Ich kann es! – Mit ohne Stützräder!

© 2007 Endl

Ich hab mir ne Träne verdrückt. Bei allem was man übers Vater-werden und -sein vorher hört oder von anderen berichtet bekommt hätte ich mir nicht gedacht wie sehr es bewegt wenn dein Kind an dir zum ersten Mal ohne Stützräder mit dem Fahrrad vorbeifährt.

Nach dem wir das Projekt letztes Jahr schon mal angingen aber nach kurzem Hin- und Herwackeln im Stehen schon abbrachen hatte es mein Kleiner (4) und ich gestern noch mal auf der Agenda. Was mir wichtig war, er sollte es selbst wollen. Er selbst sollte den Zeitpunkt bestimmen – ob das jetzt mit seinen 4 Jahren oder erst mit 6 sein woll, wäre mir egal gewesen. Morgens noch sagte er noch kategorisch „Nein“ – „erst wenn ich 6 oder 7 bin“ – doch dann plötzlich das „doch, wir probieren“. Doch da war schon Mittag und ich musste verschieben auf Nachmittag, wenn er dann noch wollte. Und er selbst wollte es dann und wir sprachen drüber, dass es gar nicht so schwer sei – eben wie mit dem Laufrad, nur eben mit Pedalen. Und er stieg auf … und er fuhr einfach los.

Nur kurz danach waren wir alle vier schon auf der ersten Mini-Radtour mit anschließendem Eisessen.

Ich hatte echt lange überlegt, wie man Fahrad-Fahren jemanden beibringen kann. Wie soll man jemanden ein (nowendiges) Gefühl vermitteln und es gibt (wenn man es mal so durch den Kopf durchdenkt) so wahnsinnig viele Dinge, die man selbst schon automatisiert tut. – Aber ich kann da – so als Papa zu anderen Eltern – ein Laufrad nur empfehlen, das sorgt dafür, dass das Balance-Gefühl schon mal da ist und man sich dann nur noch auf das Treten und Bremsen neu konzentrieren muss. Wir haben auch bewusst sein kleines altes Fahrrad unverändert gelassen, damit er sich sicher drauf fühlt. Sattel höher stellen kommt noch, wenn mehr Sicherheit da ist, und die nächste Fahrradgröße steht auch schon in den Startlöchern.
Aber vor allem liegt mir am Herzen, dass man die Kleinen nicht drängen sollte – ich habe das als Kind unglaublich gehasst, zu etwas überredet und gedrängt bis genötigt zu werden. Klar muss man immer wieder mal ermuntern und pädagogische Tricks sich überlegen oder sich auch beraten lassen, aber die Entscheidung sollte man nicht erzwingen und Kinder nicht brechen. Man sollte sich da auch selbst nicht sozial stressen lassen von anderen Eltern oder der Familie.

Als er mir abends noch mal ganz lieb und immer noch ein bisschen aufgeregt davon erzählte, da merkte man ihm an, wie sehr er sich über ‚meinen Stolz auf ihn‘ freute und dass er auch sehr auf sich stolz war, weil er sich getraut hatte und es einfach geschafft hat. Das war sein Ding, sein Mut. Und ich bin auch einfach super stolz auf ihn.