Null Toleranz

Ausländerfeindlichkeit in Deutschland

Da guckt man nichtsahnend und ohne böse Vorahnung im Krankenstand darniederliegend den Fussball-Stammtisch im DSF namens Doppelpass und stolpert doch tatsächlich über ein Thema und mehr noch einen Satz, der einen seit dem nicht mehr losläßt. Abgefeuert von Manni Breuckmann im Rahmen der Thematik “Ausländerfeindlichkeit im deutschen Fussball” und sinngemäß wiedergegeben:

Im Zusammenhang mit Ausländerfeindlichkeit müssen wir auch im privaten Umfeld beginnen Null Toleranz zu zeigen.

Er erzählt dabei von einem ihm bekannten Beispiel eines (dunkelhäutigen) Arztes, der Woche für Woche auf Kreisligaebene als Schiedsrichter fungiert und sich dabei gerade auch vom bürgerlichen Fan-Klientel sich übelst und rassistisch beschimpfen lassen muss. Manni Breuckmann geht weiter und fordert, da diese Art von Rassismus nicht nur am Platz passiert, sondern Spiegel unserer Gesellschaft ist, dass wir in unserem persönlichen Umfeld anfangen sollen Null Toleranz für jedwede rassistische Tendenzen zu haben. Ein klares Nein zu Türkenwitzen, ein Nein zur lapsigen Rand-Bemerkung des Taxi-Fahrers (Bsp. Breuckmann, aber gemeint sind alle Berufsgruppen im Dienstleistersegment), ein Nein zu abfälligen Bemerkungen im Freundeskreis oder in der Famile.

Und wisst ihr was? Er hat Recht. Und ich fühle mich betroffen.

Nicht weil ich Rassist wäre, aber weil auch ich zu oft das Maul halte und sogar selbst so blöde Scherze schon mal auf den Lippen hab. Auch wenn ich sie sicher so nicht meine. Ja, im Gegenteil. Ich meine, ich dürfte die Scherze machen, weil ich gerade eben so nicht denke. Meine ich dürfte mir diese Art der Ironie erlauben. Auch weil ich ja selbst kein deutscher Reinrassiger bis ins vierte Glied bin.

Aber heute zweifle ich an meiner Souveränität.

In Zeiten der Normalität finde ich ironische oder witzige Auseinandersetzungen – auch bezogen auf uns Deutsche (klassisch britischer Humor) – vollkommen in Ordnung. Humor im Sinne von Persiflage, von Satire und Karikatur. Aber der Streit um religiöse Karikaturen ist noch frisch in Erinnerung und zeigt wie die Befindlichkeiten derzeit in der Gesellschaft sind.
Hier aber geht es sogar um eine klare Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen ohne konkreten Anlass, allein wegen Herkunft oder Hautfarbe. Das ist nicht akzeptabel und die Parallelen zu Zeiten unserer Großväter sind einfach nicht von der Hand zu weisen.

Das Thema ist heiß. Keine Zeit mehr für Spielchen.
Wir haben ein Problem mit Rassismus in Deutschland und die Zeit für Scherze ist vorerst mal vorbei.

Null Toleranz.

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Facebook-Kommentare

14 Comments

  • 1
    20. November 2006 - 20. November 2006 21:56 | Permalink

    Ich habe gestern mit einigen Freunden beim Wein zusammengesessen und wir haben über genau dieses Thema gesprochen. Einhellige Meinung des anwesenden Türken, der beiden Portugiesen und des Kantonesen: Deutschland hat (zumindest vergleichsweise) kein Rassismusproblem.

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  • 2
    20. November 2006 - 20. November 2006 22:49 | Permalink

    Bei diesem Thema bin ich schon mehrfach unangenehm aufgefallen. Ich kann mich auch innerhalb des Familien- oder Freundeskreises, wenn solche Themen “aufkommen” schlecht zurück halten. Vor Jahren saßen wir mal mit einigen Freunden beim Geburtstagsessen zusammen und auf einmal fing einer an, darüber zu lamentieren, dass die Ausländer uns die Arbeitsplätze wegnähmen. Da war ich sofort auf dem Kewief. So sehr, dass die Fete nicht mehr so recht in Schwung kam. Oder ich habe mich mal bei einem friedlichen Grillfest mit einem Mann angelegt, der damals schon gut über 80 Jahre alt war und der auch mit diesem Mist anfing. Besonders beliebt macht man sich leider mit dieser “Null Toleranz-Taktik” nicht aber irgendwie gehen mir die Nackenhaare hoch, wenn das kommt. Und es kommt (auch nach meinem Eindruck) immer häufiger vor.

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  • 3
    20. November 2006 - 20. November 2006 22:53 | Permalink

    Es begann für mich vor ein paar Jahren, bei den Grannys … plötzlich schwiegen sie nicht mehr über damals, sie fingen wieder an. Sicher keine Sache, die sie selbst sich ausdachten, ich denke das ging über die Medien – so heimlich. So Aussagen in bestimmten Blättern, Tendenzen in Talkshows … und nun ist es da. Das Thema. Das ich vor Jahren noch für absurd hielt.

