Es ist wohl Zeit

Alles hat seine Zeit und jegliches Vornehmen unter dem Himmel seine Stunde.

Etwas zu erschaffen hat seine Zeit, und etwas sterben zu lassen hat seine Zeit; Pflanzen hat seine Zeit, und Gepflanztes abzuschneiden hat seine Zeit;

Etwas zu beenden hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit; Zerstören hat seine Zeit, und Bauen hat seine Zeit;

Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit, und Tanzen hat seine Zeit;

Impulsiv um etwas zu kämpfen hat seine Zeit, und sich nur auf einen Kampf vorzubereiten hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit;

Suchen hat seine Zeit, und Verlieren hat seine Zeit; Aufbewahren hat seine Zeit, und Wegwerfen hat seine Zeit;

Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit;

Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Friede hat seine Zeit.

[PREDIGER SALOMO (KOHELET) – 3. Kapitel]

Gestern ist so ein Tag gewesen.

Tage wie diese, da wird einem klar, dass etwas in seinem Kopf zu korrigieren ist, dass man die richtige „Zeit“ verloren hat in manchen Punkten. Dass Dinge, Personen, Handlungen und Denkweisen nicht in die Gegenwart oder Zukunft gehören, sondern man sie hinter sich lassen muss. Man vielleicht zu naiv gewesen ist, zu hoffnungsvoll oder zu euphorisch. Man muss es hinter sich lassen – nicht weil man will, sondern weil man sonst sich selbst, der Sache oder der Person oder einfach der Entwicklung im Wege steht. Und manchmal ist es auch einfach Enttäuschung, was so vielsagend in sich selbst alles erklärt: „das Ende einer Täuschung“. Manchmal ist das ernüchternd und es tut weh … und ist doch reinigend, wie Sven Regener in dem von mir hoch geschätzten Buch „Neue Vahr Sued“ (= Lehmann 2) an dieser Stelle so einzigartig auf den Punkt bringt:

„Als Frank wieder zum Schaufenster hinausschaute, war Martin Klapp verschwunden, und für einen Moment lang glaubte er sich vorstellen zu können, dass das alles ganz weit hinter ihm liegen könnte, das Restaurant, die Bundeswehr, Sibille, das Gesicht von Martin Klapp, der Regen, der Sturm. die Vereidigung und die Grillplatte Balkan.
Das alles muss weg, dachte er. Das muss alles in die Vergangenheit.“

Manchmal ist es auch der Beginn etwas Neuem.
Leb wohl, Vergangenheit. Hallo Zukunft?