Schon wieder so ein Experiment
Langsam lege ich das Klowand-Image ab und werde mich statt dessen “Versuchsmaus des Internets” nennen. Jedenfalls spricht Björn Ognibeni davon, dass Dorten und Frosta ein kommunikatives Experiment im Sinne hatten/hätten, als sie konsequent.de entwickelt haben – natürlich viral. Ohne viral geht heute gar nichts. “Viral” hat sogar das Zeug dazu “ganzheitlich” abzulösen. Aber das braucht noch.
Die Website ist witzig gemacht und den Werksleiter vor Punkrock-Klängen im Comicambiente über Schiffe und irgendwelche Herstellungsprozesse à la “Sendung mit der Maus” zu zeigen, hat was. Das mit dem Experiment halte ich aber für einen – mit Verlaub – totalen Quatsch. Frosta ist sicher nicht zu Unrecht durch ihren konsequenten Blog-Versuch als Unternehmen in der Kommunikation vorne. Doch nun einen Aufruf zu starten, man solle sich hier selbst einbringen und mitmachen, dass man ja auch selbst so punkrockig konsequent im Leben sei und das allen auch beweisen könne, sowas halte ich für – aus dem Jura-Studium-Wissen gekramt – fast einen untauglichen Versuch.
Herr Ahlers führt ja richtigerweise aus: »Oft habe ich ja auch hier im Blog gehört, dass virale Kampagnen eigentlich nicht geplant werden können und meistens scheitern. Das denke ich auch. Insofern ist die Dorten-Idee aber etwas anders.«
Die Worte hör ich wohl … Doch frage ich mich: Was denn genau ist nun hier anders? Sollen die Leute diesmal zufällig auf die Idee kommen und mitmachen? Ist es nicht im Gegenteil gerade so, dass bei dieser – wenn es denn eine sein soll – viralen Kampagne jedes Überraschungsmoment fehlt?
Man soll eben mitmachen und ein bisschen was von sich preis geben (“übrigens ganz besonders gerne, wenn es sich dabei um eine Frau handelt” (Felix Ahlers) …? Und Dorten konkretisierte: Frauen hätten wohl “weniger Drang zur Selbstdarstellung” …!! …!!!). Dafür wird ein klein wenig Ruhm in Aussicht gestellt, das funktioniert ja immer (das weiß doch jeder…), und manche (wer genau?) werden dir Frostas “dann auf eine spannende Art und Weise portraitieren” … Aber “mehr wird an dieser Stelle heute noch nicht verraten” – iss klar, hey wir sind im viralen Marketing … Und ungeplant und spontan.
Man verzeihe meine Polemik hier und da, aber ich halte den Ansatz für ein wenig absurd. Wieso sollen den Menschen da mitmachen? (Und wenn echte Menschen da freiwillig mitmachen, dann wunder ich mich noch mehr.)
Eine offensichtliche Business-Marketing-Seite mit einer zwar assoziativen aber doch etwas an den Haaren herbeigezogenen Story – das klingt mir ein wenig zu naiv. Die Leute bloggen und posten und youtuben ja nicht, weil sie zwanghaft sich selbst darstellen und dafür alles mitnehmen was geht, sie tun das in der Regel in einem sehr definierten virtuellen sozialen Umfeld. Nein, mir fehlt da der Glaube dran.
Die Idee mit den Leuten aus der Firma, die sich selbst vorstellen, das ist ja noch richtig gut, inkl. der Art der Präsentation. Aber dann den Web 2.0-Aufkleber draufzukleben, das passt nicht ins Bild.
[via]
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Langsam lege ich das Klowand-Image ab und werde mich statt dessen "Versuchsmaus des Internets" nennen. Jedenfalls spricht Björn Ognibeni davon, dass Dorten und Frosta ein kommunikatives Experiment im Sinne hatten/hätten, als sie konsequent.de entwickelt haben - natürlich viral. Ohne viral geht heute gar nichts. "Viral" hat sogar das Zeug dazu "ganzheitlich" abzulösen. Aber das braucht noch.
Die Website ist witzig gemacht und den Werksleiter vor Punkrock-Klängen im Comicambiente über Schiffe und irgendwelche Herstellungsprozesse à la "Sendung mit der Maus" zu zeigen, hat was. Das mit dem Experiment halte ich aber für einen - mit Verlaub - totalen Quatsch. Frosta ist sicher nicht zu Unrecht durch ihren konsequenten Blog-Versuch als Unternehmen in der Kommunikation vorne. Doch nun einen Aufruf zu starten, man solle sich hier selbst einbringen und mitmachen, dass man ja auch selbst so punkrockig konsequent im Leben sei und das allen auch beweisen könne, sowas halte ich für - aus dem Jura-Studium-Wissen gekramt - fast einen untauglichen Versuch.
