In eigener Sache: Im Interview mit Julian Ulrich / Eint.de

Julian Ulrich bat mich um ein E-Mail-Interview – und das macht man ja gerne.

Das gesamte Interview hier bei Eint.de oder auch unten im Anhang.

Weitere Interviews mit Bloggern und anderen Netzwerkern hier bei Eint.de/Weblog/Interviews


Bild steht unter einer CC-Lizenz - Fotograf: Bastian GreshakeBitte erkläre als Einleitung kurz, in welchem Themengebiet sich dein Blog bewegt, welchen persönlichen Bezug du dazu hast bzw. wieso du dich dafür entschieden hast.

Zielpublikum Weblog, oder: das Weblog von Alexander Endl – ganz wie man mag. In meinem Weblog geht es vor allem um das Internet, seine faszinierenden und seine unangenehmen Seiten, und seine Kommunikations-Formen. Es geht über das Leben (meist: im Allgemeinen), über Fußball, Gesellschaft und manchmal auch Politik und was mich sonst so beschäftigt. Und es geht um uns als Verbraucher, daher auch “Zielpublikum”, freiwillig oder unfreiwillig einer Zielgruppe und einem Nutzerprofil zusortiert. Begehrt und umgarnt als Objekt der Werbebotschaften, dringend gesuchter Konsument, aufgeforderter Teilnehmer der Interaktion und nicht zuletzt Studienobjekt für Wissenschaft und Forschung. – Warum gerade dieser Themenmix? Hat sich so ergeben und ich war selbst überrascht.

Wie wichtig ist dein Blog für dich? Wie viel Zeit investierst du?

Ich investiere so viel Zeit wie es Zeit braucht und ich mir freimachen kann. Damit meine ich, ich nehme mir die Zeit, wenn ich das Bedürfnis habe zu schreiben. Schreiben ist also kein Zwang und es gibt keine tägliche Verpflichtung dazu. Dass man täglich meist dann doch dabei ist, ist einfach Spaß an der Sache und eben Bedürfnis.

Hörst du Musik während dem Bloggen? Was sind deine Lieblingsbands?

Meistens Nein. Ich habe lange viel Musik gehört, aber zur Zeit genieße ich es in der Regel, wenn ich mich in aller Stille auf etwas konzentrieren kann. Ausnahmen gibt es natürlich und manche Blog-Artikel wären ohne die dabei gerade laufende Musik gar nicht möglich gewesen. Meine Lieblingsbands stammen alle noch aus den alten Tagen: The Pixies, The Cure, Nick Cave, Faith No More, Cardigans, Sugarcubes, Moloko – aber auch Norah Jones ist mit dabei.

Was machst du, wenn du gerade nicht bloggst? Studieren, Arbeiten?

Ich arbeite als Projektmanager (Schwerpunkt Digitale Medien) in einem Grafikdesignbüro in Frankfurt. Studium der Rechtswissenschaft habe ich Gott sei Dank hinter mir.

Betreibst du neben deinem Weblog noch weitere Internetprojekte?

Ich blogge noch bei den Clubfans (clubfans.de) als Co-Blogger. Derzeit reichen beide Blogs aus um meinen Bedarf an der aktiven Beteiligung an Internetprojekten zu decken. Passiv treibt man sich dann schon noch hier und da rum, bspw. auch in Second Life.

Woher nimmst du die Motivation jeden Tag weiter zu bloggen?

Die Motivation kommt zu mir – sozusagen. Ich habe keine Ahnung woher. Und das schon seit Jahren. Früher, als es noch keine Blogs gab, schrieb ich einen nicht-kommerziellen Newsletter über das Neueste im Internet (z.T. einen pro Monat, war ein unglaublicher Aufwand), heute blogge ich eben. Ich denke, das hat man im Blut oder nicht.

Bloggst du aus kommerziellen Gründen? Oder siehst du Bloggen mehr als Hobby?

Kommerzielle Gründe sind nicht meine Motivation, das vorweg und dick unterstrichen. Aber ich habe auch nichts dagegen. Wenn sich die Gelegenheit bietet damit Geld zu verdienen, gern. Zudem interessiert es mich auch beruflich wie sich ein Projekt kommerzialisieren lässt, inkl. aller damit verbundener Erfahrungswerte, die man damit sammeln kann (Marktpreise, technische Hürden, Kommunikation – und auch die Kritik ob einer Kommerzialisierung).

