SL: Ohne Reiseführer durch Second Life (Der Anfang)

SL Avatar

Gestatten: Mein alter ego in Second Life.

Angemeldet bin ich ja schon seit Oktober und damit bin ich per se fast schon sowas wie ein alter Hase, jedenfalls wurde ich vollkommen unverständlich von einem »Marc« angesprochen, warum ich mich denn noch so unwissend gäbe, sei ich doch schon so unglaublich lange hier (also in Second Life, kurz SL). Aber nach meiner neugierigen Anmeldung im Herbst stellte ich ziemlich ernüchtert fest, dass neben einer ordentlichen DSL-Verbindung auch eine mindestens so ordentliche Grafikkarte werkeln muss, sonst macht das alles keinen Spaß. Aber mit neuer Hardware ist das nun kein Thema mehr und das Abenteuer soll beginnen.

Ich genieße eine neue Jugend. Was ein junger Mensch im Lauf von zwanzig Jahren erlebt, nämlich das Entfalten der Welt vor ihm, eröffnet sich hier für mich in ungleich kürzerer Frist, und dazu noch mit wachem Verstand, der nichts als eine Selbstverständlichkeit hinnimmt. Ich schaue wie ein Kind und staune, aber ich weiß, dass ich staune. Es ist herrlich …

So drückte es wohlgeformt Kao-tai aus, als er die Zukunft entdeckte (Briefe in die chinesische Vergangenheit; Herbert Rosendorfer) – und so und nicht anders möchte ich meine Entdeckungsreise in diese neue Welt auch verstehen. Ich schaue und frage dumm, wundere mich und denke nach.

Vor wenigen Stunden begann mein dritter Ausflug. Der erste diente vor einiger Zeit mehr zur Verwandlung meines Avatars, den ich irgendwie so hinbekommen wollte, wie ich mich vermute oder als Avatar erkennen könnte. Es gelang nur bedingt.

Der zweite Ausflug folgte also gestern und ich gewann eine erste Freundin, die mir einige sehr schöne Stellen dieser Welt zeigte – wie diesen hier, an dem ich nun sitze und den ich zu meinem persönlichen Rückzugsort erklärt habe. Aber sie zeigte mir auch einen Club in “SL Amsterdam”, der ungefähr so viel prickeln bei mir auslöst wie solche Clubs im realen Leben… Und wir waren zusammen in einer Art Spielautomatenhalle, bei der man Geld verdienen kann, in dem man sich vor Slot-Maschines setzt und nichts tut. Warum das so geht? Weil man für langes Spielen wohl belohnt werden soll durch einen Boni, der Bonus aber nicht das Spielen voraussetzt. Naja, wohl nicht so ganz durchdacht. Vielleicht setze ich mich doch mal hin um ein wenig Taschengeld zu haben, denn als Free-Account sind die Taschen völlig leer.

SL EskortWozu Geld in so einer Welt? Gute Frage. Aber es dreht sich irgendwie dann doch alles darum. Im Apfelland traf ich diese attraktive Dame, die mir auch ihre Begleitung anbot. Das nennt sich dann – hier wie da – klassisch Eskort-Service und ist mit ein paar hundert Linden-Dollars kein billiger Spaß, jedenfalls für meine bescheidenen Verhältnisse. Auf Nachfrage verriet sie mir, dass durchaus auch virtueller Sex angeboten werde – es ist eben hier und da immer vor allem das eine, um dass es geht. Wie das denn technisch ginge, so fragte ich mal naiv – aber das wollte sie mir erst nach Buchung erklären, sich dann dafür aber auch viel Zeit nehmen – so für das erste mal. Ich dankte für das freundliche Angebot.

Ich befand mich da gerade im Apfelland, einem deutschsprachigen Sektor, was die Erkundung trotz vorhandener Englisch-Kenntnisse doch vor erst noch einmal erleichterte. Ich gesellte mich zu einer kleinen Gruppe und kam ins Gespräch. Eine war eine Tänzerin auf Jobsuche, ein anderer – eben jener Marc – verwies mich u.a. auf das Arbeitsamt. Arbeitsamt? Richtig, eben solches wäre eine Möglichkeit sich als Jobsuchender zu erklären und auf Angebote zu hoffen. Die Tänzerin war bislang aber unvermittelbar. So unterschiedlich ist dass dann also gar nicht, das erste und zweite Leben… Zwischendrin tauchte eine private Jobvermittlerin auf (Job Agent), sie erklärte sich mir als Angestellte eines Jobvermittlungs-Unternehmens und bot mir an mich zu vermitteln. Aus Interesse fragte ich, was denn so in Frage käme, doch die Antwort erhielte ich nur in Form einer Liste, die mich einige Linden-Dollars kosten würde. Womit wir also wieder am Anfang und beim Bedarf nach Geld wären. Eine dritte Dame stand bei uns und erklärte mir, sie habe einen Shop gemietet, konnte mir aber nicht genau sagen, was sie darin zu verkaufen gedachte. Immerhin äußerte jemand sich zu Monatsmieten und taxierte die in vernünftigen Lagen auf 200 LD, pro Woche wohlgemerkt.

