Gewählt zur »Person des Jahres« – Ich! – Danke Danke Danke!

… und ich danke an dieser Stelle auch meinem Arbeitgeber, meiner Mutter, meiner Familie ganz besonders, die mich immer wieder unterstützte und alles tat, damit ich auch mal abgelenkt würde, meinem Pastor (Stelle derzeit nicht besetzt), meinem Idol (Stelle derzeit auch vakant) und allen meinen Lesern und Fans, für die ich das alles eigentlich gemacht habe. Danke Danke Danke! Ihr seid die besten. Der Preis ist für euch!

Das US-Magazin „Time“ zeichnet alle User des Web 2.0 als „Person des Jahres 2006“ aus, weil sie sich als neue Bürger um die digitale Demokratie verdient gemacht hätten. So heißt es in der Überschrift der Zeitschrift: „Person of the Year: You Yes, you. You control the Information Age. Welcome to your world.“ [Quelle]

Und diese einfache Botschaft wurde in unseren geliebten Medien fast unisono falsch wiedergegeben. Denn nicht der schnöde Internetnutzer (siehe hier als Beispiel) wurde gewählt, sondern die „Aktiven der weltweiten Web 2.0-Community“ (Quelle). Das ist aber wohl den Redakteueren/Journalisten/Medienleuten zu kompliziert gewesen (entweder selbst nicht kapiert oder sie konnten/wollten es nicht erklären … oder es wäre dann nicht so eine geile Schlagzeile gewesen).

Als ich das erste mal die Headline las: Internetnutzer sind »Person des Jahres« blieb mir fast das Roggenmischbrot im Hals stecken. Ich sah schwitzende Hände, fettige Haare, eine Batterie von Cola-Mischgetränk-Flaschen in unterschiedlichen Füllständen neben einen speckigen Desktop, der auf dem Tisch stand und auf dem mehrere leere Pizza-Schachteln sich stapeln, und am Bildschirm geöffnet eine der schmuddeligen Free-Porn-Sites. Und da dachte ich: Mutige Entscheidung, die Wahl zur »Person des Jahres« …

Aber tatsächlich geht es eben nicht um jeden beliebigen Surfer und auch nicht um Otto-Normalsurfer (setzen, SPON, 6) – im Gegenteil, es geht um die, die sich aktiv einbringen, die Demokratie von unten betreiben, die Informationspolitik revoluzzionieren – und das manchmal einfach nur, in dem sie einen Videofilm bei YouTube posten, einen Artikel bei Wikipedia ergänzen oder eben in einem Blog-Artikel über den Ärger des Alltags sich Luft verschaffen.

We’re looking at an explosion of productivity and innovation, and it’s just getting started, as millions of minds that would otherwise have drowned in obscurity get backhauled into the global intellectual economy.

Who are these people? Seriously, who actually sits down after a long day at work and says, I’m not going to watch Lost tonight. I’m going to turn on my computer and make a movie starring my pet iguana? I’m going to mash up 50 Cent’s vocals with Queen’s instrumentals? I’m going to blog about my state of mind or the state of the nation or the steak-frites at the new bistro down the street? Who has that time and that energy and that passion?

The answer is, you do.

[Quelle: Time Magazin]

Und ehrlich: In dem Sinne nehme ich die Wahl dankend an.