Stöckchen de la Cinemateque

Ein Stöckchen sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.
Hier stimmt mindestens das mit dem knechten, denn ich bin – wie ich nach jahrelanger Selbstforschung herausstellte – kein Cineast. Ja ja, jetzt Schluß mit dem Ohhhhh in der Runde. René will aber meine Qual, also kriegt er die Antwort und muss ob der cineastischen Dilletanz nun leiden.

Mehr als einen Film pro Woche ertrage ich fast nicht, ist mir schlicht zu langweilig so passiv dazusitzen und nur zugucken zu müssen. Ich bin der Interaktiv-Junkie, ich muss mindestens ab und an mal was klicken können, und sei es nur ein- oder auszuwechseln. Oder ich unterhalte mich lieber, gern auch online. Das heißt nun nicht, dass ich nicht von Filmen beeinflußt werde, im Gegenteil, vielleicht ist es auch das Problem, dass wirklich gute Filme mich zu sehr beschäftigen, weil ich mich dann viel zu sehr rein fallen lasse. So beschränken sich – als Selbstschutz – die meisten Filme in meiner Auswahl auf mildem Terrain – Filme, die mit Ängsten oder anderen menschlichen Emotionen auf diesem Niveau spielen, versuche ich zu meiden.

Also zum Stöckchen – oder: Alles was man über Kino wissen muss!*hüstel

Welcher Film hat Dich in Deiner Kindheit oder Jugend eingehend beeinflusst? Inwiefern und warum?

Rocky … der erschien 1976 und ich sah ihn nie im Kino aber vielleicht 20 mal auf Video. Er hat mich beeinflusst, weil er einem einen Horizont eines anderen Lebens und Denkens gezeigt hat (banales Leben im Schatten einer amerikanischen Großstadt) und zugleich dieses Gefühl gab alles Schaffen zu können, sich zu ändern, sein Umfeld, sich selbst zu überwinden. Das war als Jugendlicher eine ganz wichtige Sache im Strudel all der Emotionen und Eindrücke, die man da so hatte.

Welcher Film ist für Dich der Beste im Genre Drama?

Was heißt schon „der Beste“ – da gibt es keinen einen Besten. Aber „Die Farbe Lila“ hatte sich bei mir schwer ausgewirkt. Dieses Farbenspektakel und diese brutale Botschaft dahinter. Auch wenn das Ende Hoffnung machte, ein Drama war die Geschichte für mich.
Aber unvergessen wird für mich auch immer Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo bleiben. Als der Film rauskam war ich 12 und ich weiß noch wie heute, wie sehr Buch und Film zwischen Erschütterung, Anziehung (ob der damals noch nicht so üblichen thematisch sexuellen Freizügikeit in Film und Buch) und damit auch – in der Mischung – eine sehr intime Beschämung mit der ich in dem Alter wirklich schlecht umgehen konnte. Ein in jeder Hinsicht epochaler Film – und mehr noch das Buch.

Welchen Thriller kannst Du empfehlen?

Die Verurteilten mit Tim Robbins … könnte man auch zu Drama stecken, aber der hatte mich gepackt.

Um welchen Horrorfilm kommt man nicht herum?

Da kommt man gut um alle rum, ganz sicher. Aber wenn ich einen nennen muss, dann Alfred Hitchcock »Die Vögel«

Welcher Liebesfilm hat sogar Dich beeindruckt?

Keine Frage: »Schlaflos in Seattle« – „ich stehe jeden tag auf, esse, ziehe mich an, atme ein und aus und denke daran wie schön ich es einmal hatte. und dann, irgendwann, werde ich mich nicht mehr daran erinnern müssen ein und auszuatmen“ *heul (und Sissi … *aber Maul halten, das bleibt unter uns!)

Welche Komödie ist Deines Erachtens wirklich lustig?

Ok, nun kommt die Überraschung:
Shrek! Und wenn es kein Comic Animationsfilm sein soll, dann „Die Glücksritter“ mit Eddie Murphy (1983).
Naja und fast alles von Monty Python natürlich.

Welchen Film hast Du Dir zuletzt im Kino angesehen? Und wie war er?

Volver des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar und mit Penélope Cruz.
Und er war richtig gut! Farben und Perspektiven beeindruckten, allein die Anfangssequenz mit den Grabstein-putzenden Hausfrauen. Eine Geschichte, die oberflächlich skurril war, tatsächlich aber sehr ernsthaft gesellschaftliche Mechanismen behandelte. Penélope Cruz hatte ich am Anfang für eine Fehlbesetzung gehalten, wurde dann aber in ihrer überzeichneten Schönheit zum Element des Gesamt-Szenarios. Besonders hatte uns beeindruckt, wie die anfänglich als nicht sonderlich schön zu bezeichnenden (vor allem neben der Cruz) anderen Darsteller immer schöner wurden im Auge der Betrachter.

Welchen Film MUSS man im Kino gesehen haben?

Eigentlich sollte man fast alle eher im Kino ansehen, ab einer gewissen Güte. Gesehen habe ich „Club der toten Dichter“ im Kino und das war gut so, weil man sich so vollkommen auf diesen Film einlassen konnte. Der erste Matrix war im Kino auch Klasse ob der Effekte. Heute ist die Rundumkamera ja schon wieder alter Hut.

Welchen Film hast Du Dir zuletzt auf DVD angesehen? Und wie war der?

