Schon mal die Medien beobachtet? Da lernt man viel übers Bloggen und dem Internet im Allgemeinen.
Die Medien haben zum Teil keine eigene Meinung, die warten erst was andere sagen. Im Fussball müssen dann erst “die Experten” ran. Manchmal warten sie auch auf die Kollegen. Und wenn es gar nicht mehr anders geht, dann schreibt man schnell den Artikel noch um. Da wird dann über Nacht aus einem “hart erkämpften Unentschieden im Hexenkessel” noch ein “ermauert sich ein Remi”. Kommt öfter vor als man denkt.
Die eigene Meinung ist auch manchmal gar nicht so einfach. Nicht nur bei Kunst. Manchmal bildet sie sich erst, vielleicht wenn man einiges gelesen hat, nach langen Diskussionen. Und manchmal muss man sie erst einmal ausleben, um zu sehen dass man zu ihr eigentlich gar nicht stehen kann.
Das “neue” Web brachte den Zugang zu Meinungen der anderen. Und weil es viele gibt, die keine Meinung haben oder erst viel lesen müssen um sich eine zu bilden, kristallisieren sich Trendsetter und Wortführer heraus. Denen reden dann auch alle nach dem Mund oder scharen sich um sie um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, damit man die eigene Meinung finden kann.
Wer eine Meinung hat, hat Einfluß. Er hat Fans. Er hat einen Chor. Er hat Feinde.
Aber nun ist eine “Meinung vertreten” oder einen Standpunkt hinausschreien noch lange keine “Meinung haben”. Und da beginnt alles sehr sehr kompliziert zu werden.
Wenn Leute diesen Meinungen – oder sagen wir: Standpunkte (die sie gerade nicht sind) – nachlaufen, die eigentlich gar keine sind, weil sie selbst nur einfach dahingesagt werden ohne reflektiert zu sein. Wenn nun diese Meinung revidiert wird, fallen die Fans ins Chaos, der Chor wird diffus und die “Feinde” überschlagen sich entweder in Häme oder bleiben ratlos ohne Feind und damit Aufgabe zurück.
Endlich hatte man also Meinungen im Internet. Da stehen jetzt Käufermeinungen bei Produkten, da gibt es ganze Portale von oder einfach nur als Randnotizen in Shops. Und da taten sich Blogs auf, die einfach “ihre Meinung” sagten – und vielen aus der Seele sprachen.
Zeit für Ernüchterung.
Ich erinnere mich an meine Kindheit, als ich meine Fussball-Idole in der Werbung sah (das war damals alles noch ein bisschen anders und Filme wurden deswegen auch nicht unterbrochen) – damals diskutierten wir lange darüber, ob der das tatsächlich echt selbst benutzt, sei es das After Shave, das Haarwasser oder die Zahncreme. Viele dachten das – was ziemlich naiv war, ich weiß. Heute käme da keiner mehr auf so einen Gedanken. Aber das war früher mal das Grundprinzip: Die Leute dachten, was der kauft kauf ich auch. Heute bleibt nur noch der Schein. An das Sein glaubt keiner mehr.
Dann dachte man, dass mit den Käufermeinungen sei doch im Internet eine tolle Sache. Bis man den schweren Verdacht hegte, dass mindestens 2 der 5 Kommentare zu einem Produkt nicht koscher sein könnten, weil die plötzlich genau das loben was die anderen schlecht finden. Und der dritte wiederum schreibt, dass er dann doch Produkt C kaufte, dass viel besser sei. Gekaufte Meinungen? Manchmal hat man den Eindruck, die liefern sich da eine Marketing-Schlacht und kommentieren und empfehlen sich gegenseitig weg. Man wurde immer skeptischer.
Die Unternehmen sind auch nicht blöd und kapieren, dass das eine heiße Nummer ist, dass durchgängig schlechte Kommentare ein Produkt merkbar schädigen können – im Sinne des eigenen und des Konkurrenzprodukts. Meinungen sind ein Wirtschaftsfaktor. Wohl dem der sie kontrolliert, doch das geht im Internet nicht mehr so leicht wie früher mit den Medien. Da war höchstens mal eine Fachzeitschrift auch zu einem kritischen Wort bereit, oder die berühmte “Stiftung Warentest”.
Mit den Blogs kam eine neue Dimension in die Meinungen. Nicht am Produkt orientiert, sondern am Verfasser. Eine Heerschar von Lesern und ein schier unendliches Verteilernetz.