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  • 4
    21. November 2006 - 21. November 2006 10:33 | Permalink

    eigentlich sage ich immer:

    “die, über die man keine witze machen darf, sind nicht migriert…”

    stimmt allerdings nur teilweise, denn 1.) muss man nicht jeden witz bringen 2.) kommt es immer auf absender und empfänger an.

    als kartoffel pflege ich einen relativ lockeren umgang mit den migrationhintergründlern in meinem umfeld, allerdings wissen die nicht nur wie ich es meine, sonder vor allem, von wem es kommt.

    was haben wir früher über ostfriesen witze gelacht, weil sie einfach lustig waren. wenn man allerding den gleichen witz mit behinderten macht sieht das schon ganz anders aus, ausser natürlich ein behinderter erzählt den witz.

    natürlich gibt es auch hervorragende judenwitze, frag mal einen juden, der wird dir viele erzählen können. achtung: absender-empfänger-problematik

    man muss nicht immer alles so ernst nehmen, wie wir deutsc.. ähm kartoffeln das gerne tun. etwas offenheit, gastfreundschaft und interesse würden bestimmt nicht schaden… dann dürfen wir auch lustig sein ;-)

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  • 5
    21. November 2006 - 21. November 2006 10:56 | Permalink

    Schorsch, ich glaube, Alexander ging es weniger um Witze zwischen Bekannten. Ich beschimpfe meinen Kollegen auch regelmäßig als Taliban, schließlich ist er Afghane und abends saufen wir zusammen.

    Es geht viel eher darum, wenn der Nachbar auf dem Parkplatz eine Gruppe Deutschtürken als Gesocks bezeichnet, das auf unserer Tasche lebt. Ich habe ihm gesagt, dass ich solchen Bullshit nicht ertragen kann und ihn auch freundlich auf den Blaumann des einen hingewiesen.

    Oder der Bekannte meines Vaters der beim Garagengucken eines WM-Spieles im Sommer bei der Hymne aufspringt, den Hitlergruß gibt und das unheimlich witzig findet. Da kann man das Maul halten, man kann aber auch (wie ich damals) laut und bestimmt sagen: „Find ich nicht witzig.“ Der Typ war danach einen halben Meter kleiner, ganz ohne Kraftausdrücke geschafft.

    Solche Gesten sollte man sich angewöhnen und durchziehen.

    Du Bayer!

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  • 6
    21. November 2006 - 21. November 2006 11:30 | Permalink

    meiner freundin haben nachbarskinder auch schon freundlich zugerufen: “neger raus!” war den eltern aber egal!

    im bürgeramt konnten die beamten nix viel gut deutsch, weil sie anfingen zu denken…. hautfarbe hat mit sprachkenntnissen aber nur wenig zu tun. war denen aber egal!

    am zwölften september 2001 meinten arbeitskolleginnen meiner freundn: “araber… alle in einen sack und mit dem knüppel drauf, triffste keinen falschen”. meine freundin ist araberin. war denen aber egal! (du bist ja nicht gemeint, schon klar)

    oft ist der latente rassismus noch schlimmer als die parolen der rechten, weil den man als kartoffel oft nicht mal wahrnimmt.

    die merkbefreiung anderer, lässt einen auch selbst abstumpfen. das macht mich oft betroffen, deswegen habe ich lieber was über witze geschrieben…

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  • 7
    21. November 2006 - 21. November 2006 12:37 | Permalink

    achso… du bayer, oder dubaier?

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  • 8
    21. November 2006 - 21. November 2006 13:34 | Permalink

    george … es ist mir auch klar, dass Witz und Humor zu unserer Kultur gehört und nicht pauschal nur um Befindlichkeiten einzelner Willen an den Pranger gehören. Aber wir müssen auch mal sehen, was unsere eigenen Äußerungen hervorrufen. Andere, die uns hören und unseren Background nicht verstehen oder kennen nehmen uns dann – bewusst oder unbewusst – als Legitimation, im großen wie im kleinen Kreis, ob unter Freunden oder auf dem Fussballplatz der Fan neben dir. Es muss deutlich werden, dass wir es verachten und uns lieber selbst limitieren als dem ganzen auch nur einen Deut Vorschub zu leisten.

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  • 9
    21. November 2006 - 21. November 2006 19:32 | Permalink

    Einen Bericht über den dunkelhäutigen Arzt und Schiedsrichter gab es vor ein paar Tagen in der Süddeutschen: http://www.sueddeutsche.de/sport/weltfussball/artikel/819/91728/

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  • 10
    21. November 2006 - 21. November 2006 20:45 | Permalink

    patrick … das muss das Beispiel vom Breuckmann sein! Danke!

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  • 11
    21. November 2006 - 21. November 2006 22:54 | Permalink

    =)

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    Ich glaub, das war's.