Aber mir war ja auch nicht nach Arbeiten zu Mute.

SL ZooSo suchte ich ein wenig nach Kurzweil und beamte mich (in SL: Teleportieren) in einen Zoo. Allerdings ist dieser Ort doch nichts für Sinnesfreuden, jedenfalls nicht für meine. Ich suchte also weiter und wollte nach Frankfurt. Es gibt Frankfurt sogar, leider aber nicht erreichbar (temporär?) – ich werde das sicher noch einmal versuchen um mir die virtuell nachgebauten Sehenswürdigkeiten einmal anzusehen. Also auf nach Berlin, aber auch das ist keinen echten Bericht auf den ersten Eindruck hin wert. Ich wollte zurück in meinen lauschigen Garten um noch einen Screenshot für meinen nun bereits fest geplanten Blog-Bericht zu fertigen. Doch hier stieß ich wieder einmal auf Probleme.

SL ist nichts wirklich stabiles. Immer wieder stieß ich bereits bei meinen kurzen ersten Ausflügen auf technische Probleme. Dinge und Orte, die nicht erreichbar sind, Teleports, die abbrechen, fehlgeschlagene Logins. Soll das wirklich einmal eine neue Welt werden, dann muss das aber noch besser werden.

SL Boot in der BuchtNach vielen Versuchen kam ich dann doch zurück und fand – das nur am Rande – auf der kleinen Insel ein Boot. Leider war es gesichert – aber ein gewisser Reiz es einmal zu fahren kam dann (irrationalerweise) doch auf.

SL ist sicher nichts für Computer- oder Netzneulinge, Erfahrungen mit MMorpg sicher von Vorteil, wobei ich solche Spiele aber auch nicht spiele. Grundlagen, wie Chatten, Instant Messaging und allgemeine Regeln im virtuellen Raum sind aber fast notwendig. SL ist für Einsteiger kostenlos und eigentlich schnell geladen und eingerichtet, also mit entsprechender Hardware schnell gestartet.

Wer hier eine Abbildung des realen Welt erwartet, wird enttäuscht, zu sehr hinkt die Grafik noch, zu unerotisch ist die Landschaft und die Darstellungen. Wer eine neue Welt erwartet, wird auch enttäuscht, denn am Ende begegnet man hier wie da den gleichen Gesetzen … wo Menschen sind geht es eben meistens um Geld, Sex und Macht. Die – nach Medienberichten, die man ja nicht alle glauben muss – in SL drängenden Unternehmen gehen sicher auch nicht hierher um Entdeckerdrang zu befriedigen. Columbus brach ja auch nicht zur Erforschung der südindischer Unken in See.
Wer aber einfach neugierig ist und sich umsieht und keine Scheu vor Kontakten hat (was in einer virtuellen Welt wirklich weit aus einfacher ist als in der realen – jedenfalls für mich), der kann ganz im Sinne von Kao-tai »mit wachem Verstand, der nichts als eine Selbstverständlichkeit hinnimmt« und »wie ein Kind« staunen – aber eben mit dem Wissen, dass man staunt. Wer das alles für Nonsense hält, der wird auch keinen Spaß daran haben.

SL ist kein Spiel, es ist tatsächlich der Ansatz einer virtuellen Realität. Ob es sich durchsetzen wird? Keine Ahnung. Aber ist das wichtig?

www.secondlife.com

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Wie verdient man Geld in Second Life?


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One comment

  • 1
    23. Februar 2007 - 23. Februar 2007 14:18 | Permalink

    “Aus Interesse fragte ich, was denn so in Frage käme doch die Antwort erhielte ich nur in Form einer Liste, die mich einige Linden-Dollars kosten würde.”

    In SL ist es wie im “echten Leben”: Wenn ein Jobvermittler zuerst bezahlt werden will, dann ist das Abzocke…

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    Ich glaub, das war's.