Mit Angst und Schrecken wollte man der Mücke gleich zu Leibe rücken, bevor sie zum Elefanten werden würde – doch die Abmahnungen brachten zwar reiche Ernte, aber auch viel schlechte PR und das ist ganz viel schlechte Meinung en bloc und damit genau das, was man eigentlich weghaben wollte. Ok, manche haben das gar nicht so richtig reflektiert und haben trotzdem draufgehauen und haben sich von “jede Publicity ist gute Publicity” rumkriegen lassen – aber die kommen schon auch noch dahinter…
Die mit mehr Grips haben sich Berater gesucht und die erst in der PR gefunden. Doch die haben leider keine Ahnung, wie man Meinung von innen macht. Von außen klar, aber von innen ist das blöd, da greifen eben keine klassischen Maßnahmen und das Monitoren ist auch so mühsam. Und Versuche so Blogdingens selbst zu machen gingen dann auch arg in die Hose.
Also braucht man was von innen. Und man rekrutiert die Blogger selbst. Doch jetzt geht alles ins Chaos über.
Wer mir bis dahin folgen konnte. Gut.
Nun ist man also soweit, dass man feststellen muss, dass die Meinungen anderer manchmal gar keine Meinungen sind, sonder oft nur Emotionsausbrüche. Es sind keine verwertbaren Informationen, das einzige was man dabei erfährt ist die Gefühlslage des Schreibers. Ob das Produkt gut bewertet ist, hängt oft davon ab, ob der Kaffee morgens gut war oder der Paketdienst pampig. Oder ob der eine spezielle Zweck, der manchmal auch gar nicht erkennbar ist, erfüllt wird. Die “Meinung” ist nichtsdestotrotz durchaus einflußreich, verifizierbar ist sie aber oft nicht.
Egal, Hauptsache Dabeisein also. Und so macht man mal ein paar Testversuche und wirft Köder aus. Doch das Resultat ist diffus. Wie will man den Wust an Emotionen und Reaktionen bewerten? Und da der Testballon auch noch so klein ist, kann man erst Recht keine Ergebnisse messen.
Meinungen sind wertlos. Und wenn sie das noch nicht sind, dann arbeiten wir gerade daran. Weil man erkennt, das die hochwillkommenen “Meinungen” eigentlich einen auch nicht weiter bringen – manchmal weil sie noch nicht einmal vom Verfasser selbst lange gehalten werden. Und weil Meinungen systhematisch beeinflußt werden. Durch aktives eigenes Eingreifen oder durch primäre und sekundäre Manipulation.
Nun bleiben die Idealisten zurück. Die Träumer lecken ihre Wunden.
Doch ich denke nicht, dass es das war. Es wird nur klarer.
Nur eines werde ich für mich nun noch kritischer betrachten und trennen. Wer sind die, die Meinungen haben und sind es auch unbequeme. Meinungen, die einen Wert haben, weil sie mit sich selbst und vor einem selbst bestehen können. Und wer macht Gefühlsbloggen. Das ist beides ohne Ironie wichtig und wertvoll, inspirierend und wiederum für einen selbst meinungsbildend. Und man darf auch nicht übern Kamm scheren, manchmal muss man sogar nach Themen filtern.
Doch die Unbekümmertheit ist weg, und irgendwie haben das sogar viele erwachsene Männer für möglich gehalten, dass es diesmal alles anders wird. Doch wie heisst es so schön: Man kann die Träumer töten, doch die Träume werden weiter bestehen. Vielleicht klappt es dafür ja mit der Umkehr bei der Klima-Sache.
Schon mal die Medien beobachtet? Da lernt man viel übers Bloggen und dem Internet im Allgemeinen.
Die Medien haben zum Teil keine eigene Meinung, die warten erst was andere sagen. Im Fussball müssen dann erst "die Experten" ran. Manchmal warten sie auch auf die Kollegen. Und wenn es gar nicht mehr anders geht, dann schreibt man schnell den Artikel noch um. Da wird dann über Nacht aus einem "hart erkämpften Unentschieden im Hexenkessel" noch ein "ermauert sich ein Remi". Kommt öfter vor als man denkt.
Die eigene Meinung ist auch manchmal gar nicht so einfach. Nicht nur bei Kunst. Manchmal bildet sie sich erst, vielleicht wenn man einiges gelesen hat, nach langen Diskussionen. Und manchmal muss man sie erst einmal ausleben, um zu sehen dass man zu ihr eigentlich gar nicht stehen kann.
Das "neue" Web brachte den Zugang zu Meinungen der anderen. Und weil es viele gibt, die keine Meinung haben oder erst viel lesen müssen um sich eine zu bilden, kristallisieren sich Trendsetter und Wortführer hera
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