Bloggersdorf: Es wird Regen geben

Foto © Endl 2007

Für manche ist dieses Bloggersdorf ja eh ein Buch mit sieben Siegeln, so viel wie man sich Bälle da zuwirft und selbstverständlich voraussetzt, dass man den Schnupfzacken-Vergleich im Kommentar von Daniel (47) bei Rimis Blog damals zum Blogger-Event-Posting mit Bezug auf Janinas Megablog im legendären Hirnwindungs-Meta-Blog-Posting gelesen hat.

Ist klar, wer nicht alles liest hat es schwer beim Lesen von Blogs, vor allem wenn man dann auch nicht kapiert, dass das gerade – wie immer wenn Blogmeister Michel schreibt – alles metaphorisch ironisch zu verstehen ist. Und so frotzelte und neckte man sich und balgte sich manchmal handfest auch um Ansichten und Meinungen, doch dann zog man auch wieder mit geballter Macht gegen den schwarzen Ritter aus der Egalwas-Industrie los und alles war gut.

Zur Zeit ziehen aber ziemlich dunkle Wolken auf. Sieht nach Gewitter mit Sturmwarnung aus. Könnte Schäden hinterlassen.

So ein IchweißBescheidworumesgehtichhoffDuauch-Posting liest man gerade – hier aber sehr charmant – bei Julie Paradise die Johnny Haeusler als »Held der Tage« bezeichnet. Wegen seines Engagement für die Blogwelt in den vergangenen Jahren? Nein, einfach »wegen der Haltung. Wenn ich so angegangen würde für jeden Satz, den ich schreibe, ich würde aufgeben.«

Das macht einem schon mal nachdenklich, auch wenn man nicht weiß worum es wohl geht. Und klüger wird man weder über ihren Nachtrag »Zäpfchen / Blutblogger / Arroganz / Erdnußflips / Elefantenhaut« und ebensowenig sollte man auf diesen Artikel stoßen, auf den sich Julie vielleicht bezogen haben mag: Ein Beitrag bei F!XMBR zum Thema China und die Dissidenten – und eigentlich geht es über Johnny und adical.

Wie? Ist Johnny nun etwa pro chinesische Unterdrückungs-System – oder vielleicht F!XMBR? Nein, nein … beide setzen sich vehement dagegen ein und schreiben ganz Protest-Petitionen, die sich Frau Merkel bei einem Besuch in fernen Osten nicht einmal in den Koffer legen trauen würde. Wo ist also das Problem? Sehr vereinfacht ausgedrückt wohl darin, dass Johnny und sein Werbenetzwerk adical Werbung für Unternehmen machen, die sich in China nicht mit Ruhm bekleckert haben. Und damit sei Johnny nun per se nicht mehr tragbar für die China-Protest-Bewegung und die Blogwelt eigentlich auch nicht mehr – finden manche. Wie gesagt, ich vereinfache sehr.

Die Sache hat sich irgendwie zugespitzt und das Problem ist, wie meine Oma schon sagte, ‘es bleibt immer ein bisschen was hängen’. Aber mal weiter im Kontext.

Johnny/adical wurde also massiv kritisiert wegen der Yahoo!-Werbung und just kurz danach erscheint bei Speeblick ein Artikel gegen die aktuellen Dinge in China. Man fragt sich natürlich – wie sich auch der klassische VierBuchstabenZeitungs-Leser das fragen würde – nach all der Diskussion: Hat Johnny den China-Kritik-Artikel nun wegen der Diskussion oder trotz der Diskussion geschrieben. Das kann man sicher nie verbindlich aufklären. Im Anhang des Artikels nimmt Johnny aber mal Stellung zur Diskussion, was anderen aber wieder noch komischer vorkommt. Eine verzwickte Situation.

Bleibt eben immer was hängen – sagte ich ja – wer mal als Kinderschänder angeklagt vor Gericht stand kriegt den schlechten Ruf eben nicht mehr los, Freispruch hin oder her. Wo Rauch ist … wir kennen das ja.

Angegriffen wurde adical aber auch in der Gesamtheit seiner beteiligten Blogs. Darunter auch Nerdcore und der schreibt dann auch noch einen China-Artikel, nimmt aber seinen Lesern die Frage des ob und warum gleich selbst ab. Mancher mag da dankbar gewesen sein. Für Entspannung wird der Artikel nicht sorgen.

Regen? Gewitter? … Na, das sind doch Meinungsverschiedenheiten wie in jedem Dorf üblich. Stimmt, aber der Ton wird merklich schärfer, die Angriffe härter, nicht nur bei den direkt Beteiligten, nein auch bei anderen und eigentlich unbeteiligten Bloggern und dort auch in den Kommentaren.

