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14. Juni 2007

Blättern: links for 2007-06-13 «» Bloggersdorf: Es wird Regen geben

Eine subjektive unbrisante Meinung von Alexander am 14. Juni 2007 10:40

m2: World-Wide-Web Piraten


Foto © Endl 2007

Ich war mal wieder am m² MedienMittwoch, das ist so eine Frankfurter Veranstaltung alle vier Wochen vor allem für Schaffende in der Medienbranche. Die haben oft recht interessante Themen und tingeln durch interssante Locations der Stadt. Meist besteht der Abend aus einer kleinen Podiumsdiskussion und dann kann man noch ein bisschen socialisen, und darum geht es vielen oft auch nur bzw. vielen ist die Anmeldung wichtiger als das Kommen selbst, hörte ich mal so unter der Hand. Deswegen kommt man – außer bei top acts – auch meist noch rein, wenn die Liste schon voll ist, aber ich war eh angemeldet.

Theme gestern Abend: Piraterie im World Wide Web

Die Facts könnt ihr hier nachlesen, ich stell die Leute am Podium mal so vor. Ganz links sitzt einer, der mal gesaugt hat was das Zeug hält, nach eigenen Angaben (bzw. eher nach Angaben des Moderators) nun aber geläutert ist. Viel sagen durfte er nicht, wollte er auch gar nicht – je mehr man nachfragte, desto länger wurde die Sache auch her … Eigentlich schon vor vielleicht 40 Jahren, als die Computer noch groß wie Häuser waren, oder so ähnlich… Daneben der Mann von Napster, ihr wisst schon, das Unternehmen, das mal früher eine angeblich “illegale” Tauschbörse war, bevor es Bertelsmann kaufte und feststellte, dass die illegalen Sauger gar nicht mit im Preis eingeschlossen waren und man nur noch eine Bude irgendwo in Amerika besaß mit ein paar Angestellten und einem Namen, vor kurzem irgendwie neu wiedererfunden und will nun Musik-Abos unter die Leute bringen (u.a.) aber das ist wohl nicht so einfach, immerhin sind wohl die Verluste besser als erwartet. Der dritte von links ist von 3p und macht irgendwas mit einer Rechtedingens, die er etablieren will – was alle irgendwie super finden, zumindest im Prinzip, weil dann wieder mehr Geld zu den richtigen, also denen aus der Branche, fliesst. Daneben der Moderator, der sogar durchaus mal gute Fragen stellte, die Antworten aber dann nicht wirklich drauf erwartete. Dann ein Produzent dem man sogar irgendwann abringen konnte auf das vom ihm produzierte neue Setlur-Album hinzuweisen. Und ganz Rechts der Anwalts-Liebling, äh, Liebling Anwalt. Er tat alles um den erwarteten Ruf gerecht zu werden und Schäuble-Gemurmel wurde in meinem nahen Umfeld laut.

Na, da haben die also schön darüber gesprochen, wie böse doch ist, wenn die Kleinen und die Großen so einfach Musik piraterierien, also mit bis an die Zähne bewaffnet in kleinen wendigen Boten die großen Koggen der Musikindustrie entern und alles verbrennen und schänden und wegnehmen. Na ja, nicht so wörtlich natürlich. Aber man war schon arg traurig, dass man nun zwar nachweislich mehr Musik im Volke höre, aber die Kassen weniger klingeln. Schuld daran seien eben u.a. die Gauner und Halunken, die sich die Rechner mit Musik vollstopfen ohne daran denken zu bezahlen. Ja, es fehlt denen sogar das Unrechtsbewußtsein, und nicht nur das, mancher einer fühlt sich sogar widerrechtlich im Recht, so moralisch. Aber – und da war man sich fast einig – das wird denen schon ausgetrieben durch Härte und Sanktion. Eine andere Sprache verstehen die nicht, aber die kriegt man schon am Wickel und in ein paar Jahren sei das Thema erledigt. Na ja, wenn es nicht schlimmer wird, wäre es aber auch schon ein Erfolg.

