SL-Knallernews: Virtuelle Avatare als reale Klimakiller

Das ist mir sogar ein Kurzposting wert. 😀

Zehn Kilo CO2-Ausstoss in 40 Stunden: Das ist die CO2-Bilanz nur eines Second-Life-Avatars – und zwar in der realen Welt.

Das haben die fleißigen Bienchen von der Fachhochschule Eberswalde errechnet, wie CHIP Online berichtet. Wie das gehen soll? Jaaa, das machen die bösen Server und der eigene PC durch den Stromverbrauch (als ob mein PC sonst nicht laufen würde…).
Aber man könne gleich mal einen Ablassbrief kaufen, mit 350 Linden-Dollar gibt es den Klima-Gewissen-Rein-Schein ja fast für umsonst.

Wohl wieder so ne Meldung, bei der ich wohl „um der guten Sache willen“ sagen „müsste“: Gut gemacht, ihr tüchtigen FHler, sogar in die CHIP gebracht und Aufmerksamkeit erzeugt. Würde mich nicht wundern, wenn es noch SPON-blitzt. – Tu ich aber nicht, für mich ist das einfach Nonsense.

Nach dem ersten Hype rund um Second Life drehen sich die Redaktionen zur Zeit wohl etwas im Kreis. Selbst erkunden will man wohl nicht, also beginnt man einfach mit der Reflektion von sich und den anderen Medien. Sekundärliteratur beurteilt die Sekundärliteratur. Nicht anders kann ich die Schlüsse verstehen: Second Life erfüllt bei weitem nicht die Erwartungen (medienhandbuch). Wessen Erwartung denn, wenn nicht die der Presse selbst bzw. der von ihr inspirierten Investoren?

Ich habe das schon öfter gehört, dass einige Leute denken, dass der eigene Avatar nach dem Ausloggvorgang in Second Life „hängen“ bleibt. Ist das nicht lustig? Ich frage mich, woher diese Vorstellung kommt? Hat da jemand eine idee?
»Nach wie vor Unwissen in den klassischen Medien« – Secondlife Talk

Die Frankfurter Rundschau versucht wenigstens einigen Binsenweisheiten interessante Fakten gegenüberzustellen («Second Life»: Gäste schauen meist nur einmal rein«). Dass viele nur einmal Reinschnuppern und dann nicht mehr wiederkommen ist ja keine Überraschung. Möchte nicht wissen, wie die Statistik da bei gekauften(!) PC-Spielen ist, die nach kurzem Spielen für immer im Regal landen, oder bei Websites (meine Quote der wiederkehrenden Besucher auf der Website ist im Übrigen auch nicht so dolle – enttäuscht?) Zudem sollte man sich vielleicht einfach auch mal die Fakten genauer ansehen: »Hardfacts vs. Umfragen !«, die sprechen nämlich eigentlich eine andere Sprache…

Interessanter ist da doch eher das Thema, das intern.de beleuchtet. Denn in (bzw. um) Second Life gibt es wohl erste justiziable Auseinandersetzungen in Bezug auf Immobilien. Und ehrlich: Ich als alter Assessor könnte da spontan noch auf eine Menge möglicher weiterer ungeklärter Rechtsprobleme hinweisen. Jedenfalls hätte Linden Labs das Thema gern erst gar nicht vor Gericht gehabt, doch »die Anträge des Spielanbieters Linden Lab auf Abweisung der Klage wurden vom Gericht nicht akzeptiert.«
Das ist durchaus und nachhaltig eine Betrachtung wert. Denn dies könnte zum Leidwesen aller den Einzug des Rechtswesens in SL bedeuten, aber zugleich ein Spiel tatsächlich in den Rang des realen Lebens heben.