Wird er mal wie der Junge neulich in der S-Bahn?
Oder doch ganz anders?
Ob er mich mal so richtig hassen wird?
Wie werde ich damit umgehen, wenn er in der Pupertät ist?
Werde ich wissen was ich tun muss?
Oder genau immer alles falsch machen?
Ob ich lerne damit umzugehen?
Wird er mal Drogen nehmen?
Was werde ich wohl über seine Freunde sagen?
Und sie über mich?
Und über seine Freundin?
Oder wenn er schwul wird?
Wie werde ich dann damit umgehen?
Ob ich seine Kinder einmal kennen lernen werde?
Wie wird er wohl mit seiner Schwester später auskommen?
Ob er wohl gern an seine Kindheit zurückdenken wird…?
Wird er stolz auf mich sein?
Oder wird er mich einmal verachten?
Werden wir immer richtige Freunde sein wie heute?
Werde ich ihm ein Freund sein oder ein Vater?
Ob er mir zuhören wird,
auch wenn er erkennt,
dass man sich von Mutter und Vater auch abwenden kann?
Ob er wohl sehr gross wird?
Wird er dick? Sportlich?
Wird er ein Frauenschwarm?
Ein Streber? Ein Freak?
Wird er seine Chancen nutzen?
Werde wir ihm genug Chancen eröffnen?
Kann ich ihm bieten, was er braucht?
Werde ich ihm gerecht werden, seinen Ansprüchen?
Wird immer genug Geld da sein,
um ihm zu ermöglichen was notwendig ist?
Auch um dabei zu sein, nicht außen vor.
Werden wir uns wohl oft sehen, wenn er erwachsen ist?
Wie viel müssen wir noch durchstehen bis dahin?
Ob er bis dahin einmal richtig krank sein wird?
Oder seine Mutter, oder seine Schwester, oder ich?
Werden wir schöne Jahre haben?
Was wird sich verändern?
Das Leben? Der Beruf? Das Land? Wir selbst?
Das alles fragte ich mich irgendwie schon mal,
noch bevor er auf der Welt war.
Und jeder Tag war anders, jeder Tag.
Ich fürchte mich, ich freue mich,
mir wird flau im Magen, ich bin voller Zuversicht.
Alles gleichzeitig.
Mein Leben ist schon älter als es sich eigentlich anfühlt
und viel Leben liegt noch vor mir, wahrscheinlich.
Wenn ich darf. Wenn ich muss?
Unser Zukunft ist noch nicht bestimmt.
Unser Schicksal nicht besiegelt.
Unser Leben ist noch offen
wie ein noch nicht zu Ende geschriebenes Buch.
Wenn ich mal mit Wehmut zurückblicke
auf meine verpassten Chancen
auf meine Fehler, auf Leichtsinn, auf Trägheit,
dann mag das mich selbst betreffen,
nur hoffentlich nicht meine Kinder.
Ich werde jetzt noch einmal zu Ihnen gehen
um zu sehen
ob sie gut schlafen.

4 Comments
Sehr schön.
Man kann gar nicht so viel “falsch” machen, wie man befürchtet, glaube ich. Und was man für richtig hält, stellt sich später oft als Fehler heraus. Insofern: Dem Herzen folgen und immer vertrauen. Sollte klappen.
Menno. Ich will auch ein Kind. Ich will mir auch Sorgen machen.
Oliver … na du hast Ideen … aber wenn es der Rente hilft