Zum Interview im Netzwelt-Podcast Web 3.0 … und ein bisschen mehr

Über Dr. Web erreichte mich kürzlich eine Anfrage der Netzwelt-Redaktion. Konstantin Zurawski bat mich um ein telefonisches Podcast-Interview zu meinem Artikel “Die Zukunft im Web 3.0 - Eine Vision“, veröffentlicht im Dr. Web-Weblog, der offensichtlich wohl noch immer auf Top-Position bei Google zum Thema Web 3.0 steht.

Das Thema ist für mich nach wie vor aktuell, wobei der Podcast (naturgemäß) sich auf einen Aspekt reduziert und der gewählte Aspekt für mich einen zwar wichtigen, allerdings nur technisch-strukturell evidenten darstellt: Die Verwertbarkeit von Information

Diese Betrachtungsweise ist legitim, gerade in Gegenüberstellung zum zitierten Artikel der New York Times “The Future of the Web”, und zielt auf den Otto-Normal-Internetnutzer, der sich über Entwicklungen im Netz nur insoweit interssiert wie es Nutzbarkeit für ihn verspricht. Und so liegt nahe, dass aus diesem Blickwinkel die Entwicklung Web 3.0 auf eine Kontroverse zwischen Nutzen aus Datenauswertung versus Angst vor dem “gläsernen Menschen” hinausläuft.

Doch mein eigentlicher Schwerpunkt des Themas Web 3.0 ist losgelöst von Anwendungs- oder Verwertungsmöglichkeiten, jedenfalls im Kern. Die Datenverwertung ist EIN Thema, aber ein aktuelles und absehbares – und in dem Sinne also genaugenommen nichts visionäres mehr, sondern schlicht Risikoanalyse einer naheliegenden Zukunft. Doch was ist, wenn die Strukturen viel weiter aufgebrochen werden? Was ist, wenn sich die Delokalisierung des Netzes zu einer neuen Art von Kommunikation entwickeln? Und vor allem welche Art Kommunikation?
Irgendwo las ich einmal, dass man erst begann das Internet zu entdecken, dann damit zu arbeiten und nun sei man soweit, Neues darauf zu entwickeln. Also erst wurde die reale Welt im Weitesgehenden in das Netz übertragen, jetzt geht es darum daraus Neues zu kreieren. Und hier beginnt meine Suche.

Wird die Entwicklung zu einem neuen Bewusstsein führen? Einer neuen Kommunikation? Wie könnte die aussehen? Diese Fragen sind eben offen und gerade deshalb noch fernab der Beurteilung der Möglichkeiten und Auswirkungen und erst Recht fernab der Analyse ihrer Risiken oder ihres Nutzen.

Und eine Delokalisierung von Informationen führt eben nicht nur zu einem neuen Netz (und -verständnis), es führt auch zu einem ganz anderen Bedürfnis nach Daten- und (sic!) Netz-Kontrolle. Wie einst SPLIFF schon in den 80ern sang:

Der Wäschetrockner flirtet mit dem Video
und sendet Strahlen aus, ein elektronischer Zoo
Die Kaffeemaschine törnt den Toaster an,
ich krieg die Kurve nicht mehr oh mann oh mann…
(SPLIFF, “Computer sind doof“, LP “85555”)

Wenn das Netz sich auch ihrer Knoten entledigt und auf Minimalebene Teilbestandteile mit sich autonom kommunizieren können, dann ist es eben auch nicht mehr so ohne Weiteres (wenn überhaupt) abschaltbar. Auch eine Phishing-Seite würde dann nicht einfach aus dem Netz genommen werden können – es begänne ein Wettlauf ähnlich wie einst bekannt vom Hasen und vom Igel.
Und man ruft: Wo bist Du? Und von allen Seiten ruft es “hier”.

Dies nur als Nachwort zum Podcast von meiner Seite. Ich freue mich über die viele Resonanz auf den Ausgangs-Artikel, in all der Verschiedenartigkeit. Kommentare von ITlern lasen sich entsprechend mit ganz anderen Schwerpunkten wie die von idealistischen Webloggern. Nachworte wie diese verfasse ich daher nur zu einem Zweck: Nicht um Diskussionsansätze abzuwürgen oder bestimmte Betrachtungsweisen zu kritisieren, sondern einzig um meine Essenz, meinen Fokus immer wieder zu unterstreichen.

Netzwelt-Podcast vom 29.12.2006:
Web 3.0 – totaler Service oder totale Transparenz?
[Direktlink zum mp3]