Was tust du, um deinem Blog Leser/Besucher zu verschaffen?

Nichts strategisch gezieltes jedenfalls. Man weiß natürlich, wie man mehr oder minder erfolgreich das Augenmerk auf sich ziehen kann. Manchmal spielt man mit diesen Mechanismen, teils aus Ego-Befriedigung, teils um der Sache willen, teils aus purer Gaudi. Aber alles eben ohne Konzept. Schon bei meinen früheren Projekten war uns relativ klar, wie man Besucher-Erfolg verbuchen könnte (oder “schneller könnte”), aber am Ende geht es einem dann doch mehr um das Interesse, das einem von selbst entgegengebracht wurde, und nicht um das, was man sich beschafft hat oder um das man mit allen Mitteln gebuhlt hat. Ist eben fast wie in der Liebe: Man will um seiner Selbst willen geliebt werden, nicht wegen seines Geldes oder Ruhms und auch nicht weil der andere etwas in einem sah, was man eigentlich gar nicht ist.

Bloggst du öfters über Klatsch & Tratsch & Hype – Themen (z.B. Knut, youporn) um Traffic zu provozieren?

Zu meinen Themen gehört auch Bloggersdorf und da gehört das einfach auch dazu darüber zu berichten. Manchmal denkt man sich: Warum nicht auch einen Hype mitnehmen? Aber am Ende muß es einfach eh irgendwie rein passen und man will auch was dazu zu sagen haben. Aber heilig gesprochen möchte ich da nicht werden. Kann auch mal vorkommen.

Wie stehen deiner Meinung nach die Chancen, sich im deutschsprachigen Raum als Blogger den Lebensunterhalt zu verdienen?

Die Frage kann man so nicht beantworten, dazu ist der Begriff Bloggen und Blogger zu vielschichtig. Als kleiner Privatblogger, der neben Studium oder Arbeit ab und an mal was schreibt, der wird auch zukünftig nicht im Vorbeigehen plötzlich das große Geld machen. Wer aber Schreiben als seine Passion sieht und dazu auch noch das nötige Talent hat, für den sehe ich durchaus die Chance über kurz oder lang ein vernünftiges Einkommen mit einem Weblog zu erzielen. – Warum auch nicht? – Aber es wird noch dauern, bis die entsprechenden Strukturen aufgebaut sind, die auch einen gewissen Grundsockel pro Monat sichern.

Was hältst du von bezahlten Blog-Beiträgen, abgewickelt z.B. über trigami.com? Was muss geschehen, damit du einen bezahlten Beitrag schreibst?

Das tue ich ja bereits (trigami).
Die Diskussion wurde ja heiß geführt und würde hier sicher den Rahmen sprengen sie zu wiederholen. Und dies wäre notwendig, um meinen Standpunkt richtig darzulegen. Die wesentlichen Dinge sind wohl: Werbung muss klar gekennzeichnet sein. Als Blogger sollte man sich davon nicht in seinem sonstigen Bloggen beeinflussen lassen (- und die Gefahr besteht). Man sollte immer zu dem stehen können, was man tut.

Ich hatte meine Probleme mit denen, die vehement gegen Werbung ins Felde gezogen sind um dann bei der ersten wirklich lukrativen Anfrage mit wehenden Fahnen übergelaufen sind. Habe das aber auch zwischenzeitlich als “eben menschlich” akzeptiert, nach vielen Diskussionen.

Für mich selbst sehe ich das auch wiederum als berufliche Erfahrung wie auch schreibende Herausforderung. Man lernt viel, wenn man etwas selbst ausprobiert, gerade auch im Hinblick darauf, wie man damit umgeht einen neutralen Bericht über den zu schreiben, der einen bezahlt. Das ist durchaus spannend und hinterfragt einen selbst bisweilen.
Aber wie bei so vielen Dingen finde ich, dass man einfach abwägen und dann zu seinen Entscheidungen stehen sollte.

Welche Werbeformen empfindest du persönlich als in Blogs besonders effektiv?

