Da war doch noch: Das 1:0 für die Volksseele

Noch einmal in Sachen Hoyzer

Zu betonen Recht gehabt zu haben ist unpopulär, wirkt immer so als wolle man sich nach vorne spielen. Dabei sollte man durchaus öfter hinausposaunen, wenn man Recht hatte mit seiner Auffassung und Einschätzung, vor allem wenn man anderen auf die Schliche kam oder Lügen aufdeckte, die leider zu dem Zeitpunkt so gar nicht aufgedeckt werden konnten. Aber genau darauf setzt nicht umsonst u.a. das politische Establishment beinahe in Perfektion. Und wird es dann alles offenbar, dann sagt man wie bspw. in Leipzig zur gescheiterten Olympiabewerbung mit all seinen Unstimmig- und -regelmäßigkeiten – wenn ich mich Recht erinnere -: Eine rückwärtsgerichtete Diskussion brächte einen nun nicht weiter. (Quelle). Ja ja, schon klar. Wenn alles den Bach runter geht gibt es ja auch im Managementbereich gern keine Schuldzuweisungen sondern Gehaltserhöhungen wegen Risikomanagement. Blos nicht in der Vergangenheit stochern, wenn’s unangenehm werden könnte.

Au contraire!

Nichts wird vergessen. Das ist auch Aufgabe der Medien und erst Recht auch der freien Medien wie den Blogs. Und so halte ich Dinge, über die ich mich hier geärgert habe, auch in meinem Fokus solange und soweit wie möglich.

Aktuelle Beispiel: Der Fall Hoyzer.

Damals schrieb ich: Nun haben wir also unser erstes Urteil im Wettskandal: 2 Jahre 5 Monate Gefängnis – und damit ohne Bewährung. Das erste Urteil, wohlgemerkt, denn dank unseres Instanzenzugs werden auch in diesem Fall, dem Wettskandal, in dessen Mittelpunkt der ehemalige Bundesliga-Referee Robert Hoyzer steht, noch weitere Urteile folgen. … Und so fragt man sich: Was ist dieses Urteil wert?

Ich will der Richterin nichts unterstellen, aber – wann man mich fragt – liegen diese Gedanken nahe. Und es ist ja auch ohne Konsequenz. Herr Hoyzer wird in Anbetracht der Revision auf freien Fuß sein, die Revision hebt das Urteil später eh auf, und bis zur WM gibt es (mit Urteilsbegründung und und und) auch keine rechtskräftige Entscheidung. Bis zur WM kann man also vom ‘harten Durchgreifen der Justiz’ lobend sprechen – Schulterklopfen aller Orten. Und das Ergebnis im Instanzenzug wird dann nach vielen vielen Monaten nur noch eine Randnotiz in den Gazetten sein.

Und was lese ich dann heute bei 11 Freunde:

Revision im Hoyzer-Prozess – Freisprüche möglich
Im Revisionsverfahren über den Wett- und Manipulationsskandal um den Ex-Fußball-Schiedsrichter Robert Hoyzer am 28. November vor dem Bundesgerichtshof in Leipzig sind offensichtlich auch Freisprüche nicht ausgeschlossen.

Das Hauptproblem ist, dass es im Strafrecht keinen direkten Passus zu Wettricksereien gibt.

Zwar noch immer nur eine Zwischenmeldung, aber die Richtung, die Richtung … Damals eine vehemente Richterin, die von ihrer Rechtsauffassung fast überüberzeugt schien, nun ein zweifelnder Oberstaatsanwalt Hartmut Schneider, der gegenüber der Leipziger Volkszeitung (Quelle: 11 Freunde a.a.O.) sich wie folgt äußert: »Das wird eine spannende Sache«

Leute, Leute … wer soll denn da unsere Justiz noch ernst nehmen? Instanzenzug und Unabhängigkeit der Gerichte hin oder her, das mutete mir mehr und mehr als Posse an.

Posse (Wikipedia): Eine Posse ist ein Bühnenstück, das auf Verwechslungen, ulkigen Zufällen und unwahrscheinlichen Übertreibungen aufgebaut ist und durch derbe Komik Lachen erzeugen soll.