Scheiß Re:Publica

Schreib ich den Artikel, schreib ich ihn nicht … schreib ich den Artikel, schreib ich ihn nicht … schreib ich den Artikel, schreib ich ihn nicht …schreib ich den Artikel, schreib ich ihn nicht … scheiß egal, ist mein Blog – Bloggen nach 23 Uhr

Ich war also nicht auf der Re:Publica … konnte nicht das lustige Augenzwinkern oder die vier Bier in den Augen oder in dem Glas des anderen sehen. Musste nicht über Kontakt-Stress posten, keine Groupies suchen und finden, keine Beschwerden ob der frühen Ansetzung eines brutal spannenden Vortrags um 10 posten, musste mich nicht selbst zitieren, noch nicht einmal über einen tagesschau oder sonstwas Hinweis.

Scheiße, ich war nicht da, das war es wohl mit der Blogger-Zukunft. Ich war nur eine Randerwähnung in der Frankfurter Neuen Presse. Man nimmt, was man kriegt.

Keine Frage, wer mal an so einer Tagung da war, der weiß, dass Rudel-Bumsen gegenseitige Befruchtung (ob das nun besserer Begriff ist …) sehr emotional und förderlich ist. Und – wer hier ab und an liest, der weiß das erst recht – wenn ich mal „Scheiß“ sag, dann ist das fucking selten. Aber ich verfolg das nun (das mit republica) seit Wochen und ich muss das los werden – das alles.

So ne Tagung/Konferenz ist sicher sinnvoll/förderlich/dienlich und was weiss ich noch. Aber es ist auch fucking separating. Früher – geil das mal zu schreiben – ‚früher‘ hätte ich mich da vielleicht auch reingeschmissen, oder ’später‘, kann auch sein, aber nicht jetzt. Und so bleibt das Gefühl, dass sich der Klüngel nun immer mehr konzentriert. Ob adical oder Blogger-Treffs, es bilden sich die Kristalle, die Connections, die das Grundgerüst bilden.

Kein Vorwurf! Ist eben so, kenn ich, weiß ich. Aber die fucking blogosphere sollte halt mal was anderes sein. Nicht das „ich link dich du linkst mich“, das netzwerk von nebenan, sondern das neue Ding, das neue Denken. Es ist mir furz-egal, ob irgendeiner Werbung macht (oder sogar ich), es ist mir aber nicht egal, wenn ich sehe, was ich sehe (auch wenn es mir manchmal dient…): A mag B und B mag C und C hasst D und D kennt E und alle schreiben über sich und konferenzen sich. Die „stars are born and getting older“ – dabei sollte das mal ein Feld der Schreibe sein (und nicht des Autors), eine Plattform des Geistes, der freien Sprache.
Doch es ist funktioniert halt jetzt wie immer, und davon profitiert man – oder nicht, auch ich tu das, same procedure as ever.

Grundsatzdiskussionen soll es ja angeblich auch geben – hörte ich natürlich nur von denen die eine Stimme haben (Blog-Postings sind da leider nur bedingt einreichungsfähig – es sei denn man findet einen Link-Mentor). Über die neue Vermarktung, die neue Professionalität der Blogs. Oder über eine neue Netiquette in der Blogosphere (und wer darüber noch nicht begrifflich stolpert, der mag sich den neuen Fachterminus dafür erst gar nicht ergooglen). Dabei ist das eigentliche was passiert nichts Neues, nur das Alte. Alles wie gewohnt, business as usual: Ein paar werden berühmt und werden hofiert, ein paar schwimmen mit, ein paar springen auf, am Ende kommt das big business und alles wird „wie gewohnt“.

Ich war nicht da … auf der Re:Publica … hatte eben zu arbeiten, habe Kinder und Familie. Sorry, ich dachte mal in Bloggersdorf zählt was anderes als Posting-Frequenz, Hazardeur-Mentalität und Konferenz-Bereitschaft. Aber hey – wir spielen doch nur. Am Ende ist dann doch der vorn, der die Charts stürmt und Hände schüttelt – der darf dann auch mitmengen.

Nix für ungut, Folks. »nah you see I’ve learned my lessons and I don’t even want to here about your confessions« (Lyrics Confessions – Violent Femmes). Ich werde meine „kleine Runde“ fahren, meinen Weg gehen. Ich werde verdammt noch mal keine Wende vollziehen um ‚dabei zu sein‘. Ich werde mich fröhlich einmischen aber nicht vermischen, ich hab mich angeboten, aber wurde nicht gewählt, ich werde trotzdem für etwas sein, ohne deswegen Schmuseblogging zu betreiben, oder mich über etwas aufregen, ohne ein Troll zu werden. Ich kämpf schon mal um meine Position in der Blogroll, denn auch Erniedrigung gehört zum Handwerk. Aber am Ende wird nicht der Idealismus siegen. Das tat er nie. Wenn er als Impulsgeber taugt, ist viel schon gewonnen.

Ach, macht doch was ihr wollt.

P.S. Ich verzichte freibleibend auf Verlinkung… Trackback- und Ping-Anbiederung würde aber sicher dem Artikel dienen.