Das ist für mich keine Frage der Form sondern des Inhalts. In dem Sinne also als Antwort: kontext-sensitive Werbung ist für mich am ehesten Erfolg versprechend, weil dann die Werbung zu dem Inhalt passt, mit dem ich mich gerade beschäftige. Und sonst gilt: Es muss mich eben ansprechen, gerade thematisch passen oder einfach gut gemacht sein. Ganz schlecht ist “Penetranz” und “Mogelpackungen”, beides erkennt man mit der Zeit ganz gut.

Was hältst du vom momentanen Web 2.0 – Hype? Wohin wird das führen?

Wüßte man wohin es führt, wäre es doch langweilig. Ich denke man ertastet da einfach, nachdem man die Technik halbwegs im Griff hat und die realen Lebensabläufe ins Web übertragen konnte, nun Neuland. Was dabei herauskommt, ob es unsere Gesellschaft ändern wird – ich weiß es nicht, aber ich denke es wird. Der “Hype” wird abklingen, “Hypes” sind eh meistens eigentlich immer etwas hinter der aktuellen Entwicklung zurück, fokussieren auf irgendwas publikumswirksames (was nicht immer der Kern der Sache sein muss) und führen nur zu überzogenen oder auch falschen Erwartungen. Das Web 2.0, also vor allem der “Mitmach-Gedanke” führt derzeit bei denen, die dazu eh schon immer geneigt haben (sozusagen genetisch codiert) dazu, dass sie ihre Neigung endlich ausleben können und nun Neues entwickeln. Die anderen dazu bewegen mitzumachen wird eine ganz andere Nummer.

Wo findet man dich im WWW sonst noch? Verbringst du Stunden auf youtube, studivz oder myspace? In welchen Foren bist du aktiv?

Ja, so irgendwo überall, wenigstens mal beim reinsehen (außer StudiVZ). Auch Second Life ist ja zur Zeit eine interessante Plattform.

Was sind die Kriterien für einen guten Blog? Welche Tipps kannst du einem Anfänger mit auf die Reise geben?

Ich fühle mich selbst als Lernender, daher wäre gute Ratschläge vielleicht etwas vermessen. Ich mag besonders Blogs, bei denen man den Schreiber erkennt und kennen lernt. Das müssen keine Stories aus dem Nähkästchen sein, das ist einfach eine Frage, ob man bereit ist aus sich selbst heraus zu bloggen oder nur etwas darstellen will – ganz egal ob man da über Musik, IT oder Haustiere bloggt.

Und das ist vielleicht auch mein “Tipp”: Man selbst sein. – Man darf sich Vorbilder nehmen und daran auch versuchen seine Schreibe oder seinen Stil zu finden, man sollte aber nicht versuchen jemanden zu kopieren. Manche Bücher z.B., wie Herr Lehmann, haben kurzzeitig beim Lesen meinen Schreibstil beeinflusst, das hat Spaß gemacht, legte sich aber wieder und ein bisschen was nimmt man dann mit.

Man darf sich selbst hinterfragen, man darf sich irren, man darf mal zu laut poltern und mal zu leise gewesen sein – aber man sollte dazu stehen und bereit sein sich auch kritisch zu hinterfragen. Ich mag Kontinuität und Integrität, aber wenn man sich und seine Ansichten doch ändern muss, weil sich etwas verändert hat oder weil man sich einfach irrte, dann ist mir eine Auseinandersetzung damit lieber als ein stures Festhalten an den eigenen Prinzipien.

Was willst du in deinem Leben keinesfalls versäumen? Was willst du noch erleben?

Was ich will? Ich will einfach dabei sein. Ich will die Entwicklungen im Internet weiter mitverfolgen, will mitten drin sein und im Idealfall auch selbst etwas bewegen und beeinflussen, auch wenn es nur in einem ganz kleinen Bereich sein sollte. Und wenn ich träumen darf: Ich möchte erleben, dass sich Qualität und Kreativität durch irgendein Wunder der Technik oder der Systeme am Ende doch durchsetzen vor Populismus, Boulevard, Einheitsbrei und nicht zuletzt dem Geld, das reingesteckt wird. Aber das ist wirklich nur ein Traum.