Ja und? Na ja, nun ist ein lautes Rumschreien nun auch bei manchen eben üblich, aber ich lese vieles sehr aufmerksam und frage mich manchmal dann doch, wann die Grenze der strafbaren Beleidigung endgültig überschritten wird (oder ob das gar schon erfolgte) oder ob die Aussagen geeignet sind, eine ernsthafte Schädigung eines (Blog-)Unternehmen zu erreichen. – Bis einer heult eben. – Und jetzt stellt euch nur mal vor, Blogger mahnen Blogger ab. Klingt krass, oder? Aber so unter uns: Was würden wir eigentlich machen, wenn die eigene Credibility von anderen Bloggern nachhaltig beschädigt wird, wenn ein Werbe-Auftrag wegen der Vorwürfe durch die Lappen geht oder man sich plötzlich Anfeindungen aller Art entgegenstellen müßte? Nur mal so spekulativ? Und wenn das Ganze dann sogar noch im Kern auf unwahren Behauptungen, oder jedenfalls auf reinen Spekulationen und Mutmaßungen, basierte, die in der Art der Darstellung als Tatsachen gesehen werden könnten (Ironie hin oder her)? Wann kommt eigentlich der Punkt an dem man sich wehren muss? Zum Selbstschutz und auch um der Sache willen?

Eher vermittelnde Stimmen, wie bei Duckhome oder auch bei mir finden zwar Schulterklopfer, aber bei den Protagonisten und Antreibern wenig Resonanz und bei der Gelegenheit werden Nettigkeiten auch gleich in den Kommentaren noch ausgetauscht – gesucht wird (so der Eindruck bisweilen) nur der Anknüpfungspunkt, der eine schiefe Satz, der auch mit eingebaut werden kann ins nächste Pamphlet.

Heute erst in einem – wie man dort liest – ‘an der Realsatire, über die man so gar nicht lachen kann, beteiligten Blog’ zu lesen: »Wie man Blogger gegen sich selbst aufbringt?« – und ich fragte mich, wer da eigenlich wen gegen sich aufbringt. Die Blogger gegen Firmen, die Firmen gegen Blogger oder ist es nicht längst nur noch Blogger gegen Blogger. Und wer ist denn der Aufgebrachte und wer der Stein des Anstoßes? Das kann man gerade nämlich gut in zwei Richtungen interpretieren.

Ich dachte noch vor ein paar Tagen, also vorgestern, dass man vermittelnd sein kann und neutral. Aber wenn das sich nicht bald entspannen sollte oder gar noch mehr eskaliert, wird man genötigt sein Stellung zu beziehen und sich für eine Seite zu entscheiden. Wegducken und das Thema ignorieren könnte man auch, aber das ist zum einen nicht der Stil der Blogger, die sich derzeit im inneren Zirkel der deutschen Blogosphäre bewegen, zum anderen kennt man ja einige der Protagonisten ein wenig persönlich und da fühlt man sich fast wie ein Verräter, wenn man das, was man liest, unkommentiert lassen würde. Über Johnny z.B., dessen Integrität ich einfach nicht in Zweifel ziehen kann und will. Einer der sich wirklich für die Blogger und das Bloggen reingehauen hat und immer transparent blieb, nie unhöflich und sich nie zu schade war sich zu stellen.

Ich fürchte wir stehen ernsthaft vor einer Spaltung, denn was passiert, dass geht für mich über persönliche Animositäten derzeit weit hinaus. Was für ein Kindergarten eigentlich, gerade wenn man sieht, dass man sich in der eigentlichen Sache sogar einig ist, aber es irgendwie unvermeidlich so wie in eine Nachbarschaftsklage um den herüberhängenden Ast mündet oder in Grenzstreitigkeit in ‘fernen’ Ländern. Erst fliegen Worte, dann wird es verletzend, dann gibt es Schäden, dann Reaktionen und Gegenreaktionen. Leute, die Stellung beziehen, Gruppen, die sich formieren, Positionen die bezogen werden. Selbst wenn sich die Hauptbeteiligten dann einigen sollen: Am Ende bleibt meist was übrig, Unversöhnliches, manchmal auf der zweiten und dritten Eben.
Wir reden und echauffieren uns über die Unversöhnlichkeit und den Hass in Gesellschaft und Politik und beginnen im beschaulichen Bloggersdorf, das doch alles besser machen wollte, selber Mauern zu bauen, Grenzen zu ziehen.

Schon jetzt wird das Entfernen von Blogs aus dem Feedreader zum Politikum erklärt, unwillkommene Kommentare und Pings/Trackbacks auf Gegenmeinungen gelöscht oder unterdrückt und Diskussionen beendet, weil der/ein Gegner sich auch nur beteiligt. Das sind die ersten Schritte in die falsche Richtung, noch aber nur Donnergrollen.

Vielleicht meine letzte Mahnung zur Mäßigung an alle Seiten. Wohl wissend, dass meine Stimme wohl kaum Gehör finden wird.