Die Jura-Klausur

2000 habe ich meine letzte Jura-Klausur geschrieben – im 2. Staatsexamen. Und wer das als Grenzerfahrung beschreibt, den kann ich voll verstehen, denn das traumatisiert und ich wache heute noch nachts auf und danke Gott, dass ich die Klausur, die ich da in meinem Traum gerade vor mir hatte, nicht schreiben muss. So auch heute Nacht.

Aber jetzt – so am Frühstückstisch zwischen babbelnden Kindern – kam mir eine wirklich gute Erklärung, wie man juristische Klausuren gut umschreiben kann!

Eine Jura-Klausur zu schreiben ist so, als ob man die letzten 10 Minuten eines Tatort (TV) zu sehen bekommt und man daraus auf den ganzen Film schließen muss.

Das erscheint irgendwie machbar und man kriegt mit etwas Übung und Erfahrung auch immer ein ziemlich plausibles Ergebnis hin. Mit dem nötigen Handwerkszeug des Klausurenschreibens ausgestattet schafft man so auch immer ein Ergebnis zwischen katastrophal und gerade so geschafft. Der Trick ist: Wer gute Klausuren schreiben will, der muss alle bisherigen Tatort-Folgen kennen, alle Kritiken gelesen haben, die Drehbücher und Drehbuchentwürfen studiert, Interviews mit den Hauptbeteiligten ansehen und wieder deren Kritiken dazu lesen. Dann muss man sich in vielen vielen Selbstversuchen daran machen zu sehen, ob man mit seinen Einschätzungen richtig liegt oder ob man an seiner Denke arbeiten muss.

Und dann – wenn das alles passiert ist, dann errät man die Gedanken der Alt-Juristen, die sich die Klausur ausgedacht haben. Weil man dann zu einem geworden ist…

Oder so ähnlich.