Auf der Suche nach der Blog-Elite

Elite wäre für mich fast ein Kandidat für das Unwort der vergangenen Jahres gewesen, zu sehr hat einen die Diskussion über Elite-Unis und Elite-Förderung zu nerven begonnen. Tatsächlich aber ist meine Abneigung dann doch eher in der Art und Weise der politischen Diskussion begründet, denn am Thema. Denn das eine Elite in einer Gesellschaft für mich notwendig und wichtig ist, dass versuchte ich schon in meinem Artikel über den Abwärtstrend der Gesellschaft (der übrigens zu Unrecht zu selten gelesen wurde im Verhältnis zu manch anderen geschriebenen Auswürfen hier … aber man kann es sich nicht immer aussuchen und man will ja auch nicht undankbar sein und an den Lesern rumnörgeln … *g).

Just gestern trafen dann zwei Ereignisse aufeinander, die das Thema für mich wieder aufleben ließen und nun zum Schreiben nötigen. Johnnys wunderbarer Artikel »Zwerge an die Macht« und – via Basic Thinking – eine neue Blog-Ranking-Liste (von manchmen schnöde »Schwanzvergleich« genannt, dabei dürfen ja auch Frauen mitmengen – aber der Begriff kam wohl man einst von ix und dann macht das nix).

In den letzten Jahren (mit meiner früheren Agentur oder auch jetzt mit Spreeblick), in denen ich immer wieder Präsentationen auch vor größeren Unternehmen beiwohnte, habe ich mich oft auf das Treffen von Vorständen oder Geschäftsführern oder Agentur-Chefs gefreut – in der Hoffnung große Menschen kennenzulernen, Menschen eben, von denen ich etwas lernen könnte. Meist wurde ich bitter enttäuscht. Nicht, dass es nicht gute Geschäftsführer gäbe. Die gibt es. Aber Visionen? Weitsicht? Mut zur Eigenständigkeit? Lust auf neue Horizonte?
(Spreeblick; a.a.O.)

Was hat nun das eine mit dem anderen zu tun? Eine ganze Menge für mich – sonst würde ich das ja alles gerade nicht erzählen. Ich suche nämlich schon lange nach einem Counter für die Blog-Elite, wie auch damals im Zusammenhang mit Blog-O-Rama mit dem Initiator George angerissen. Zahlen und Vergleiche sind alle recht unterhaltsam, mit der Zeit gehen sie einem aber erst auf die Nerven und dann am Arsch vorbei. Gut, da sind natürlich die Top-Acts immer alle mit oben, wie BILDBlog oder Shopblogger, aber dazwischen tummeln sich dann Blogs und schießen nach oben, die entweder nur hirnloses Geschwabbel auf Kindergarten-Niveau von sich geben oder aus Zufall mal einen Schmuddel-Begriff ganz oben bei Google hatten (was bei mir leider auch mit “nackt” und “Kinder” der Fall zu sein scheint, was aber mittlerweile zum Konzept und Lebensaufgabe erkoren wurde – ich, Moralist aus Leidenschaft eben). Ok. Und bei manchen finde ich einfach nicht den intellektuellen Zugang und ich kapituliere vor der fehlenden Erkenntnis, warum das so viele lesen wollen (angeblich).

Klingt alles reichlich arrogant, ist es vielleicht auch in gewisser Hinsicht (in mancher Ohren). Und gleich mal vorweg ‘nein’: Ich zähle mich nicht zur Blog-Elite – ich strebe aber nach sowas bzw. ich sehe das als meinen Anspruch. Ich will schreiben und gelesen werden, nicht um meine Seele auszukotzen (ok, manchmal auch das), sondern vor allem weil ich was sagen will. Ich bin kein und will kein Durchlauferhitzer von Meldungen und lustigen “Fun-Sachen” sein, ich möchte schreiben. Und in so einem Ranking will ich mich dann auch messen lassen.

Das ist jetzt alles vielleicht brutal angreifbar, weil sich allein beim Wort Elite manchem schon die Nackenhaare aufstellten. Aber tatsächlich geht es nicht um Befindlichkeiten und Eitelkeiten, es geht auch für Außenstehende um einen anderen Blick auf die Blogosphäre. Auf Blogs und deren Ranking, die tatsächlich den Geist des Bloggens als neue Kommunikationsform wiederspiegeln. Die – in all ihrer kontroversen Art und kontroversen Ansichten – für die Generation der neuen Schreiber steht. Die egal ob mit oder ohne journalistischen Background die neue Sprache der Weblogs reden und deren Geist prägen und verkörpern. Ich will lesen, was mich bewegt, mich zum nachdenken bringt, mich überrascht und manchmal provoziert. Und ich glaube in dem Sinne gefällt mir diese neue Liste von Dirk Olbertz schon mal ganz gut. Und dass er allein darauf hinweisen muss, dass er das tatsächliche Zustandekommen des Rankings nicht verraten will, sagt irgendwie schon mehr als 1000 Worte.

Die neue Ranking-Liste – Willkommen auf der Spielwiese

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Facebook-Kommentare

5 Comments

  • 1
    21. Februar 2007 - 21. Februar 2007 21:15 | Permalink

    die liste ist auf jeden fall mal besser als alle bisherigen. auch wenn mich natürlich doch interessieren würde, wie die platzierungen genau zustande kommen.

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  • 2
    21. Februar 2007 - 21. Februar 2007 23:57 | Permalink

    francis … so ganz geheimnisvoll ist es wohl auch nicht, wenn man die Punkte studiert und sich die Spielwiese ansieht. Das hat sicher viel mit ein- und ausgehenden Links zu tun. Aber so genau will ich es auch gar nicht wissen. ;-)

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  • 3
    23. Februar 2007 - 23. Februar 2007 00:52 | Permalink

    Ich mache mir eigentlich nix aus Schwanzvergleichen, beschwere mich aber auch nicht über Platz 76… Irgendwie ist es ja doch interessant.

    Ansonsten, mal auf Deinen Post kommend :)
    In gewisser Hinsicht sind doch auch gerade die starken Fluktuationen unterliegenden Listen bisher schon immer Teil der (ich nenn sie jetzt mal erst recht hochtrabend) “Blog-Bewegung” gewesen, oder?

    Nimm mal nur besondere Aktionen, plötzlich auftauchende Kommentatoren: ich freu mich über jeden (gut, die meisten), die kann man sich alle mal angucken, und viele auch gut finden, sei es nur bei einzelnen Artikeln – aber deswegen verfolge zumindest ich nicht jeden einzelnen Tag für Tag. Geht ja auch irgendwann nicht mehr…

    Trotzdem würde ich bei vielen soweit gehen, sie als “Elite” (hoffentlich in Deinem Wortsinn) zu sehen. Vielleicht auch nur, weil sie mich eben mit einem einzelnen ihrer Beiträge so gepackt haben.

    Langer Rede kurzer Sinn: sind Schwankungen bei Toplisten (abgesehen vielleicht von den absoluten Über-Tops) nicht durch eben dieses neue Schreiben – aber auch neue Lesen – zwangsläufig? Sind Toplisten dann ein probates Mittel, irgendwas außer einer Momentaufnahme zu erfassen?

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    Ich glaub, das war's.