
Man soll ja nicht immer nur kritisieren sondern auch mal was tun oder konstruktives vorschlagen. Sagte gestern auch zu Recht die Kollegin. Also gut, mach ich, nachdem mir der Geistesblitz sozusagen über Nacht kam, und ich plädiere für die Einführung eines komplett neuen Punktesystems für die deutsche Bevölkerung:
Die (neuen) Sozialpunkte
Der Begriff “Sozialpunkte” gibt es ja bereits, aber meiner Kenntnis nach nicht als Idee auf so einer breiten Basis. Mein Ansatz funktioniert ähnlich wie die Prämienpunkte bei Tankstellen, wie Flugmeilen oder sonstige Kunden-Bonuspunkt-Programme. Jeder bekommt ein Sozialpunktekonto, das von einer normalen deutschen Behörde mit eigener Zuständigkeit, vielleicht ähnlich dem Flensburger Punktekonto für Verkehrssünder (das könnte man sogar vielleicht da auch einverleiben) funktioniert.
Wie bekommt man Sozialpunkte?
Regelmäßige Sozialpunkte erzielt man bspw. über seine Berufstätigkeit. Eine Krankenschwester erhielt so bspw. einen vergleichbar hohen monatlichen Sozialpunktsatz, ein Top-Manager im Zweifel keinen einzigen. Ehrenamtliche Tätigkeiten von anerkannten gemeinnützigen Einrichtungen könnten zu einmaligen oder laufenden Zusatzpunkten führen. Prämienpunkte gäbe es für vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr bei Vielfahrern. Aber auch der freiwillige Einsatz beim Kinderfest in der Behindertenwerkstatt gäbe Extra-Punkte. Man kann auch daran denken erziehenden Eltern Punkte gutzuschreiben.
Wo verliert man Sozialpunkte?
Natürlich führt jede strafrechtlich oder ordnungswidrig relevante Tat zum Abzug vom Sozialpunktkonto. Aber auch allgemein legale aber in der Allgemeinheit als eher unsozial deklarierten Tätigkeiten könnten Sozialpunkte kosten, bspw. das Vielfliegen (ohne echte Notwendigkeit), da könnte ein ganzer Katalog diskutiert und aufgestellt werden.
Was bringen Sozialpunkte?
Ganz vorne weg sind Sozialpunkte sehr nützlich vor Gericht. Bspw. könnte ein hohes Sozialpunktkonto in die Abwägung einbezogen werden, bei der Bewertung von Zeugenaussagen aber insbesondere bei der Strafzumessung. Auf den Punkt gebracht: Ein hohes Sozialpunktkonto macht einen Zeugen glaubhafter und eine Strafe milder oder Bewährung/Starfaussetzung wahrscheinlicher.
Kann man sich für Sozialpunkte was kaufen?
Direkt nicht und es gäbe auch keine Prämiengeschenke. Indirekt aber schon. Es wäre durchaus vorstellbar, dass man seine Sozialpunkte in eng definierten Anwendungsfällen verrechnet. Bspw. bei Ordnungswidrigkeiten. Einmal Falschparken kostet dann eben keine 20 Euro sondern wahlweise x Sozialpunkte. Zudem könnte man sich vorstellen, dass man Sozialpunkte transferieren könnte. Das müsste natürlich eng definiert sein, aber man könnte z.B. einen sozialen Ausgleich schaffen, der bspw. ähnlich der diskutierten Regelung bei Abgaswerten. Sozial engagierte Menschen, die aber über wenig Einkommen verfügen, könnten sich von wohlhabenden aber nicht so sozialen Menschen in bestimmten Größenordnungen Sozialpunkte abkaufen lassen. Das wäre natürlich noch einmal grundsätzlich zu diskutieren, aber der Ansatz wäre, dass man dafür sorgt, dass unsoziale Menschen dann eben sozialen Menschen finanziell unter die Arme greifen (und das sogar halb-freiwillig). Wer also sich durch sein Verhalten gegen die Gesellschaft stellt, sorgt so wenigstens dafür, dass andere motiviert oder unterstützt werden etwas für die Gesellschaft zu tun.
Ist man auf Sozialpunkte angewiesen?
Im Alltäglichen sicher nicht. Aber man könnte durchaus bestimmte Zulassungen daran knüpfen. Eine Wiederholung eines abgenommenen Führerscheins z.B. könnte ein bestimmtes Minimum an Punkten voraussetzen. Oder die Zulassung zu bestimmten Berufsgruppen, die eine soziale Ausrichtung zwingend erfordern. Zudem dürfte man nicht ins negative Sozialpunktekonto abrutschen, d.h. mit Verlust des letzten Punktes würde der Staat anordnen, bspw. durch gemeinnützige Tätigkeiten über einen gewissen Zeitraum, sein Punktekonto wieder zu erhöhen. Hier wäre auch die Schranke zum entgeltlichen Erwerb von Sozialpunkten gezogen. Es darf nicht zum Effekt kommen, eine Art Ablass-Handel entstehen zu lassen. Daher wäre ein solcher Erwerb auch limitiert pro Person und Zeitraum.
Die Idee dahinter
Soziales Verhalten würde einen neuen Wert bekommen. Einen gesellschaftlich wie monetären. Wer sich sozial verhält bekommt nicht mehr nur noch Schulterklopfen, sonder eine handfeste Währung dafür. Sich sozial zu verhalten bekäme einen Anreiz und dadurch auch die sozialen Tätigkeiten einen höheren Wert und damit mehr Zulauf.
Unsoziales Verhalten wird gerügt und führt durch den möglichen Transfer freiwillig oder zwangsweise zur Unterstützung von sozialem Verhalten.
Beruflich würden soziale Tätigkeiten aufgewertet und erhielten so im Idealfall wieder mehr Zulauf. Zudem könnte man sich durch die möglichen Transferleistungen auch als Arbeitsloser durch soziales Engagement eine Zusatzeinnahme sichern. Statt rumsitzen und auf Hartz IV warten müssen lieber den Park fegen und Sozialpunkte kassieren, die man dann in bare Münze umtauschen kann – steuerfrei und ohne Anrechnung auf den Regelsatz.
Sozialpunkte wären immer absolut personenbezogen, nicht vererbbar und nur in den Grenzen der geregelten Transfers übertragbar. Man erhält auch keine Sozialpunkte weil die Firma ein Regenwaldprojekt unterhält, andererseits könnte man die Sozialpunktregelung auch auf Unternehmen übertragen, dann aber in einem abgeschlossenen eigenem System.
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Ich meine das alles ganz ohne Ironie.
Ist das eine Idee oder führt es nur zu noch mehr Bürokratie? Wäre der Ansatz gut? Ich werde jedenfalls mal drüber nochmal nachdenken.
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