Die Selbstzerfleischung der Blogosphäre

So jung und schon am Rande des Chaos. Statt auf Journalisten, Werber und PR-Leute hauen A-Blogger sich jetzt selbst oder den Rangniederen gehörig auf die Nuss.

Heute: Das WII-Blog

Gestern ging es ja schon hoch her im Streit um eine Art “Product Placement in Blogs” und ich dachte heute würde sich der Kanonenrauch legen. Unter Beschuß war im Besonderen ‘unser’ Andreas vom ‘großen’ Don – aber das war wohl nur der Anfang. Dabei lief der arme Andreas sozusagen eher versehentlich ins Kreuzfeuer, ging es ja eigentlich um Horst Schlämmer, den wiederum der Malte via Spreeblick ob der Werblichkeit schonungslos (und imho vollkommen überzogen mindestens in der Wortwahl) ins Visier nahm. Und wie der “Zufall” so spielt: Just einen Tag danach gerät eben Spreeblick respektive Malte und Johnny ins Visier von Robert ob ihres Engagements in Sachen Nintendo. Welch Ironie der Ereignisse.

Kommentar folgt.

Vielleicht.

Oder ihr schreibt was.

Aber solches fishing-for-comments hat auch noch nie funktioniert. :grin:

Aber dann doch ein Wort noch zu, wenn René (schon wieder ein Verweis, will der gruscheln oder was? ;-) ) schon mein “Selbstzerfleischen” relativiert – was aber gar nicht sein muss, denn irgendwie passt der schon, denn die Zeit der “kuscheligen deutsche Blogosphaere, wo man das Gefühl hatte, alle zu kennen – die ist tot” (sagt der ebenso zitierte) andreas.de und das zu Recht.

Nur wenn irgendjemand glaubte, die Blogosphäre wäre eine digitale Revolution im Sinne einer gesellschaftlichen Veränderung, der wird nun enttäuscht sein. Aber eben eigentlich ein gutes “enttäuscht” im Wortsinne: Das Ende einer Täuschung. Nichtsdestoweniger schmerzlich.

Wer zu Zeiten des Internet-Anfangs (wenigstens hierzulande) dabei war, der dürfte eine Art deja vue haben, denn genau die Geschichte scheint sich einfach zu wiederholen. Auch damals graute einem vor der Kommerzialisierung des Internets und man wollte am liebsten alles aussperren. Heute weiß man, dass der Kommerz der Motor war, damit das Internet tatsächlich in die volle Breite der Gesellschaft gehen konnte. Machen wir uns nichts vor: Unsere damals idealistischen Grundsatzdebatten hatten ungefähr den gleichen Verbreitungs- wie Interessensgrad: Kleiner Zirkel. Die Masse will Amazon, eBay, DELL und Schnäppchenjagd.
Die Blogosphäre ist nichts anderes. Gar nichts anderes. Sie wird genauso durchsetzt werden wie das Internet an sich. Und so what? Die Gesellschaft will es so und kriegt es. Und wer mag, der wird seine kleine Kuschel-Ecke der Blogs weiter finden und da brauche ich auch kein Schild und keine Liste. Wen ich regelmäßig lese, den brauche ich nicht fragen, ob er gerade Produkt-bloggt oder nicht, das “lese ich ihm an”.

Das birgt manchmal so kleine und größere Überraschungen und Enttäuschungen, das ist klar – aber sind wir doch ehrlich:

That’s life!

{lang: 'de'}




Facebook-Kommentare

25 Comments

  • 1
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 13:56 | Permalink

    Ironie?
    Sowas naives (;)

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  • 2
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 14:07 | Permalink

    aber sind wir doch ehrlich:

    That’s life!

    Schönes Fazit!

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  • 3
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 14:11 | Permalink

    Erik … wie du selbst schon schriebst … honi soit qui mal y pense :mrgreen:

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  • 4
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 14:13 | Permalink

    Ein Fazit, dem aber wohl immer der Idealismus vorhergehen muss/soll/darf.

    Wie ich bei René schon schrub: ich hoffe, wir werden nicht zu erwachsen. (Ansonsten sehe ich das auch eher gelassen.)

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  • 5
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 14:25 | Permalink

    Nur wenn irgendjemand glaubte, die Blogosphäre wäre eine digitale Revolution im Sinne einer gesellschaftlichen Veränderung, der wird nun enttäuscht sein. Aber eben eigentlich ein gutes “enttäuscht” im Wortsinne: Das Ende einer Täuschung. Nichtsdestoweniger schmerzlich.

    Das ist Vernünftigste was ich in letzter Zeit über die sogenannte “Blog-Revolution” lesen durfte. Danke!

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  • 6
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 15:09 | Permalink

    Guter Artikel.

    Aber Totgesagte leben ja meistens noch ein wenig länger. Vielleicht kommt ja noch einmal ein Schub, der eine Ausbreitung der Blogosphäre anstößt – auch in Themengebiete jenseits von StudiVZ und “wie bedeutend sind Blogs eigentlich?”

    Wenn sich irgendwelche Alphamännchen balgen, ist mir dass aber weitergehend ziemlich egal.

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  • 7
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 16:34 | Permalink

    @Alexander: Gebe gerne zu, dass ich nicht gefeit bin, dem Drang nach negativem Opportunismus zu erliegen. Als Schmuddelkind der Liga muss man sich nur seltener rechtfertigen. Das hilft.

