Senft dazu: Stoibers Königsmörderin in Latex

Senft dazuMeine fränkische Landsfrau löste als Königsmörder(in) erst für ihren Parteivorsitenden Stoiber und nun für sich selbst einen medialen Tsunami aus. Das muss man erst mal hinbekommen.

Der Stein des Anstoßes: Pauli, die erst vor kurzem Stoiber in unnachgiebiger (manche sagen: konsequent; je nach politischer Couleur) Art erst in Erklärungsnot, dann in Aktivismus und zuletzt in die Kapitulation trieb – fein getragen vom Medien-Tremolo – zeigte sich in der »Park Avenue« in Latexhandschuhen und schummrig sexy. Und unsere bekannt prüde Boulevardpresse, angeführt von den großen vier Buchstaben, reagiert natürlich empört, wie es sich für Wächter der Tugend und der Moral auch gehört: »Darf sich eine Politikerin so zeigen?«

Mein Senft dazu:

Als ich gerade noch am Zeitschriftenladen vorbeilief stieß die Schlagzeile mit BILD Bild natürlich ins Auge. Und – wie die Netzzeitung sehr treffend zusammenfasst, ziehen sofort »Sado-Maso-Bilder vor [dem] geistigen Auge [vorbei] und Erinnerungen an andere Politiker in «unangebrachter» Lage [werden] wach […]: Verteidigungsminister im Planschbecken mit Geliebter oder auch das beliebte nackt, schwanger und politisch aktiv.« (Quelle). Und da ich mir gerade erst kürzlich Gedanken dazu gemacht hatte, wo denn noch Vorbilder im öffentlichen Leben sind, beschäftigt mich das Thema.

Also ich kann mich der Netzzeitung weitgehend nur anschließen: Alles viel zu viel Wind, die Bilder taugen noch nicht einmal für’s Klischee so richtig. Da sind fast die Erklärungs- und Abwehrversuche noch schlimmer, die dem Betrachter eigene Erfahrungen unterstellen, wer darin etwas anzügliches sieht. Frei dem Motto: Honi soit qui mal y pense.

Ich persönlich finde weder einen Bedarf danach, dass weibliche Politikerin sich im wie auch immer geratenen erotischen Umfeld präsentieren um was weiß ich zu zeigen. Das halte ich bei Männern im Übrigen nicht anders. Natürlich gehört Weiblichkeit und Männlichkeit und auch deren Wechselbeziehungen zum Leben, aber nicht zum politischen, wenn man mich fragt. In der Sache ist es sicher Thema für Politik, kein Grund aber sich als Politiker als Privatmensch zu outen. Mir wäre da bei so manchem Politiker schon weit mehr Zurückhaltung sehr entgegenkommend. Den Glauben an sie als Vorbilder habe ich ja längst verloren, das heißt aber nun nicht, dass sie nun frei dem Motto »Ist der Ruf erst ruiniert, lebt’s sich völlig unscheniert« mit ihren privaten Moralvorstellungen an die Öffentlichkeit gehen sollen.

Kurzum: Inhaltlich ist die mediale Reaktion total überzogen (war aber klar), aber Frau Pauli muß sich dem Vorwurf gefallen lassen, warum man sich so billig in die Schußlinie hat bringen lassen. Wenn da Kalkül dahinter steckt, dann möchte ich die Ziele besser gar nicht kennen, wenn es ohne selbiges war, dann war es eine ziemlich „unglückliche“ Aktion. Vielleicht ist Aufmerksamkeit um jeden Preis ja zwischenzeitlich auch in der Politik wie im Entertainment ausreichend um nach oben zu kommen (zumindest ein bisschen nach oben für eine kleine Weile), aber ob sie den Frauen damit einen Gefallen tut, das mag ich mal anzweifeln. Mir ist das jedenfalls alles ziemlich peinlich.