Herr Ahlers führt ja richtigerweise aus: »Oft habe ich ja auch hier im Blog gehört, dass virale Kampagnen eigentlich nicht geplant werden können und meistens scheitern. Das denke ich auch. Insofern ist die Dorten-Idee aber etwas anders.«
Die Worte hör ich wohl ... Doch frage ich mich: Was denn genau ist nun hier anders? Sollen die Leute diesmal zufällig auf die Idee kommen und mitmachen? Ist es nicht im Gegenteil gerade so, dass bei dieser - wenn es denn eine sein soll - viralen Kampagne jedes Überraschungsmoment fehlt?
Man soll eben mitmachen und ein bisschen was von sich preis geben ("übrigens ganz besonders gerne, wenn es sich dabei um eine Frau handelt" (Felix Ahlers) ...? Und Dorten konkretisierte: Frauen hätten wohl "weniger Drang zur Selbstdarstellung" ...!! ...!!!). Dafür wird ein klein wenig Ruhm in Aussicht gestellt, das funktioniert ja immer (das weiß doch jeder...), und manche (wer genau?) werden dir Frostas "dann auf eine spannende Art und Weise portraitieren" ... Aber "mehr wird an dieser Stelle heute noch nicht verraten" - iss klar, hey wir sind im viralen Marketing ... Und ungeplant und spontan.
Man verzeihe meine Polemik hier und da, aber ich halte den Ansatz für ein wenig absurd. Wieso sollen den Menschen da mitmachen? (Und wenn echte Menschen da freiwillig mitmachen, dann wunder ich mich noch mehr.)
Eine offensichtliche Business-Marketing-Seite mit einer zwar assoziativen aber doch etwas an den Haaren herbeigezogenen Story - das klingt mir ein wenig zu naiv. Die Leute bloggen und posten und youtuben ja nicht, weil sie zwanghaft sich selbst darstellen und dafür alles mitnehmen was geht, sie tun das in der Regel in einem sehr definierten virtuellen sozialen Umfeld. Nein, mir fehlt da der Glaube dran.
Die Idee mit den Leuten aus der Firma, die sich selbst vorstellen, das ist ja noch richtig gut, inkl. der Art der Präsentation. Aber dann den Web 2.0-Aufkleber draufzukleben, das passt nicht ins Bild.
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Ich glaub, das war's.
3 Comments
Hallo Alexander,
Ohne Dir zu nahe treten zu wollen:
Die Aussage “Viral Marketing kann nicht geplant werden” halte ich für etwas zweifelhaft. Das wäre in ungefähr so, als wenn man behaupten würde: “In der klassischen Werbung kann ich nicht planen, welchen Einfluss auf das Markenbild ich mit einem Printmotiv ausübe”.
Natürlich sind neurologische Prozesse (also solche, die Aktivierung garantieren) und memetische Prozesse (also solche, die über den “Drang zum Weiterempfehlen” entscheiden) im Konsumentenhirn von vielerlei Variablen abhängig – aber wenn man über die Grundsätze dessen Bescheid weiss, wie die entsprechenden Filter im Gehirn funktionieren, kann man sehr wohl HOHE WAHRSCHEINLICHKEITEN für virale Erfolge planen. Wie man in der Sendung mit der Maus gesagt hätte, “Klingt komisch, iss’ aber so.”
Mehr dazu werde ich in meinem Vortag beim Kommunikationsverband zum Thema “Neuromarketing – über das Unterbewusstsein in den Einkaufswagen?” am 3.11. im Gruner+Jahr Auditorium in Hamburg darstellen. Vielleicht hast Du ja Intersse und kommst vorbei?
@markus … danke für die Erläuterung, ist hier willkommen.
Allerdings sehe und finde ich die Aussage von mir so gar nicht getroffen und wenn war sie sicher so nicht gemeint. Einmal taucht das im Zitat von Herrn Ahlers aus, der das eher als “manche meinen das” hinstellt. Ich unterstelle hier eher ironisch, dass man das Etikett “ungeplant” draufklebt.
Ich verstehe VM auch nicht als ungeplant, wenngleich man – bspw. mit dem Collaborative Storytelling (Hustle the Sluff) – Zufälle einbaut und zum Prinzip macht. Dass Zufall nichts mit Planbarkeit zu tun hat ist mir dagegen seit meiner mühsamen Stochastik-Stunden sehr wohl klar. Ein Zufallsfaktor ist natürlich “planbar” in gewissen Grenzen (Lottogesellschaften leben ganz gut davon…).
Aber wem erzähl ich das…
Also eher ein Missverständnis denke ich.
Viel Erfolg bei deinem Vortrag und danke für die Einladung.
@Alexander:
Na dann sind wir uns ja einig – war in der Tat ein Missverständis. Muss mir selbst gerade auf die Zehen treten, weil ich mich immer darüber ärgere, wenn Leute meine Ironie nicht verstehen.
“Aua!!!” – und auf baldiges Wiedersehen
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