Vorschau: Bundesliga, die Rückrunde (2006/2007)

ClubbererNoch eine knappe Woche bist Rückrundenstart, wobei ich den Sinn einer so langen Winterpause einfach nicht verstehe. Vielleicht hätten in der Zeit die Fussballer die Gänseblümchen beschädigt, die sich zwischen den Zierrasen einnisteten. Oder der Herbststurm Kyrill hätte eine Trainingseinheit mitten in der Woche gefährdet. So eine Winterpause ist wirklich zwingend notwendig? Dafür kicken die Jungs wahrscheinlich im Februar nun bei Frost und meterhohen Schnee. Dafür aber austrainiert und ausgeruht.

Zeit also für eine Überprüfung der eigenen Saisonprognose und ein Blick auf die Rückrunde – alles natürlich mit rot-schwarz im Sinn, ich bin eben ein Clubberer.

Die Zugänge haben für mich die Erwartungen erfüllt, sowohl positiv wie negativ. Die Australier konnten kaum zeigen, was sie können, da fehlt es einfach noch für die Bundesliga. Beauchamp (den ich immer Boschomp aussprach, der sich aber eher Bietschämp spricht) vertrat Glauber manchmal und zeigte dabei Licht und Schatten. Sie haben aber noch Zeit.
Kennedy und Engelhardt auch noch, die kommen erst jetzt ins Training zurück.
Bitter die Sache mit Mintal, wenngleich auch vor der erneuten Verletzung meine Prognose sich bestätigt sah: Wohin mit Mintal. Alle Versuche schlugen mehr oder minder fehl. Meyer spielt eben erfolgreich ein 4-3-3 und da ist die Rolle eine Halbstürmers hinter den Spitzen eine Position, die es nicht gibt. Aber man wird sehen, wenn er wieder voll fit ist, wie er sich einbringt – und er hat sicher die Klasse auch eine Systemumstellung zu rechtfertigen – nur fit muss er eben wieder werden.
Gresko ist für mich so ein ungeklärtes Rätsel. Als Wolf im Training – wenn ich mich an die Story richtig erinnere – zwei Partner aussuchen sollte, mit denen er UEFA-Cup spielen würde, wählte er Vittek und Gresko. Gespielt hat er aber so gut wie gar nicht (4 Kurzeinsätze), was auch daran liegen mag, dass alle Positionen, für die Gresko in Frage käme, absolut zufriedenstellend besetzt sind. Pinola auf der Linksverteidigerposition ist gesetzt, einen linken Mittelfeldspieler gibt es so eigentlich nicht, und links vorne – nicht unbedingt die Paradeposition Greskos, was man so liest – ist mit Saenko deutlich stürmischer ausgelegt. Aber so eine Saison ist lange und Gresko kann durchaus auch für die berühmte taktische Variabilität stehen. Allerdings ist da auch noch ein Kristiansen, wobei der bis dato als offensiver Mittelfeldspieler in Erscheinung trat, als Alternative zu Saenko. Kristiansens Bilanz ist mit 12 Einsätzen, dabei 4 mal ein- und 5 mal ausgewechselt auch durchwachsen (Kicker Note 4).

Galasek … Galasek war sicher nicht die Inkarnation einer „Sensation“, aber er ist ein sehr effizienter Neuzugang, der sofort spürbar Stabilität brachte. Also kein lauter Bang, aber ein dickes Ausrufezeichen. Wohl so ein Spieler, den man erst vermisst, wenn er nicht da ist. So unauffällig und doch so wichtig.

Die Enttäuschung: Sibon. Ok, eh keine großen Hoffnungen und eh nur als Ergänzung geholt. Aber was man dann gesehen hat, das war eine Katastrophe (subjektiv gesehen). Zugegeben: Es ist unfair, daraus auf sein Potential zu schließen. Der Mann ist keine 25 mehr, hat keine gute Zeit hinter sich und wird ab und an reingeworfen oder im DFB-Pokal gegen Maurermeister eingesetzt … dennoch … da hatte man bisher kein gutes Gefühl.

Die prognostizierte Aufstellung „Schäfer – Pinola, Glauber, Nikl, Reinhard – Galasek – Polak, Mnari – Saenko, Mintal, Vittek“ lag ziemlich gut. Einzig Nikl musste Wolf Platz machen, weil der in seiner manchmal ungelenken Art durch seine Kompromißlosigkeit und sein Durchsetzungsvermögen sich etablieren konnte. Man verkrampft immer unweigerlich, wenn er in einen entscheidenden Zweikampf geht, aber unter dem Strich war das richtig ordentlich.