Irgendwie verstehe man eh nicht, wie man so eine schlechte mp3-Qualität überhaupt wolle, dem widersprach der Napster-Mann, was alle auch ok fanden. Qualität war eh oft ein Stichwort, allerdings dachten wir dabei im Auditorium da an musikalische Qualität, die am Podium eher mehr an die Technik – ok, und Klassik. So ein Einwurf unseres René, warum denn so ein Fair Use-Gedanke nicht was für uns in Europa wäre, wurde besser auf das Vier-Augen-Gespräch mit dem Anwalt danach verschoben, was sich vermeiden ließ.

Am Ende kam nach wenig kontroverser Diskussion das amerikanische Filmende mit alle haben sich irgendwie lieb und sind “Partner”. Der Sauger geläutert, der Napster legal und nun auch Freund der großen und kleinen Labels, alle irgendwie an einem Strang ziehend und der Anwalt haut schon platt mit seinen Kumpels, bis alles wieder in Ordnung ist. Ach ja, und die CD bzw. der “physische Datenträger”, das/den wird es immer geben – immer und ewig. Musik-Kassetten sind ja auch nicht tot zu kriegen, wie Droschken durch das Auto nie verdrängt werden konnten und auch das Buch immer leben wird.
Aber natürlich die CD Hand in Hand mit dem Online-Vertrieb.
Wird alles wieder so schön wie früher. Nur … ich meine mich zu erinnern, dass wir damals (Ende der 80er) über den Musikbiz ziemlich geflucht haben, weil nur noch die großen Labels dominierten und die kleinen Läden/Labels reihenweise vor die Hunde gingen. Aber das war wohl ein anderer Film.

Ich wollte eigentlich noch was fragen, ließ es dann aber, das ist eh nicht so mein Thema. Und daher sparte ich mir die Frage nach dem “Plan B”. So, was denn wäre, wenn die Welt sich weiterdreht, wenn die Sanktion ebenso viel Wirkung hat wie bei Drogen oder Paedophilie, nämlich nur die Verdrängung in den Untergrund (aus den Augen aus dem Sinn)? Wenn die Vernetzung der Peer-to-Peer-Netze endültig nicht mehr über zentrale Provider sonder dezentral bspw. über Hotspots organisiert wird? Was also, wenn das Dahinsiechen nur verlangsamt wird, aber zum sicheren Kollaps führt? Wäre es da nicht an der Zeit wenigstens Plan B in der Tasche zu haben? Ich mein, Apple macht das ja schon irgendwie. Man sieht die Musik nur noch – wenn ich das richtig verstehe – also Verkaufsargument für den iPod – und das klappt wohl auch. So wie man eben auch im Fußball irgendwann nicht mehr die wesentlichen Einnahmen durch Zuschauer im Stadion erzielt, sondern durch z.B. Marketing/Merchandise. Und auch die einst als ewige Cash-Cow gefeierte Telefonie wird zwischenzeitlich von manchen Providern obbedruf für umme gegeben. Die Zeiten ändern sich eben, man muss nur vorne mit bei sein und gestalten – oder hinterherlaufen.

Ist mir ja auch derzeit relativ egal, bei meinem Musikkonsum derzeit. Sollen sich andere den Kopf machen. Nur die Idee mit der Kulturflatrate, die ich gestern noch mit René diskutierte, halte ich für Humbug. Wie soll die denn funktionieren? Sollen dann Mitarbeiter der Kulturflatrate-Einzugs-Zentrale um die Häuser tingeln und nachfragen, ob ein entsprechendes Empfangsgerät verfügbar ist? An Solidarität und Freiwilligkeit glaube ich nicht. Wenigstens da war ich mit dem Podium mal einer Meinung.

Dafür habe ich mal den Robert Basic persönlich kennen gelernt. Und nette Kolleginnen und Kollegen von René. ;-)






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Ich glaub, das war's.




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