Zu viel Ramsch

Herr Charles Fränkl, seines Zeichens Geschäftsführer von AOL Deutschland, philosophiert über YouTube bei der Netzzeitung und findet, dass bei YouTube »zu viel Ramsch« dabei sei, ja, wenn nicht sogar »Müll« (jedenfalls hat Ramsch und Müll einen identischen Prozentwert).

«Bei Youtube ist zum Beispiel noch zu viel Ramsch dabei. Eine Video-Suche wird kaum funktionieren, wenn Sie über 90 Prozent Müll durchsuchen müssen.» [Charles Fränkl bei der Netzzeitung]

Besonders charmant liest sich das Zitat im Zusammenhang mit dem Vorgesagten im Interview, als Herr Fränkl so erfolgreichen (so interpretiere ich die Aussage) »Quiz-Sendungen „ähnlich wie 9live im TV“» eine Zukunft einräumt. So so, und das ist also Qualitätsunterhaltung? Und ganz in Abgrenzung zu ramschigen kleinen Privatvideos?

Hier mal wieder meine Meinung dazu: Der Verfall der Qualität der bisherigen Medien hat doch gerade nahezu seine höchste Evolutionsstufe erreicht – und dazu zählen für mich (subjektive Meinung) insbesondere vollkommen sinnentleerte Quiz-Shows, die nur daraus bestehen zu versuchen via mehr oder minder talentierte Moderatoren (mitunter mit B-Promis besetzt) Leute zu motivieren kostenpflichtige (soweit mir bekannt) Nummern anzurufen.
Wer in dem Zusammenhang über Videos bei YouTube direkt oder indirekt von Ramsch oder Müll spricht, hat imho nichts verstanden. Denn dieser Ramsch ist der Abbild der Bedürfnisse der Kunden, Rezipienten, Menschen – dem Zielpublikum eben.

Gleiches müssen wir uns ja andauernd und gebetsmühlenartig von Weblogs anhören: Da sei noch viel zu viel Müll dabei. Da loben wir natürlich lieber die klassischen (Achtung Ironie) Qualitätsmedien, die zu großen Teilen aus identischem Presseagenturmaterial bestehen, bei denen man sich oft noch nicht einmal mehr die Mühe macht sie zu individualisieren.

Keine Frage: YouTube und Blogs sind nicht massenkompatibel, mitunter äußerst speziell, was das Interesse angeht, und bisweilen trashig (als Stilform) oder sinnfrei. Richtig! Aber das ist das Konzept! Jeder findet auch im kleinsten Nanobereich seine Fans oder ein Angebot vor. Ein Mikrokosmos von Meinung, Wünschen, Interessen, Bedürfnissen. – Und was dagegen die Reduktion auf den nackten Massengeschmack bedeutet, dass sehen wir ja täglich im TV.

Dass man dabei Grenzen nicht überschreiten darf, ja das sehe ich auch so. Ich z.B. verstehe vollkommen, dass man keine Bundesliga-Mitschnitte bei YouTube posten darf. Natürlich ist das so, warum meint man wohl zahlt Arena und die Telekom so ne Stange Geld für die Rechte?! Auch sittliche Grenzen sollten und müssen gewahrt bleiben, aber sonst ist doch erlaubt was gefällt. Und dieser Mix ist es eben, der gefällt. Manche meiner Filmchen bei YouTube, die beispielsweise einfach eine abfahrende Dampflokomotive zeigen, verzeichnen regelmäßige Abrufe: Nischen-Bedarf eben. Und den bedient YouTube oder genauer: die Nutzer bedienen sich gegenseitig.

Aber immer wieder interessant zu lesen, wie die da oben so denken. Und wie weit das mitunter von der Basis (im Sinne von uns, den Nutzern) entfernt ist.

[Kleines Mittagspausenblogging Ende]