Kunden, um mit den Learnings zu arbeiten. Das Problem bleibt jedoch: Blogger Relations.

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  • 8
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 20:28 | Permalink

    george … also wenn du mit 6 meinst, dass 5 ein Bezug auf 3 wäre, dann hier die Replik, dass hier in 8 sich versucht zu erklären, dass 5 mit dem Verweis auf 3 die 4 meint … genau :-)

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  • 9
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 20:33 | Permalink

    oder meinst du 3 in Bezug auf 3 im Verhältnis zu 2 (mach wie viel im Sinn …) … ergbit … Dreisatz …

    aber ich weiß, du meinst die Sache mit Google und so im Verhältnis zu Lesern aus der Blogwelt – aber auch das halte ich nicht wirklich für ein Abgrenzungskriterium, weil ich – deswegen auch die lange Leitung – zwischen diesen Hits nicht qualifiziere. Warum soll denn ein Google Hit weniger bedeuten als ein Hit von irgendeinem Blog? Es kommt doch auf die Sache an, nicht auf die Art des Weges?!

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  • 10
    16. Oktober 2006 - 16. Oktober 2006 21:14 | Permalink

    in sachen einfluss, finde ich schon, dass ein google-besucher weniger zählt (sorry, liebe google-besucher).

    die blogs, die mich am stärksten beeinflussen, sind die “community blogs”, eben die wo man immer wieder vorbeischaut, wo kräftig diskutiert wird. durch die bindung an das blog, den autor, findet eine beeinflussung dann viel eher statt. auch auf den google-besucher wirkt ein solches blog gleich ganz anders.

    aber narürlich hast du mit deiner aussage recht, es kommt nicht auf die länge an, sonder auf die wellen…

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  • 11
    26. Mai 2007 - 26. Mai 2007 22:16 | Permalink

    es ist so, dass so viele ips wie eben nur möglich auf die seite zu verweisen haben, ob die seiten nun einen extrem hohen oder weniger hohen pr haben, ist relativ nebensächlich. das pr der internetseite hat keinerlei aussagekraft ueber die qualität und über besucher. oder wie läßt es sich sonst erklören, dass bestimmte pr schwache seiten teilweise mit stark frequentierten beriffen sehr weit oeben stehen?

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    Ich glaub, das war's.