The Village. Und der war gut. Besser gesagt: Erst fand ich in seltsam, dann blöd, dann hasste ich ihn (als der eine niedergestochen wurde), dann war ich kurz vor dem Abbruch, dann überrascht, dann zufrieden. Im Nachhinein blieb der Eindruck, dass man zuviel auf Grusel gesetzt hatte und damit ein eigentlich interessantes Thema vernachlässigte. Außerdem dünkt mir, dass da kausale Fehler drin sind, aber egal.

Welcher Film war es, den Du Dir zuerst gekauft hast?

Keine Ahnung mehr. Wahrscheinlich war es Star Wars Episode IV.

Der schlechteste Film aller Zeiten?

Da schwanke ich ad hoc zwischen zwei heißen Kandidaten: Waterworld oder doch Postman. Da bin ich mir immer nie so sicher, welchen ich da nehmen soll.

Dein Lieblings-Regisseur (mit einer Auswahl von 3 Filme oder/und Begründung)?

Regi…was? Ach die Typen die da hinter der Kamera rumtun. Ich gebe ehrlich zu, dass ich auf die bei meiner Filmauswahl nie achtete. Hauptdarsteller ja, vielleicht Buchvorlage, aber Regisseure nie. Natürlich kennt man Namen wie Quentin Tarantino, Alfred Hitchcock oder Woody Allen. Aber danach hatte ich mir nie Filme ausgesucht. Wobei …. doch! Damals sahen wir uns alles von John Hughes an. Vor allem The Breakfast Club (1985) oder Sixteen Candles, Pretty in Pink oder Ferris macht blau. Kann ich also durchaus als Liebling nennen.
Und natürlich George Lucas.

Der schönste Film aller Zeiten (subjektiv nur für Dich)?

… nachdenken muss …

Ich denke es ist die Triliogie, also Star Wars IV bis VI und willkommen abgerundet durch I mit III. Keinen anderen Film habe ich so oft gesehen sicher, und keiner hat eine derartige Faszination ausgelöst und ist bis heute für mich sehenswert, vor allem wenn er im TV läuft (trotz DVDs und VHS in der Schublade *achselzuck).
Aber hätte ich „Club der toten Dichter“ gesagt, hätte ich auch nicht gelogen. Wir saßen damals in der ersten Reihe, ganz rechts. Scheiß Platz. Kino proppevoll zum Teil mit Teenagern besetzt, die einen lustigen Highscool-Film erwarteten. Nach fünf Minuten waren wir dennoch mit dem Film verschmolzen – meine damalige Freundin und heutige Frau und mein späterer Trauzeuge. Nach dem Film gingen wir parallel schweigend raus und mussten allein sein – brauchten ein paar Minuten Stille. Nicht einfach in einer Stadt – sogar in Erlangen. Wir saßen im Bogarts, damals eine gemäßigte Kneipe, aber hielten es dort nicht aus. Wir landeten am ruhigsten Ort in der Nähe, am Friedhof. Dort saßen wir – jeder für uns – und wußten, dass uns der Film verändern würde. Ein unvergessener Moment.

Der bedrückendste Film aller Zeiten(subjektiv nur für Dich)?

Vielleicht aufgrund der damaligen Situation (Zu Zweit im Urlaub mit der Freundin quer durch die USA unterwegs) … und sich dabei The Vanishing (Spurlos verschwunden) ansehen – ein Fehler …

Der traurigste Film aller Zeiten (subjektiv nur für Dich)?

Titel fällt mir nicht mehr ein, aber es ging um zwei Irish Setter, von denen einer starb als er seinem Herrchen das Leben rettete und der andere dann seinen Schmerz nicht überwinden konnte und keinen Lebenswillen mehr hatte – und dann starb. Shit, nur der Gedanke daran macht mich traurig. – Jetzt hab ich den Titel: »Wo der rote Farn wächst« (Amerikanischer Spielfilm von 1974 mit Stewart Petersen und James Whitmore).

Welcher Film ist für Dich ein Must-Watch, auch wenn er die o.g. Kriterien nicht erfüllt?

Forrest Gump und Brazil

Lieblings-Schauspieler? (Mehrfachnennungen möglich)

Sean Connery, Harrison Ford, Bruce Willis, Walter Matthau

Lieblings Schauspielerin? (Mehrfachnennungen möglich)

Natalie Portman (zur Zeit), Whoopie Goldberg und Margaret Rutherford

Lieblings Soundtrack?

The Breakfast Club – war halt meine Zeit. Cool war der zu Judgement Night (aber nur kurz). Und unvergessen: The Blues Brothers, Buena Vista Social Club und Queens Soundtrack zu Highlander

Was möchtest Du sonst noch an Filmen erwähnen?

Mr. Hobbs macht Ferien mit James Stewart (1961)
Jack allein im Serienwahn mit John Candy und Robert Wagner und David Rasche (Sledge Hammer!)
Bruce allmächtig mit Jim Carrey
Kentucky Fried Movie – Frühwerk der Zucker-Brüder
Don Camillo und Peppone mit Fernandel

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Wem tu ich das also an? So ein Stöckchen ist kein Spielzeug.

1) Sascha Lobo würde ich gerne lesen, aber der hat für so einen Nonsense sicher weder Zeit noch Lust, zudem kennt der mich gar nicht.
2) Patrick vom Feierabendblog
3) Francis vom Bodenpersonal
4) dem unbekannten Schreiber aus der Gartenstraße
5) Jens vom Blogboten

Mal sehen, wo sie einschlagen…