Kurzum: Die Vorrunde hat alle Erwartungen erfüllt, im positiven Sinne. Platz 7 ist ein Traum, aber die Luft nach hinten ist genauso dünn wie zuvor – aber in der Rückrunde mit einem kleinen Polster ausgestattet.
Als Hans Meyer nach dem letzten Spiel (3:1 gegen Hannover) nicht in Euphorie ausbrach, sondern betonte, dass das das Polster ist, das man braucht um nach einem schlechten Start nicht gleich in Panik zu geraten, war das kein Understatement. Mit Stuttgart und den Bayern zu Hause warten zwei Brocken aus den Top 4 auf den Club, und das Spiel in Gladbach wird da sicher auch eine echte Hürde. Wenn es danach nach Bochum geht, könnten die Lobeshymnen längst verklungen sein … was aber wenn die ersten drei gut laufen? … Aber das ist was für Träumer. Wahrscheinlicher sind eher einige der in der Hinrunde obligaten Unentschieden.

Die Prognose?

Ganz unten stehen drei Mannschaften, die nicht eigentlich da nicht stehen sollten. Mit Hamburg und Gladbach sogar zwei, die richtig investiert hatten und einige Kracher im Kader haben. Allein es wollte nicht laufen. Aber alle haben richtig nachgelegt. Vor allem Gladbach und Mainz, bei letzteren mit Zidan einen Spieler, der bei mir sehr hoher Ansehen genießt. Der HSV hat so viel Potential, leider vor allem meist im Krankenstand, dass ein gehandelter Neuzugang wie Tomasson nicht einmal richtig auffiele … wäre da nicht genau das Problem, der Sturm. Mit Rost von Schalke hat man die Unsicherheit im Tor wohl eliminiert.
Kurzum: Alle drei werden drängen und haben auch das Potential, sei es durch die Spieler, durch die Trainer oder die Fans.

Daher tippe ich auf einen Abstieg von drei der folgenden vier: Bochum, Aachen, Cottbus plus 1 aus drei – also einen der drei, die jetzt unten stehen – und ich spekuliere auf Mainz, weil der HSV es doch schafft und Gladbach wenigstens wieder Heimstark wird und Mainz eben zu viel Rückstand schon hat.

Und der Club? Der designierte Abgang Schäfers wird sich nicht auswirken. Schäfer war und ist ein wichtiger Mann, gerade im Mannschaftsgefüge, aber doch nicht so verwachsen mit dem Club, als dass er unersetzlich wäre. Die Fans feiern Klewer eh schon als Nachfolger, vor allem nach seinen starken Leistungen als Schäfer-Ersatz zum Ende der Hinrunde und im Pokal. Die gehandelte Alternative aus Prag ist da sicher denkbar, die Fans würden sich aber über diese Lösung mehr freuen – vielleicht auch mit Fromlowitz von Lautern als Nachwuchsmann dahinter.

Die ersten Spiele werden nicht entscheidend sein. Es sei denn es läuft über Erwartung gut. Auch drei Niederlagen würden die Sache nicht wirklich schlimm machen. Realistisch gesehen ist Platz ist Platz 10 drin, den Platz zu halten wäre toll, alles nach 12 wäre eine Enttäuschung. Dortmund, Wolfsburg und auch der HSV werden noch einmal drücken, und die die drüberstehen stehen da schon richtigerweise. Nun ist das aber Fussball, also kann es noch Ausreißer geben. Aber – wie ein Kollege beim Fanduell schon zu Recht sagte – am Ende spielt Geld eben schon eine Rolle. Und wenn Wolfsburg nun mit einem Marcelinho antrabt und beim HSV ein Sorin, ein Kompany und ein van der Vaart in Fahrt kommen, dann dürfen die auch mal gewinnen.

Träumen tun wir als Fans vom Pokalfinale und von Platz 5 … und ich traue es der Mannschaft zu. Erwarten darf man es nicht. Aber wenn nun auch noch Engelhardt und Mintal wieder fit sind, bei Kennedy bin ich noch etwas zögerlich, dann könnte das für eine Überraschung nach oben gut sein.

Und wer wird Meister? Werder Bremen. Weil die nicht nur gut spielen, sondern eine Einheit sind mit einem überragenden Frings und Klose und einer richtig guten Abwehr – von Diego wird da viel zu viel gesprochen, aber er hat eben gleich voll eingeschlagen. Zudem haben sie dieses Jahr den Biss, diese Trotzköpfigkeit. Bayern wird wie immer dran sein, aber sie haben es dieses Jahr einfach nicht, zudem jammern sie zu viel, und das tut der Mannschaft nicht gut. Nein, dieses Jahr nicht.