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  • 8
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 16:45 | Permalink

    Also, wenn ich das als 2001er Blogopa mal sagen darf: Kontroversen haben der Blogosphäre nie geschadet. manche Blogger sahen danach nicht wirklich gut aus, aber man hat jenseits der direkt Beteiligten doch eine Menge Meinungen gehört, an die man sich halten konnte, oder auch nicht. Heute wissen wir, dass, um mal auf ein ganz grosses Thema 2004 sprechen zu kommen, Inhalteklau durch die News Frankfurt für Print nicht geklappt hat. Genauso wissen wir, dass die damals belächelte These einer Blogosphäre im Kommerzrausch so falsch nicht war. Und damals war das alles noch sehr viel persönlicher, weil die Blogosphäre sehr klein war und jeder jeden irgendwie kannte – heute gibt es genug Auslaufflächen, um Streit zu vermeiden.

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  • 9
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 17:19 | Permalink

    Lustig, wenn der selbsternannte Blogopa sich doch ein bisschen nach “Früher war alles besser” anhört ;)

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  • 10
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 18:31 | Permalink

    Guter Beitrag. Steckt sehr viel Wahres drin.

    Kleiner Typo am Ende, es muss heißen: [...]“das lese ich ihM an.”

    jm2c.

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  • 11
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 19:54 | Permalink

    da haste Recht, korr. thx

    AntwortenAntworten

  • 12
    28. Februar 2007 - 28. Februar 2007 22:54 | Permalink

    Gruscheln: Ich bitte darum ;-)

    AntwortenAntworten

  • 13
    1. März 2007 - 1. März 2007 11:52 | Permalink

    Wer jetzt noch in Frage stellte, ob meine Wortwahl (Zerfleischung) etwas überzogen gewesen sei, der mag sich mal den Kommentar-Thread bei Robert durchlesen…

    Zitat malte in Bezug auf Basic Thinking / Robert:
    Und was ich hier beim Überfliegen sehe, bestätigt mich darin: Ist mir zu prollig (Du kannst halt sowas von nicht schreiben), dabei erstaunlicherweise nerdig und zu SEO. Ehrliche Meinung und so. Ach ja: Hier wird ja viel mit Emoticons gearbeitet: Gibt es von mir aber nicht. Sag mir das alles nochmal bei der re:publica ins Gesicht, dann erst kann ich dich überhaupt ernst nehmen.

    Das geht nun endgültig vollkommen unsachlich. Aber malte hat wohl die Kritik an seinem Spreeblick-Artikel einfach nicht vertragen. Einer Kritik der ich mich übrigens voll anschließe. Aber wahrscheinlich schreib ich eh auch zu prollig und ohne Teilnahme an der re:publica werde ich als Blogger eh nicht ernst genommen.

    AntwortenAntworten

  • 14
    1. März 2007 - 1. März 2007 17:42 | Permalink

    Ja, aber was ist wenn ein Blog, den man immer gerne gelesen hat jetzt seine Artikel durch Werbung finanzieren lässt. Die Kaufseiten kann man ja umgehen, aber auch die Blogs?

    Gunnar

    AntwortenAntworten

  • 15
    1. März 2007 - 1. März 2007 18:16 | Permalink

    Was ist denn daran so schlimm, Gunnar? (aber ich will die Grundsatzdiskussion nicht wieder hier aufleben lassen…)

    AntwortenAntworten

  • 16
    1. März 2007 - 1. März 2007 18:39 | Permalink

    Was daran so schlimm ist? Weil ich unabhänige Blogs mehr schätze als von Werbung durchflutete.

    Wieviele kritische Beiträge dürfen dann noch sein. Man will ja nicht seine Werbepartner verschrecken. Zum Beispiel

    AntwortenAntworten

  • 17
    1. März 2007 - 1. März 2007 20:42 | Permalink

    Gunnar … wasn das für ein Statement? Komme mir ja vor wie in den 80ern. Ich hab hier auch Werbung via AdSense und würde durchaus von mir behaupten, dass es mein Blogverhalten in keinster Weise bisher beeinflusste. Das ist doch alles Klassenkampf-Gerede.

    AntwortenAntworten

  • 18
    1. März 2007 - 1. März 2007 21:24 | Permalink

    Ja, stimmt. Hab nochmal richtig nachgedacht. Ich gebe dir Recht. War sehr unglücklich formuliert mein Argument. Verzeihung bitte.

    AntwortenAntworten

  • 19
    1. März 2007 - 1. März 2007 21:51 | Permalink

    hey … nicht so schnell aufgeben! wo bleibt der Sport! :-)

    AntwortenAntworten

  • 20
    1. März 2007 - 1. März 2007 22:18 | Permalink

    Sport ist Mord :)

    Aber, das ist halt ein sehr schwieriges Thema. Bin da auch kein Experte. Mal schauen wie sich die Sache weiterentwickelt. Spreeblick prangerte doch vor Monaten diese Sache mit Jamba an im Stil von “Sendung mit der Maus” Und jetzt werden sie selber “kommerziell”. Einerseits kommerzkritisch, aber nach Monaten es selbst versuchen. Das schlägt mir halt auf den Magen.

    Aber jetzt wollte ich ins Bett. Muss morgen wieder früh raus. :(

    AntwortenAntworten

  • 21
    2. März 2007 - 2. März 2007 01:58 | Permalink

    @Gunnar
    Kritisch sein heißt nicht zwangsläufig komplett dagegen zu sein.

    AntwortenAntworten

  • 22
    2. März 2007 - 2. März 2007 07:43 | Permalink

    Ja, aber wie weit darf man dann gehen ohne sich selbst zu verraten?

    AntwortenAntworten

  • 23
    2. März 2007 - 2. März 2007 14:20 | Permalink

    Das darf man jedenfalls schon:
    Einerseits kommerzkritisch, aber nach Monaten es selbst versuchen. Das schlägt mir halt auf den Magen.

    Darauf war meine Antwort auch gemünzt.

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    Ich glaub, das war's.